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Kultur

Kühne Technik und Wahrzeichen – Golden Gate Bridge wird 75

Samstag, 26. Mai 2012, 15:57 Uhr

Sie hat Erdbeben, Stürme und Verkehrsstaus überlebt: Mit 75 Jahren ist die Golden Gate Bridge, das Wahrzeichen von San Francisco, unverwüstlich und atemberaubend. Dass sie sich als Hängebrücke über die Bucht von San Francisco spannt ist keine Selbstverständlichkeit.

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«Das mächtige Werk ist vollbracht» erklärte Joseph, Baermann Strauss, der Erbauer der Golden Gate Bridge am 27. Mai 1937 bei der Eröffnung.

Aus gutem Grund ist die Golden Gate Bridge die meist fotografierte Brücke der Welt. Kühn schwebt die einst längste Hängebrücke der Welt über die Meerenge. Die beiden Art-déco-Türme strecken über dem tiefblauen Pazifik 227 Meter hoch in den Himmel.

Brücke im Bienenkleid

Es hätte ganz anders kommen können. Vor dem Baubeginn stritten sich die Experten, ob die tückischen Strömungen und der enorme Weg überhaupt zu bezwingen seien – nicht unter astronomisch teuren Baukosten von 100 Millionen Dollar, spekulierten andere. Hätte sich die US-Marine durchgesetzt, so wäre die Brücke aus Sicherheitsgründen heute gar schwarz-gelb gestreift.

Am Ende setzte sich ein schmächtiger Ingenieur von knapp 1,60 Metern Grösse mit seinem kühnen Konzept, Ausdauer und Überzeugungskraft durch: Eben jener Joseph Baermann Strauss, geboren 1870 im US-Bundesstaat Ohio, siegte über den heftigen Widerstand von Fährleuten.

Bild Aufnahme aus der Bauzeit der Golden Gate Bridge
Die Golden Gate Bridge wurde in 4 Jahren erstellt. keystone

Er setzte sich auch gegen die Skepsis von Geldgebern und Politikern sowie die wirtschaftlichen Zwänge der grossen Depression durch. Für 33 Millionen Dollar stampfte er mit 1500 Arbeitern die grandiose Konstruktion unter schwierigsten Bedingungen in gut vier Jahren aus dem Boden.

Bereits damals zog die Brücke die Menschen in ihren Bann: Zur Eröffnung spazierten fast 300'000 Menschen über die Golden Gate Bridge.

«Grösstes Ereignis der Kindheit»

An dieses Ereignis erinnert sich die 85jährige Kalifornierin Nancy Kent Danielson noch gut. Sie zählt zur Handvoll noch lebender Zeitzeugen. Als Elfjährige spazierte sie vor 75 Jahren mit ihrer Zwillingsschwester und den Eltern an dem Tag über die Brücke. « Das war eine grosse, feierliche Menge von 200'000 Menschen», erzählt Danielson. Autos waren erst am Tag danach erlaubt.

Auch Patricia McCaron denkt noch an das «grösste Ereignis» ihrer Kindheit, obwohl sie damals erst dreieinhalb Jahre alt war. «Mein Vater und ich hatten einen Hut mit Quasten an, im Stil von Rudolpho Valentino, das war die grosse Mode», erzählt die 78Jährige.

«Das war ein unglaubliches Gefühl zu den Pfeilern hoch zu schauen. Diese Farbe und die unendliche Höhe, das vergisst man einfach nie.» Das waren die 25 Cent, die jeder Fussgänger am Eröffnungstag zahlen musste, ganz bestimmt wert, meint McCaron. Rund 50'0000 Hotdogs wurden an die Schaulustigen verkauft, listet das Archiv der Brückenverwaltung auf. Die Stadt feierte eine Woche lang.

Auch heute ist die Brücke stark frequentiert. Täglich passieren bis zu 6000 Radfahrer, mehr als 10'000 Fussgänger und jährlich über 40 Millionen Autos das Bauwerk.

«Ich fühle mich auf der Brücke sicher»

Wenn die Stadt San Francisco am 27. Mai den 75. Geburtstag ihres Wahrzeichens feiert, werden Hunderttausende Schaulustige erwartet. Gefeiert wird entlang der Uferpromenade mit historischen Paraden, Ausstellungen, Zeitzeugen und einem grossen Feuerwerk, das von der Brücke aus gezündet wird.
 
Einen Fussgängertag, wie am 50. Geburtstag, als über 300'000 Menschen von beiden Seiten auf die Brücke strömten, gibt es nicht. Damals zitterten die Nerven der Besucher und Veranstalter, als die gewöhnlich leicht nach oben gewölbte Trasse unter der schweren Last flach gedrückt wurde.

Brückenmaler Dennis «Rocky» Dellarocca, der seit 28 Jahren die Brücke mit Farbe in Schuss hält, vertraut der Konstruktion. «Sie kann sich bei starken Winden mehrere Meter seitlich und nach oben und unten bewegen», erzählt der Maler aus Erfahrung. «Ich fühle mich auf der Brücke total sicher. Sie musste erst drei Mal bei starken Stürmen geschlossen werden».

Mit einer Spannweite zwischen den Pfeilern von 1280 Metern war sie viele Jahre die längste Hängebrücke der Welt. Erst 1964 stahl ihr New Yorks Verrazano Narrows Bridge den Titel. Seit 1998 hat die japanische Akashi-Kaikyo-Brücke mit 1991 Metern Spannweite die Nase vorn.

Auf halbem Weg zur Hölle

Die beiden mächtigen Hauptkabel – im Durchmesser knapp einen Meter dick und nach einem Patentverfahren des deutschen Einwanderers John Roebling aus 129'000 Kilometern Draht gesponnen – halten die sechsspurige Fahrbahn in der Schwebe.

Brückenbauer Strauss war nicht nur ein ausgezeichneter Ingenieur sondern auch ein Sicherheitsexperte. Als die Hängekabel angebracht werden sollten, liess er ein teures Auffangnetz installieren. 19 Arbeiter wurden nach Stürzen, die sonst tödlich verlaufen wären, aufgefangen. Sie scherzten damals, dass sie nun dem «Auf halbem Weg zur Hölle»-Club angehörten. Insgesamt kamen dennoch elf Arbeiter ums Leben.

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Während dem Bau der Brücke kamen insgesamt 19 Personen ums Leben. keystone

Noch immer fordert die Golden Gate Bridge Opfer. Über 1000 Menschen haben sich durch den Sprung aus einer Höhe von 70 Metern das Leben genommen, der Erste bereits drei Monate nach der Eröffnung. Rund zwei Dutzend Menschen stürzen jedes Jahr in den Tod, die genauen Zahlen werden aber nicht bekanntgegeben. Seit Jahrzehnten wird der Bau einer Schutzvorrichtung diskutiert.

Neuer Besucherpavillon

Nach den jüngsten Plänen will die Brückenverwaltung an dem Geländer ein Fangnetz aus Stahl anbringen, allerdings müssten noch 45 Millionen Dollar (35 Millionen Euro) dafür beschafft werden, erklärt Brückensprecherin Mary Currie.

Für den Geburtstag wünscht sich Currie nur, dass die Besucher keine verrückten Ideen haben. «Es sind schon mal Leute mit einem Bungeeseil und mit Drachen abgesprungen, aber wir hoffen, dass niemand so etwas versucht».

Rechtzeitig für das Jubiläum haben die Betreiber für die Millionen Touristen noch ein dauerhaftes Geschenk. Es gibt einen neuen Besucherpavillon auf dem Brückenvorplatz mit vielen Informationen, historischen Artefakten und Andenken. Erstmals können Interessierte auch bei geführten Touren mitmachen, darunter nächtlichen Ausflügen auf die Brücke, die dann eigentlich schon für Fussgänger gesperrt ist.

Die Golden Gate Bridge in Zahlen

- Baubeginn: 5. Januar 1933, vierjährige Bauzeit

- Baukosten: 35 Mio. Dollar

- Gesamtlänge: 2737 Meter mit An- und Auffahrt

- Strassenlänge zwischen den Pfeilern: 1280 m

- Breite: 27 m

- Höhe über dem Wasser: 67 m

- Höhe der Pfeilerspitzen über der Wasser: 227 m

- Länge der beiden Hauptkabel: je 2332 m

- Durchmesser der Hauptkabel: 92 cm

- Anzahl der Drähte in jedem Hauptkabel: 27'572

- Gesamtlänge der verwendeten Drähte: 129'000 km

- Max. Auf/Ab-Bewegung in der Mitte: 5 m

- Max. seitliche Bewegung: 8,4 m

- Gewicht des verwendeten Stahls: 75'293 t

(dpa/muei; engf)