International
Blitz-G8-Gipfel unter schlechten Vorzeichen
US-Präsident Obama empfängt im Camp David die Mächtigen der Welt zum G8-Gipfel. Mit grossen Würfen ist kaum zu rechnen. Das Treffen dauert nur 24 Stunden anstatt wie üblich 3 Tage, und auch sonst steht es unter schwierigen Vorzeichen.
Bild
Die führenden westlichen Industrienationen und Russland treffen sich auf dem Landsitz von Barack Obama in Camp David. Das Treffen in der Wochenendresidenz eineinhalb Autostunden von Washington entfernt soll ein intimes werden – für wichtige Gespräche am Kaminfeuer. Dies sagt der diplomatische Korrespondent von «Schweizer Radio DRS», Fredy Gsteiger, in der Sendung «Heute Morgen».
Unbekannte Gesichter
Dabei sei das Vertrauen zwischen den Akteuren entscheidend. Aber genau da liege ein grosses Problem. Denn die Gipfelpartner kennen sich noch kaum. Erstmals dabei ist etwa Italiens Regierungschef Mario Monti, der neue französische Präsident François Hollande und der japanische Premier Yoshihiko Noda.
Grosse Würfe sind kaum zu erwarten wegen eigenen politischen Interessen, aber auch insbesondere wegen der wirtschaftlichen Situation. So ist etwa Gastgeber Obama selber im Wahlkampf. Auch von der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel, die an früheren G8-Gipfeln oft Lösungen vorantrieb, sind laut Gsteiger kaum Impulse zu erwarten. Nach den jüngsten Niederlagen ihrer Partei CDU ist sie innenpolitisch angeschlagen.
Bei ihren Gipfeltreffen sagen die reichen G8-Nationen immer wieder Hilfen für die ärmsten Länder der Welt zu. Nun kämpfen die Länder selbst mit enormen Budget-Problemen.
Versprechen nicht umgesetzt
Bei ihrem Treffen 2009 in L'Aquila hatten sie noch 22 Milliarden US-Dollar für Ernährungssicherheit und Landwirtschaft bis 2013 zugesagt. Hilfsorganisationen kritisieren, dass von den zuletzt gemachten Zusagen der G8 bisher zu wenig umgesetzt sei. Zudem fehlten nachprüfbare Zahlen.
Von den 22 Milliarden sei bisher höchstens ein Viertel ausgezahlt, schätzt World Vision. «Wir wollen aber genau wissen: Wo stehen wir denn jetzt und was kommt noch?», sagte Marwin Meier, Gesundheitsexperte der Entwicklungsorganisation World Vision. «Sonst haben wir wieder ein gebrochenes G8-Versprechen. Das nagt am Ruf der G8-Gruppe.» Meier appelliert an die G8-Staaten, ihre Versprechen einzuhalten. Die Regierungen dürften sich nicht aus der Verantwortung stehlen.
Putins Abwesenheit als Affront
Der Gipfel wäre zudem der Ort, wo über die derzeitigen Krisen in Syrien, Iran oder auch über die Abrüstung diskutiert werden könnte. Doch um bei diesen grossen Konflikten weiterzukommen, leide das Treffen unter der überraschenden Abwesenheit des russischen Präsidenten Wladimir Putin, befürchtet Fredy Gsteiger.
«Dessen Absage wird offiziell heruntergespielt. Es ist aber eine G8-Premiere und wird von den übrigen Sieben als Affront gewertet und war von Putin wohl auch so gemeint», sagt der Korrespondent. Als sein Platzhalter reist Dmitri Medwedew an. Entscheidungen könnten so aber kaum erwartet werden.
(drs/sf/dpa/engf; buev)






