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International

«Vatileaks»: Papst lüftet Schleier des Schweigens

Mittwoch, 30. Mai 2012, 16:01 Uhr

Im Enthüllungsskandal des Vatikans hat sich Papst Benedikt XVI. erstmals selbst geäussert. Dabei wies er Medienberichte über die Affäre um seinen Kammerdiener zurück.

Laut dem Papst zeichneten die Medien «ein Bild vom Heiligen Stuhl, das nicht der Wirklichkeit entspricht». Die jüngsten Ereignisse hätten ihn sehr traurig gemacht, sagte Benedikt vor tausenden Pilgern bei seiner wöchentlichen Generalaudienz auf dem Petersplatz in Rom.

 

Bild Papst bei der Generalaudienz auf dem Petersplatz.
Fehlt dem Papst der Durchblick? Seine aktuellen Äusserungen blieben letztlich vage und brachten kaum neue Erkenntnisse. keystone

Der Kammerdiener des Papstes war festgenommen und angeklagt worden, weil er unerlaubt im Besitz vertraulicher Vatikan-Dokumente gewesen sein soll. Der 46-Jährige wird beschuldigt, seit Jahresbeginn brisante Dokumente, in denen es unter anderem um Vorwürfe der Korruption und des Missmanagements ging, an Medien weitergegeben zu haben.

In Anlehnung an das Enthüllungsportal Wikileaks ist von «Vatileaks» die Rede. Es gebe immer mehr Gerüchte, die von einigen Medien verbreitet würden, die völlig grundlos seien und die weit über die Tatsachen hinausgingen, sagte das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche.

Kammerdiener als Sündenbock

«Unser Leben und unser christlicher Weg sind häufig gekennzeichnet durch Schwierigkeiten, Unverständnis und Leid.» Alle Menschen müssten sich Konflikten in den zwischenmenschlichen Beziehungen stellen, oft auch innerhalb der eigenen Familie.

Benedikts Kammerdiener arbeitete in der Wohnung des Papstes im Apostolischen Palast. In dieser Vertrauensstellung hatte er Zugang zu den streng abgeriegelten Privatgemächern des Kirchenoberhauptes und kannte die Vorgänge dort bestens. Der Kammerdiener bediente den Papst bei Tisch und begleitete ihn im Papamobil.

Zuletzt hatten italienische Medien berichtet, der Kammerdiener müsse als Sündenbock herhalten, um ranghöhere Vertreter des Vatikans zu schützen. Ein Vatikansprecher hatte aber dementiert, dass auch gegen einen Kardinal ermittelt werde.

(reuters/maiu; schl)