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International

Zorn über Wahlausgang auf Ägyptens Strassen

Dienstag, 29. Mai 2012, 1:39 Uhr, Aktualisiert 13:45 Uhr

In Ägypten entlädt sich Enttäuschung und Zorn über den Ausgang der Präsidentenwahlen. In Kairo und Alexandria kam es seit dem Abend zu Demonstrationen. Die Wahlkampfzentrale des Präsidentschaftskandidaten Ahmed Schafik wurde von Unbekannten angegriffen.

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Mehrere hundert Menschen haben am Montagabend in Kairo und Alexandria gegen das Ergebnis der ersten Runde der Präsidentenwahl in Ägypten protestiert. Auf dem symbolträchtigen Tahrir-Platz im Zentrum der Hauptstadt Kairo strömten 500 Demonstranten zusammen und riefen: «Das Volk will das Regime zum zweiten Mal stürzen.»

Werden damit die Proteste im ganzen Land wieder aufflammen? SRF-Korrespondent Pascal Weber in Kairo spricht von einem gespaltenen Ägypten.

Wird Schafik überhaupt zur Wahl zugelassen? Der Entschied steht noch aus, sagt SF-Korrespondent Pascal Weber.

Wenige Stunden zuvor hatte die Wahlkommission das Ergebnis des Urnenganges verkündet. Demnach werden der Islamist Mohammed Mursi und der Ex-Regime-Mann Ahmed Schafik in der Stichwahl um das höchste Staatsamt kämpfen.

Beobachter rechnen damit, dass sich die Proteste in den kommenden Wochen noch ausweiten könnten. Vor allem ein Sieg Schafiks, der die Unterstützung des mächtigen Militärs und der immer noch an Geld und Einfluss reichen Netzwerke der ehemaligen Regime-Partei NDP geniesst, könnte die Stimmung unter der sogenannten Revolutionsjugend zum Kochen bringen.

Bild Demonstranten mit Plakaten
Transparente gegen Präsidentschaftskandidat Schafik, alter Weggefährte von Mubarak, führten viele Protestierende mit sich. keystone

Büros von Schafik attackiert

Unbekannte haben die Wahlkampfzentrale von Schafik angegriffen. Bei der Attacke am Montagabend wurde ein Nebengebäude der Büros in der Hauptstadt Kairo angezündet.

Dem früheren Luftwaffenchef und letztem Regierungschef des langjährigen Staatschefs Hosni Mubarak, Schafik, wird von Kritikern vorgeworfen, dem seit Mubaraks Sturz herrschenden Militärrat zu nahe zu stehen. Seinen Wahlkampf führte er vor allem mit dem Versprechen, das Land zu der Stabilität zurückzuführen, die von vielen Ägyptern seit dem Sturz Mubaraks vermisst wird.

Ob Schafik überhaupt zur Stichwahl antreten darf, soll offenbar erst wenige Tage vorher entschieden werden. Laut einem Bericht der Zeitung «Al-Achbar» verlautete am Montag aus Justizkreisen, das Verfassungsgericht werde am 11. Juni über die Verfassungsmässigkeit des Gesetzes entscheiden, das die Kandidatur von Mitgliedern der früheren Führung des Landes untersage.

Militär hinter den Kulissen tonangebend

Aufgrund dieses Gesetzes hatte die Wahlkommission Schafiks Kandidatur zunächst nicht zugelassen. Dieser hatte jedoch Ende April mit einem Einspruch Erfolg.

Die Stichwahl um das Präsidentenamt findet am 16. und 17. Juni statt, der Sieger soll am 21. Juni feststehen. Danach will der seit Mubaraks Sturz regierende Militärrat die Macht abgeben. Hinter den Kulissen dürfte das mächtige Militär aber weiterhin eine wichtige Rolle spielen, glauben viele Beobachter.

(agenturen/halp; schl)