Schweiz
Sauerstoffzufuhr der Seen sorgt für Kontroversen
Um dem Ersticken und Fischsterben zu entgehen, erhielt der Baldeggersee vor rund 30 Jahren als weltweit erster See eine künstliche Beatmungsmaschine. Dieses Jubiläum wurde in Gelfingen (LU) gefeiert. Doch nicht alle freuen sich darüber. Wenn der See weiterhin von überintensiver Landwirtschaft umgeben sei, bleibe er gefährdet, meint Pro Natura.
Dank der künstlichen Sauerstoffzufuhr konnten der Baldeggersee in Gelfingen (LU) und der Hallwilersee im Aargau vor 30 Jahren vor dem Ersticken bewahrt werden. Grund für den lebensbedrohlichen Zustand war einerseits die Landwirtschaft mit seinen hohen Tierbeständen, welche die Seen mit Dünger belasteten. Andererseits liessen aber auch die Haushalte und die Industrie ihre Abwässer ins Wasser.
Um den Kollaps der Seen zu verhindern wurden die Siedlungsgebiete an Kläranlagen angeschlossen und die Bauern erhalten heute Entschädigungen, wenn sie kein Phosphor einsetzen. Viel spektakulärer war aber die Idee der künstlichen Belüftung der Seen, die 1980 aus einem Wettbewerb der Kantone hervorging.
Luzern zufrieden mit Massnahmen
Seit den 1980er-Jahren werden nun die beiden Seen im Winter mit Druckluft zwangszirkuliert, im Sommer wird ins Tiefenwasser Sauerstoff eingetragen. Die Massnahmen zeigten Wirkung, die Phosphorbelastung sank in beiden Seen beträchtlich auf ein normales Niveau. Über 20 Mio. Franken bezahlte der Kanton Luzern für die Rettung, der Kanton Aargau rund acht Millionen.
Josef Wermelinger, Präsident des Gemeindeverbandes Baldegger und Hallwilersee, findet, dass mit der künstlichen Belüftung viel erreicht worden sei. Die Sauerstoffzufuhr könne womöglich in fünf Jahren abgestellt werden, die Belüftung werde aber weiterhin nötig sein.
Schweinezucht muss vermindert werden
Für die Umweltorganisation Pro Natura war die Belüftung eine notwendige erste Hilfe, soll aber keine Langzeitlösung sein. Solange der See von intensiver Schweinezucht umgeben sei, bleibe er gefährdet. Die Symptombekämfpung verschlinge Millionen, die man besser einsetzen könnte.
«Die Luzerner Landwirtschaft kassiert dank den selbst verschuldeten Umweltproblemen Bundesmillionen für Sanierungsmassnahmen», sagt Rico Kessler von der Geschäftsleitung von Pro Natura. Sie sei deshalb daran interessiert, dass das Problem nicht gelöst werde, sondern weiter bestehe.
Für Kessler gibt es nur eine Lösung: Die Landwirtschaft im Seetal müsse von der Schweine-Massenhaltung wegkommen. Im Kanton Aargau gibt es laut Philippe Baltzer, Leiter der Abteilung für Umwelt des Kantons, bereits erste Gedanken in diese Richtung. Ein Systemwechsel in der Landwirtschaftspolitik sei durchaus ein Thema.
(sda/stus)



