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Krise im Euro-Land

Lagarde wettert gegen Griechen

Samstag, 26. Mai 2012, 18:36 Uhr

Die Chefin des Internationalen Währungsfonds, Christine Lagarde, schenkt den Griechen ein. Allerdings keinen Wein, sondern Kollektiv-Schelte: Sie habe mehr Mitleid mit den Ärmsten in Afrika als mit den sich selbst bedauernden Menschen auf der Peleponnes.

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Lagarde wird in dem Interview mit der britischen Tageszeitung «Guardian» so deutlich wie noch kein Politiker in den vergangenen zweieinhalb Jahren:

Die Griechen sollten sich endlich gemeinsam selber helfen. Beispielsweise, «indem sie ihre Steuern bezahlen.» Lagarde schloss aus, dass der IWF die Bedingungen für die vereinbarten Reformen lockert. Es sei Zeit, dass die Griechen ihren Teil beitragen und ihre Gegenleistung erbringen, sagte sie.

«Ich denke über all die Leute nach, die die ganze Zeit versuchen, ihren Steuern zu entkommen»
Christine Lagarde, IWF-Direktorin

Der IWF ist an den Milliardenhilfen für Griechenland beteiligt und pocht darauf, dass die Regierung in Athen die Wettbewerbsfähigkeit des Landes verbessert und die öffentlichen Finanzen saniert.

Auf die Frage, ob sie Gedanken daran ausblenden könne, dass Mütter in Griechenland keine Hebammen und Patienten keine lebenswichtigen Medikamente bekommen könnten, antwortete sie: «Ich denke mehr an die Kinder, die im Niger in die Schule gehen und zwei Stunden Unterricht am Tag erhalten, sich zu dritt einen Stuhl teilen und sehr froh sind, eine Ausbildung zu bekommen», sagte Lagarde.

«Ich habe sie immer im Auge, weil ich glaube, dass sie sogar mehr Hilfe brauchen als die Menschen in Athen.» Die Französin geht davon aus, dass die Schuldenkrise ihren Lauf nehmen muss. «Wissen Sie was: Was Athen anbetrifft, denke ich auch über all die Leute nach, die die ganze Zeit versuchen, ihren Steuern zu entkommen», sagte sie.

Harsche Pauschal-Kritik

Gleichermassen beschäftige sie auch die Tatsache, dass der griechische Staat seinen Pflichten gegenüber den Bürgern nicht nachkomme.

Auf die Frage, ob sie es als schwieriger empfinde, einem reichen Land harte Bedingungen aufzuerlegen als einem armen, antwortete die IWF-Chefin: «Nein, es ist nicht schwieriger. Weil es die Aufgabe des Fonds und mein Job ist, die Wahrheit zu sagen, unabhängig davon, wer auf der anderen Seite des Tisches sitzt.

Und ich sage Ihnen: Es ist manchmal schwieriger, der Regierung eines Landes mit niedrigen Einkommen, wo die Menschen von 3000, 4000 oder 5000 Dollar pro Kopf im Jahr leben, zu sagen, bringt euren Haushalt in Ordnung und baut euer Defizit ab. Weil ich weiss, was das für die sozialen Programme und die Unterstützung der Armen bedeutet. Das hat viel grössere Auswirkungen.»

Wut, Enttäuschung und Illusionen

Aus Wut über die tiefen Einschnitte bei Löhnen und Sozialversicherungen sowie über die hohe Arbeitslosigkeit infolge der Rezession unterstützen viele Griechen inzwischen linke und populistische Parteien. Diese verheissen alte Zustände und versprechen ein Ende des Sparkurses sowie die Aufkündigung der Verträge mit den internationalen Geldgebern.

Sollten diese Gruppierungen die Neuwahl am 17. Juni gewinnen und mit ihren Ankündigungen Ernst machen, würde dies voraussichtlich ein Ausscheiden des Landes aus der Euro-Zone bedeuten.

(agenturen/falt;engf)