Wirtschaft
Facebook legt nur um magere 23 Cent zu
Das weltgrösste soziale Netzwerk Facebook hat ein enttäuschendes Börsendebüt hingelegt. Die Aktie schloss an der US-Technologiebörse Nasdaq lediglich 23 Cent über dem Ausgabekurs von 38 Dollar.
Bild
Begonnen hatte der Handel bei knapp 43 Dollar, dann bröckelte der Kurs aber ab. Die Aktie fiel sogar mehrmals auf 38 Dollar zurück. Offenbar hinderten nur massive Stützungskäufe der beteiligten Banken das Papier daran, in die Verlustzone zu rutschen.
Nach rund eineinhalb Stunden pendelt sich der Kurs bei 41 Dollar ein (+ 7,9 %). Viele Experten hatten im Vorfeld ein deutliches Kursplus bei dem weltgrössten Börsengang eines Technologie-Unternehmens vorhergesagt. Die Erwartungen hatten aber weit auseinandergelegen. Während einige Analysten ein Kursplus von 10 bis 15 % bereits als ordentlich betrachteten, erwarteten andere 50 % und mehr; alles andere wäre eine Enttäuschung, meinten sie im Vorfeld.
Stimmen, die vor Euphorie warnten, waren vor dem Börsenstart in der Minderheit.
Multi-Milliardär Zuckerberg eröffnete Nasdaq
Eineinhalb Stunden vor dem ersten Handel mit Facebook-Aktien an der Börse hatte der 28jährige Unternehmenschef Mark Zuckerberg den Handelsbeginn an der US-Technologiebörse Nasdaq gestartet. Zuckerberg läutete am Freitag die Nasdaq-Glocke per Live-Schaltung vom Facebook-Sitz im kalifornischen Menlo Park.
Hunderte Facebook-Mitarbeiter hatten sich unter freiem Himmel um den Firmengründer gescharrt. Viele von ihnen wurden auf einen Schlag zu Millionären. Zuckerberg selber wurde heute zum 20fachen Milliardär.
Preis und Aktienzahl angehoben
Wegen der hohen Nachfrage hatte Facebook nur zwei Tage vor dem Handelsstart 25 Prozent mehr Aktien für den IPO bereitgestellt als ursprünglich geplant. Auch die Preisspanne war von 34 bis 38 Dollar von zuvor 28 bis 35 Dollar je Papier angehoben worden.
Mit einer Marktkapitalisierung von 104 Milliarden Dollar war Facebook mit dem Glockenschlag so viel Wert wie die deutschen Traditionskonzerne Daimler und BMW und Lufthansa zusammen.
Der Weg zu den ganz grossen Namen der Technologiebranche ist aber noch weit. Apple etwa, das zu den teuersten Unternehmen der Welt zählt, ist an der Börse derzeit etwa 500 Milliarden Dollar wert.
Wie gross das Kursplus am ersten Tag ausfallen muss, um als Erfolg zu gelten, darüber waren die Meinungen der Analysten und Experten weit auseinander gegangen. «Ein Sprung von 15 bis 20 Prozent ist im Bereich des Möglichen», sagte Finanzprofessor Tim Loughran. Andere hielten Kursaufschläge von mindestens 30 Prozent für erreichbar.
Einer Morningstar-Umfrage zufolge sahen Analysten den Schlusskurs am ersten Handelstag bei 50 Dollar. Manche hingen die Erfolgslatte besonders hoch. «Ich denke, alles über 50 Prozent wird als erfolgreiche Emission betrachtet - alles unter 50 Prozent als enttäuschend», sagte Jim Krampfel, Analyst bei Morningstar.
Grösster Börsenstart eines Technologie-Unternehmens
Doch eins war schon vor dem Debüt der Aktie klar: Der Facebook-Börsengang ist der mit Abstand grösste IPO eines Technologieunternehmens aller Zeiten. Insgesamt 18,4 Milliarden Dollar werden erlöst, wenn auch eine Mehrzuteilungsoption vollständig ausgeübt wird.
Zum Vergleich: Der US-Internetgigant Google sammelte beim Börsendebüt 2004 nur knapp zwei Milliarden Dollar ein. Der Ausgabepreis der Google-Aktien lag bei 85 Dollar, am ersten Tag kletterte das Papier auf 100 Dollar. Heute liegt der Kurs bei rund 626 Dollar.
Hier eine Übersicht über die bisher weltweit grössten Börsengänge:
| Rang |
Unternehmen |
Datum |
Volumen in Dollar |
| 1. |
Agricultural Bank of China |
Juli 2010 |
19,32 Mrd. |
| 2. |
Industrial and Commercial Bank |
Okt. 2006 |
19,09 Mrd. |
| 3. |
NTT Mobile |
Okt. 1998 |
18,10 Mrd. |
| 4. |
Visa |
März 2008 |
17,86 Mrd. |
| 5. |
AIA |
Okt. 2010 |
17,82 Mrd. |
| 6. |
ENEL |
Nov. 1999 |
16.45 Mrd. |
| 7. |
|
Mai 2012 |
16,00 Mrd. |
| 8. |
General Motors |
Nov. 2010 |
15,77 Mrd. |
| 9. |
Nippon Tel |
Feb. 1987 |
15,30 Mrd. |
| 10. |
Deutsche Telekom |
Nov. 1996 |
13.03 Mrd. |
Zuckerberg bleibt Hauptaktionär
Von den Einnahmen des Börsengangs fliessen dem acht Jahre alten Unternehmen selbst nur etwas mehr als die Hälfte zu. Der Rest geht an Geldgeber, die das Potenzial des Online-Treffpunkts früh erkannt haben. Der 28 Jahre alte Gründer Zuckerberg bleibt auch nach dem IPO Mehrheitseigner.
Mehr als 900 Millionen Menschen weltweit haben ein Facebook-Konto, organisieren ihre Kontakte über das soziale Netzwerk, posten Fotos und teilen Musik mit Freunden. Kritiker bemängeln, dass noch immer nicht klar ist, wie das kalifornische Unternehmen seine Popularität bei den Nutzern in Umsatz- und Gewinnwachstum ummünzen will. Im ersten Quartal dieses Jahres sank der Nettogewinn im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um zwölf Prozent auf 205 Millionen Dollar. Der Umsatz ging um sechs Prozent auf 1,06 Milliarden Dollar zurück.
Anzeigen sind die wichtigste Einnahmequelle für Facebook. Problematisch für die Silicon-Valley-Firma ist, dass immer mehr Anhänger über mobile Zugänge wie Smartphones und Tablets das Netzwerk besuchen. In diesen Fällen kann Facebook weniger für Anzeigen verlangen, zudem schalten bisher weniger Konzerne auf mobilen Geräten Werbung.
Börsenaufsicht untersucht Panne
Die technischen Pannen zum Auftakt des milliardenschweren Börsengangs von Facebook haben ein Nachspiel. Die US-Börsenaufsicht SEC leitete eine Untersuchung der Vorgänge ein, die Investoren und Broker stundenlang im Unklaren über den Stand ihrer Kaufaufträge gelassen hatten.
Der Handel mit Facebook-Aktien hätte eigentlich am Freitag um Punkt 11.00 Uhr New Yorker Zeit beginnen sollen, verzögerte sich aber um über 30 Minuten.
(reuters)







