International
Mladic stellt vor dem Prozess Forderungen
Kurz vor dem geplanten Beginn des Prozesses gegen den früheren bosnisch-serbischen Armeechef Ratko Mladic vor dem Internationalen Strafgerichtshof in den Haag hat der Angeklagte den Austausch des Vorsitzenden Richters verlangt.
Schon im bosnischen Bürgerkrieg galt Ratko Mladic als begnadeter Stratege. Nun setzt er diese Fähigkeiten auch vor dem Strafgerichtshof in den Haag ein.
Alphons Orie erfülle nicht die geforderte Unparteilichkeit, hiess es im Antrag der Anwälte von Mladic. Zur Begründung führten sie an, dass der Niederländer Orie am Gericht bereits mehrere Untergebene von Mladic verurteilt habe.
Vorgehen wie Karadzic
Orie war bereits 2008 beim Prozess gegen den früheren bosnischen Serbenführer Radovan Karadzic ausgetauscht worden, nachdem dessen Anwälte einen ähnlichen Antrag wie jetzt Mladic gestellt hatten.
Die Anwälte verlangten zugleich eine Verschiebung des für Mittwoch geplanten Prozessauftaktes, damit zuvor ihre Forderung zum Richteraustausch geprüft werden könne.
Tausende Tote
Mladic war Ende Mai 2011 nach 16 Jahren Flucht in Serbien gefasst und an das UNO-Gericht überstellt worden. Der frühere General ist angeklagt wegen der dreijährigen Belagerung Sarajevos mit Tausenden Toten, der Vertreibung von Hunderttausenden, der Gräuel in den Internierungslagern und der Ermordung von bis zu 8000 muslimischen Jungen und Männern im Juli 1995 im ostbosnischen Srebrenica.
Mladic' Tochter Ana nahm sich 1994 mit 23 Jahren das Leben – angeblich aus Entsetzen über die von ihrem Vater angerichteten Kriegsgräuel.
Der «Schlächter vom Balkan»
Mladic ist als einer der grössten Kriegsverbrecher seit 1945 in Europa angeklagt. Doch der «Schlächter vom Balkan» glaubt weiter an die «gerechte nationale Sache»; er sei ein Führer «seines Volkes» gewesen, der lediglich dessen «legitime Rechte» durchsetzen wollte.
Seine Verschwörungstheorie: Der Krieg gegen die Serben in Bosnien und Kroatien sei ein Komplott der deutsch-österreichischen Verlierer im Zweiten Weltkrieg im Bunde mit dem Vatikan gewesen.
Das UNO-Tribunal sei eine «Nato-Filiale». Das Gericht sei «von den USA gegründet, die auch die Staatsanwälte bezahlen». Er selbst habe keine Schuld auf sich geladen.
(sda/galc; rufi)



