Wirtschaft
Fallende Aktienkurse wegen Neuwahlen in Griechenland
Die Börsen haben mit Kursverlusten auf die gescheiterten Koalitionsverhandlungen in Griechenland reagiert. Der SMI verlor innerhalb von Minuten 0,5 Prozent, der Dax gar 1,7 Prozent. Der Euro sank gegenüber dem Dollar auf den tiefsten Stand seit Mitte Januar.
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«Jetzt haben alle Angst, dass die radikalen Linken die Neuwahlen gewinnen», sagte Jörg Rahn, Marktstratege beim Vermögensverwalter Marcard, Stein & Co. «Es scheint, als rücke ein Euro-Austritt Griechenlands näher, oder zumindest die Pleite Athens.»
Als Reaktion auf die Ausrufung von Neuwahlen dreht der SMI der Schweizer Börse von einem leichten Plus von 0,1 Prozent in ein Minus von 0,5 Prozent. Später erholte er sich etwas und schloss mit einem Minus von 0,2 Prozent auf 5,865 Punkten.
Tendenziell ähnlich der Kursverlauf beim deutschen Dax. Die Schwankung war dort allerdings deutlicher. Der Kurs sackte am Nachmittag nach einem leichten Plus von 0,1 Prozent auf knapp minus 1,6 Prozent. Bei Börsenschluss betrug das Minus 0,8 Prozent. Der CAC40 in Paris gab 0,7 Prozent nach, der FTSE 100 in London 0,6 Prozent.
Der EuroStoxx50 fiel zeitweise auf ein Fünfeinhalb-Monats-Tief und beendete den Tag mit einem Minus von 1,1 Prozent. Der Leitindex der Athener Börse stürzte nach bereits schweren Verlusten in den Vortagen erneut um 3,6 Prozent ab. Zeitweise hatte er heute sogar über 5 Prozent verloren und damit ein neues Rekordtief erreicht.
Griechen-Drama drückt auch Wall Street ins Minus
Die Ankündigung von Neuwahlen in Griechenland haben den US-Börsen schlussendlich doch die Stimmung verhagelt. Kurz vor Handelsschluss drehten die Aktienmärkte ins Minus, der S&P rutschte sogar auf ein Drei-Monats-Tief. Börsianer beunruhigte die Unsicherheit.
Derzeit lässt sich kaum absehen, wie es mit dem Mittelmeerland weitergeht. «Europa bleibt der Stachel im Fleisch des Marktes», sagte Andre Bakhos von Lek Securities.
Unter den Investoren wächst die Angst, dass bei den Neuwahlen in Griechenland die Spar-Gegner siegen und das hoch verschuldete Euro- Land aus der Währungsgemeinschaft treiben. Gute Konjunkturdaten konnten die Atmosphäre nur vorübergehend verbessern.
Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss mit einem Minus von 0,5 Prozent bei 12'632 Punkten.
Der Index der Technologiebörse Nasdaq büsste lediglich 0,3 Prozent ein auf 2893 Stellen. Die Nasdaq hielt sich besser, weil Amazon um 0,7 Prozent zulegten.
Euro auf 4-Monats-Tief
Am Devisenmarkt fiel der Euro auf bis zu 1,2769 Dollar und war damit so billig wie zuletzt Mitte Januar.
Im Gegenzug drehte der deutsche Bund-Future ins Plus und lag in der Spitze gerade einmal 16 Ticks unter seinem Rekordhoch.
Aus Furcht, dass Spanien und Italien vom Strudel einer Zahlungsunfähigkeit oder einem Euro-Austritt Griechenlands mitgerissen werden, trennten sich zahlreiche Investoren von den Anleihen dieser beiden Länder. Dies trieb die Renditen der jeweiligen zehnjährigen Bonds auf 6,341 beziehungsweise 5,957 Prozent.
«Die Meldung, dass jetzt wirklich Neuwahlen kommen werden, hat hier erst einmal alle aufgescheucht», sagte ein Händler. «So sehr das auch erwartet war, der erste Schreck sitzt tief.»
Ein anderer Börsianer bezeichnete die Reaktion als völlig überzogen. «Wir wussten doch schon letzte Woche Donnerstag, dass es wahrscheinlich so kommen musste.»
Konjunkturdaten im Hintergrund
Der Griechenland-Schreck drängte die teilweise überraschend starken Konjunkturdaten in den Hintergrund. Dank des starken Wachstums in Deutschland schrammte die Euro-Zone knapp an der befürchteten Rezession vorbei.
Bankaktien wegen Griechenland tiefer
Die Furcht vor einer Ausbreitung der Schuldenkrise trieb die Finanzwerte europaweit in den Keller. Sechs der zehn grössten Verlierer im EuroStoxx gehörten zu diesem Sektor. Der europäische Branchenindex verlor 1,5 Prozent.
In der Schweiz standen die Aktien von Julius Bär am stärksten unter Druck. Die Aktie der Grossbank UBS konnte sich nach dem Absturz vom Vortag etwas stabilisieren (- 0,5 Prozent). Credit Suisse gaben 1,1 Prozent nach.
Die Versicherungstitel nahmen ihre Talfahrt wieder auf. Swiss Life büssten fast drei Prozent ein.
(reuters/vaid;falt)



