Schweiz
«Arena»: Streit um Managed-Care-Vorlage
In der «Arena» steht mit der Managed-Care-Vorlage vom 17. Juni eine neue Gesundheitsreform zur Debatte. In einem sind sich alle einig: Möglichst viele Versicherte sollen sich Ärztenetzwerken anschliessen. Der Weg zu diesem Ziel des Bundesrats ist jedoch höchst umstritten.
In der «Arena» diskutieren:
Auf der Pro-Seite:
Alain Berset, Bundesrat, Gesundheitsminister
Carlo Conti, Präsident der kantonalen Gesundheitsdirektoren, Gesundheitsdirektor BS, Regierungsrat CVP/BS
Auf der Contra-Seite:
Jacqueline Fehr, Vizepräsidentin SP, Nationalrätin SP/ZH
Jacques de Haller, Präsident Ärztevereinigung FMH
Das Wohl der Patienten steht bei der Managed-Care-Vorlage im Zentrum. Mit diesen Worten steigt Bundesrat Alain Berset in die «Arena». Diese Reform bürge für hohe Qualität. «Heute sind 1,5 Millionen Patienten in Ärztenetzwerken. Dies muss man ausbauen.» Bei den so genannten Managed-Care-Modellen schliessen sich Leistungserbringer – etwa Hausärzte, Spezialärzte, Physiotherapeuten, Apotheken und Spitäler – zum Zweck der Koordination der medizinischen Versorgung zusammen.
Nationalrätin Jacqueline Fehr (SP/ZH) ist nicht grundsätzlich gegen eine stärkere Vernetzung im Gesundheitswesen: «Gegen eine integrierte Versorgung kann man nichts haben», sagt die Vizepräsidentin der SP. «Aber ich kämpfe gegen diese Vorlage. Denn man hat hier aus einer guten Idee ein schlechtes Gesetz gemacht.» Die wirklich Schuldigen seien die Krankenkassen und die bürgerlichen Parteien, welche mit dem Kopf durch die Wand gehen wollten.
«Verbesserung für chronisch Kranke»
Ein besonderes Augenmerk richtet sich bei dieser Debatte auf chronisch kranke Personen. Denn diese 20 Prozent der Patienten verursachen 80 Prozent der Kosten, wie Ständerat Felix Gutzwiller (FDP/ZH) betont.
«Das soziale Umfeld ist gerade für die chronisch Kranken wichtig», sagt der Präsident der kantonalen Gesundheitsdirektoren und Basler Regierungsrat Carlo Conti. «Nur wenn man das ganze Umfeld kennt, kann man richtige Massnahmen treffen». Das sei bei der Vorlage besser gewährleistet. Aber auch aus finanziellen Gründen sollte man die vorgeschlagenen Teamwork-Modelle annehmen, sagt Corti.
«Freie Arztwahl bedroht»
Jacques de Haller, Präsident der Ärztevereinigung, sorgt sich bei diesen Änderungen vor allem um die Wahlfreiheit der Patienten. «Diese Vorlage wurde im Parlament im letzten Moment abgeändert. Für uns Ärzte ist klar, dass mit einer Erschwerung der freien Arztwahl die Beziehung zwischen Arzt und Patient beeinträchtigt wird. Die Vorlage bestraft unsere freiheitlichen Werte und das empfinde ich als unschweizerisch.»
Margot Enz, Mitglied des Vorstands Hausärzte Schweiz, setzt sich für die Managed Care-Vorlage ein. Sie enerviert sich über die gegnerische Seite. Dort gebe es keinen Hausarzt, der eine Ahnung davon habe, was ein Managed-Care-Modell sei. Heute sei jeder Arzt den Krankenkassen ausgeliefert. Dies sei viel schlimmer als die gegnerische Argumente, die in die Debatte um die Vorlage gebracht würden.
Gesundheitskosten bremsen
Umstritten ist auch, ob diese Reform die dringend benötigten Kosteneinsparungen im Gesundheitswesen erzielt. Im neuen Modell nimmt das Managed-Care-Netzwerk eine Budgetmitverantwortung. Diese solle sich kostendämpfend auswirken, sagen die Befürworter. Konkret einigt sich ein Netzwerk mit einer Krankenkasse auf ein jährliches Gesamtbudget, innerhalb dessen die Behandlungen der Patienten organisiert werden soll.
Hausarzt René Haldemann wehrt sich dagegen. Dieser Rollenkonflikt sei mit seinem Arbeitsethos nicht vereinbar. «Eine Vorlage, die sozialfeindlich und gleichzeitig unliberal ist, das ist eine parlamentarische Meisterleistung», merkte Haldemann mit ironischem Unterton an.
Die Stimmberechtigten können am 17. Juni entscheiden, ob sie diese Revision des Krankenversicherungsgesetzes unterstützen wollen oder nicht.
(sf/rufi; coro)







