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Vermischtes

VatiLeaks: Kammerdiener des Papstes in Haft, Vatikanbankchef geht

Freitag, 25. Mai 2012, 21:09 Uhr, Aktualisiert 22:06 Uhr

Papst Benedikt muss sich nach einem neuen Kammerdiener umsehen: Der bisherige Stelleninhaber wurde im Zusammenhang mit einem seit Wochen schwelenden Enthüllungsskandal festgenommen. Auch ein zweiter Posten ist zu Pfingsten vakant: Vatikanbankchef Tedeschi muss seinen Posten räumen. Wegen Versagens.

Bild Papst Benedikt XVI. am Fenster des Apostolischen Palastes
Neue Skandale ausgerechnet an Pfingsten bringen den Vatikan erneut in Schieflage. reuters

Jetzt ist es definitiv: Der Chef der Vatikanbank IOR, Ettore Gotti Tedeschi, muss nach einem Misstrauensvotum des Aufsichtsrats seinen Posten räumen. Der Manager, der mehr Transparenz in die Geschäfte der Bank bringen sollte, habe trotz wiederholter Mahnungen «bestimmte Aufgaben von vordringlicher Wichtigkeit nicht ausgeführt», teilte der Vatikan mit.

Schweigen «aus Liebe zum Papst»

Tedeschi hatte laut Radio Vatikan noch am Donnerstagabend seinen Rücktritt eingereicht. «Aus Liebe zum Papst» wolle er sich nicht gegen den Vorwürfe verteidigen, sagte Tedeschi. «Besser ich schweige, ich würde sonst böse Worte sagen.» Der derzeitige IOR-Vizepräsident, der deutsche Banker Ronaldo Hermann Schmitz, soll unbestätigten Gerüchten zufolge zum Interimspräsidenten bestimmt werden.

Tedeschi war 2009 angetreten, die Bank zu erneuern. Vor zwei Jahren aber warfen ihm römische Ermittler vor, gegen Anti-Geldwäsche-Standards verstossen zu haben. Die Ermittlungen wurden jedoch eingestellt. Papst Benedikt XVI. erliess daraufhin ein Massnahmenpaket gegen Geldwäsche.

Korruption, Missmanagement, Nepotismus

In italienischen Medien wurde auch über einen Zusammenhang der ans Licht gekommenen Bank-Unregelmässigkeiten mit dem «VatiLeaks»-Skandal spekuliert. Dabei waren aus dem Vatikan vertrauliche Dokumente an die Medien durchgesickert – auch über das Finanzgebaren der Vatikanbank.

In weiteren Unterlagen ging es um Vorwürfe der Korruption, des Missmanagements sowie der Vetternwirtschaft. Italienische Medien spekulierten daraufhin über einen Machtkampf innerhalb der Spitze der Kurie.

Der Vatikan hatte die Veröffentlichungen der vertraulichen Dokumente scharf kritisiert. Als illegal wird auch ein Buch mit dem Titel «Sua Santità» (Seine Heiligkeit) angeprangert, das in dieser Woche erschienen war und mehrere dieser Dokumente enthalten soll.

In diesem Fall gibt es jedoch nun einen Verdächtigen – dabei soll es sich um einen Kammerdiener des Papstes handeln. Der 46-Jährige war seit 2006 als Kammerdiener beschäftigt.

Vertrauensstellung erlaubt Blick hinter die Kulissen

Vatikansprecher Federico Lombardi sagte, der Mann sei unberechtigt im Besitz vertraulicher Dokumente des Heiligen Stuhls gewesen, darunter auch persönliche Briefe an den Papst. Benedikt XVI. reagierte betroffen. Es handele sich um eine schmerzliche Entwicklung, soll er gegenüber Vertrauten geäussert haben.

Der Kammerdiener hat Zugang zu den streng abgeriegelten Privaträumen des Kirchenoberhauptes im Apostolischen Palast und ist mit den Vorgängen dort bestens vertraut. Er bedient den Papst bei Tisch, begleitet ihn im Papamobil, und überreicht Würdenträgern, die das Kirchenoberhaupt aufsuchen, den Rosenkranz. 

Benedikt hatte mehrere Ermittlungsverfahren angeordnet, die unter anderem von der vatikanischen Polizei und von einer Kardinalskommission geleitet wurden.

Ermittlungen auch im Fall Orlandi

Die italienische Staatsanwaltschaft ermittelt im Zusammenhang mit der seit 1983 im Vatikan verschwundenen 15-jährigen Emanuela Orlandi gegen den Priester Don Pietro Vergari. Vergari war früher für die Basilika Sant'Apollinaire zuständig.
 
In dieser Basilika war vor wenigen Tagen das Grab eines berüchtigten Mafia-Bosses geöffnet worden. Es hatte Gerüchte gegeben, der Leichnam der seit 29 Jahren vermissten 15-jährigen Tochter eines Vatikan-Angestellten könnte mit in dessen Sarg liegen.

Bei der Öffnung des Sarges des «Renatino» genannten Mafioso Enrico De Pedis am Montag waren jedoch nur dessen sterbliche Überreste gefunden worden.

(agenturen/falt;koua)