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Euro ohne Griechenland: Teuer, aber machbar
Was würde passieren, sollte Griechenland aus der europäischen Währungsunion aussteigen? Wie könnte die Einführung einer neuen griechischen Währung organisiert werden? Und wie könnte der unvermeidliche finanzielle Scherbenhaufen begrenzt werden? Hier ein mögliches Szenario.
Es gibt keine Erfahrungswerte aus der Vergangenheit, keine historische Blaupausen, an denen sich die Verantwortlichen in Athen, bei der Europäischen Zentralbank (EZB) und in den Euro-Hauptstädten orientieren könnten. Folgender Fahrplan scheint nach Ansicht von Notenbankern und Bankvolkswirten aber am wahrscheinlichsten:
1. Der Zusammenbruch
Sollte Griechenland nicht bald zu einer stabilen politischen Ordnung zurückfinden, wäre eine Pleite des Staates spätestens im Sommer wohl unausweichlich. In einem solchen Fall würde wohl auch die EZB griechische Banken gemäss ihren Statuten nicht mehr als Geschäftspartner bei ihren Refinanzierungsgeschäften mit dem Banksektor akzeptieren können. Sie wären also nicht mehr refinanzierungsfähig und dürften auf den Bankrott zusteuern. Dies wäre das Ende eines griechischen Finanzsektors in der Euro-Zone – der Euro als gesetzliches Zahlungsmittel wäre dann nicht mehr zu halten.
2. Der Übergang
Am Beginn eines Übergangs müssten alleine schon wegen der nötigen technischen Umstellung von Millionen Konten, aber auch um eine Panik und lange Schlangen vor den Banken zu verhindern, die Institute des Landes für einige Tage – vermutlich gut eine Woche – geschlossen bleiben. Parallel würde der gesamte Kapitalverkehr mit dem Ausland für diesen Zeitraum zum Erliegen kommen. In dem Zeitfenster könnte dann die Währungsreform vorbereitet werden – ein banktechnisch und politisch komplizierter Prozess. Unter anderem müssten zahlreiche neue Gesetze erlassen werden. Die Hüter der neuen Währung, also die Notenbanker in Athen, müssten unter anderem eine neue Mindestreservequote und einen neuen Leitzins für ihre Banken beschliessen. Zudem müssten sie Vorbereitungen für den so gut wie sicheren Fall treffen, dass die neue griechische Währung am Devisenmarkt massiv abwertet.
3. Die neue Währung
Wahrscheinlich würde in Griechenland eine neue Währung in zwei Stufen eingeführt. Während sie auf Konten als Buchgeld mehr oder weniger per Knopfdruck umgestellt werden könnte, bräuchte die Bargeldeinführung mehr Zeit – schliesslich müssten Münzen geprägt und Geldscheine gedruckt werden. Anschliessend müsste das Geld im Land verteilt werden – eine logistische Herkulesaufgabe. In dieser Phase könnte der Euro weiterhin als Tauschmittel für den Alltag fungieren. Hier gibt es eine Art Vorbild: Das Balkanland Montenegro verwendet den Euro bereits einseitig als Zahlungsmittel im Bargeldverkehr, ohne dass es offiziell Mitglied der Euro-Zone ist.
4. Der Scherbenhaufen
Nach der Währungsreform käme innerhalb des europäischen Systems der Zentralbanken das grosse Aufräumen. Hier rückt das Grossbezahlsystem der Notenbanken, Target II, ins Zentrum. Die Zentralbank in Athen hat innerhalb des Systems Verbindlichkeiten gegenüber der EZB in Höhe von rund 100 Milliarden Euro. Hinzu kämen Forderungen der Euro-Notenbanken aus dem umstrittenen Kauf griechischer Staatsanleihen seit Mai 2010 – geschätzt zwischen 40 und 50 Milliarden Euro. Rechnet man diese Posten zusammen, steht Athen alleine beim Eurosystem aus EZB, deutsche Bundesbank & Co. mit bis zu 150 Milliarden Euro in der Kreide.
Auf die deutsche Bundesbank entfielen nach dem Kapitalschlüssel der EZB etwas mehr als ein Viertel, also etwa 40 Milliarden Euro. Möglich wäre nun, dass die Griechen das Geld über einen langen Zeitraum, eventuell viele Jahrzehnte, abstottern. Auch eine Lastenteilung zwischen der Zentralbank in Athen, der EZB und den verbleibenden 16 Euro-Notenbanken ist denkbar.
Im schlimmsten Fall, also wenn Athen nicht zahlen will oder kann, müsste beispielsweise die deutsche Bundesbank Abschreibungen vornehmen und/oder ihre Risikovorsorge erhöhen. Bundesbankgewinne und damit eine jährliche Entlastung des deutschen Haushalts wären dann für lange Zeit Geschichte.
(reuters/vaid; engf)







