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Wirtschaft

Facebook-Debakel wird zum Futter für Juristen

Mittwoch, 23. Mai 2012, 14:16 Uhr

Der verpatzte Börsengang von Facebook wird zum Fall für Aufsichtsbehörden und Gerichte. Die US-Börsenaufsicht SEC will die Umstände der Aktienplatzierung untersuchen. Erste Anleger reichten bereits Klagen ein.

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Die Facebook-Aktie scheint mittlerweile den Fall an der Börse stoppen zu können. Heute, am vierten Handelstag, lag die Aktie zwei Stunden nach Handelsbeginn in New York 2,8 Prozent im Plus, bei 32 Dollar. In den Vortagen hatte sie ständig verloren und war deutlich unter den Ausgabepreis von 38 Dollar gerutscht.

Während Facebook und die Alteigentümer 16 Mrd. Dollar einnahmen, verlor ein Investor, der ihnen die Aktien zum Ausgabepreis von 38 Dollar abgekauft hatte, bis Dienstagabend 18 Prozent seines Geldes.

Übelster Börsengang seit Jahren

Nachbörslich ging es für die Facebook-Aktie gestern noch tiefer runter auf 30.50 Dollar. Das weltgrösste Online-Netzwerk mit seinen mehr als 900 Millionen Mitgliedern ist damit einer der übelsten Börsengänge der vergangenen Jahre.

Überdies rücken angebliche Mauscheleien Facebook und die am Börsengang beteiligten Banken in ein schlechtes Licht. Facebook-Gründer Mark Zuckerberg muss sich auf einen juristischen Schlagabtausch einstellen. Die Kanzlei Glancy Binkow & Goldberg aus Los Angeles reichte Klage vor einem kalifornischen Gericht ein. Die Anwälte werfen Facebook und den Banken im Namen ihres Mandanten vor, die Börsenunterlagen schlampig zusammengestellt und wichtige Informationen zum Geschäft und dessen Aussichten verschwiegen zu haben. Die Kanzlei fordert Wiedergutmachung im Namen aller Geschädigten.

Verheimlichten Banken tiefere Prognosen?

Die Anwälte werfen der Gegenseite insbesondere vor, verheimlicht zu haben, dass die beteiligten Banken kurz vor dem Börsengang ihre Gewinnprognosen für das Soziale Netzwerk gesenkt hätten. Namentlich werden Morgan Stanley, JPMorgan Chase und Goldman Sachs aufgeführt. Das sind die drei sogenannten «Lead Underwriter», also die wichtigsten Organisatoren des Börsengangs.

Bei ihren Vorwürfen stützen sich die Anwälte auf US-Medienberichte, unter anderem vom «Wall Street Journal». Demnach haben nur eine Handvoll ausgewählter Kunden der Banken von den gesenkten Erwartungen an das künftige Facebook-Geschäft erfahren. Entsprechend vorsichtig seien diese Kunden dann beim Kauf von Facebook-Aktien geworden. Die Facebook-Hauptbank Morgan Stanley erklärte dazu am Dienstag, alle Regularien eingehalten zu haben.

Das Blog «Business Insider» ging noch einen Schritt weiter: Ein Facebook-Manager habe den Analysten dazu geraten, ihre Vorhersagen nach unten zu korrigieren, hiess es unter Berufung auf eine ungenannte Quelle. Damit wirkt der Vorwurf, die Banken hätten sich bei der Nachfrage verschätzt und zu viele Papiere auf den Markt geworfen, noch am harmlosesten.

Höherer Ausgabepreis ein fataler Fehler

Ursprünglich hatte Facebook einen Stückpreis zwischen 28 und 35 Dollar angepeilt. Dann jedoch stockte das Unternehmen den Ausgabepreis und die Zahl der Aktien kräftig auf – was sich nun als fataler Fehler herausstellt. Nach Informationen des «Wall Street Journal» war es die Entscheidung von Facebook-Finanzchef David Ebersman, die Zahl der angebotenen Aktien um ein Viertel zu erhöhen. Zuvor habe ihm Morgan Stanley allerdings versichert, dass die Nachfrage sehr hoch sei.

Nach Daten des Anbieters Dealogic, die das «Wall Street Journal» veröffentlichte, ist kein anderer US-Börsengang im Milliardenbereich seit fünf Jahren so miserabel gelaufen. Das nächst schlechtere Unternehmen, der Vermögensverwalter Och-Ziff, war im Jahr 2007 nach drei Handelstagen auf ein Minus von 13 Prozent gekommen. Unter den Börsenverlierern findet sich auch der enge Facebook-Partner und Spieleentwickler Zynga mit minus 8 Prozent.

Nasdaq hätte Börsengang lieber abgeblasen

Die Technologiebörse Nasdaq gestand jetzt ein, sie hätte den Börsengang lieber abgeblasen, wenn ihr vorher das gesamte Ausmass der technischen Probleme bewusst gewesen wäre. Wegen der Fehlfunktion wussten Anleger am Freitag zum Teil über Stunden nicht, ob ihre Aufträge erfüllt worden waren.

(sda/dpa/vaid;fasc)