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Krise im Euro-Land

Radikaler Linker soll in Athen für Ordnung sorgen

Dienstag, 8. Mai 2012, 10:25 Uhr, Aktualisiert 09.05.2012, 0:01 Uhr

In Griechenland ist gestern unter der Führung der Konservativen der Versuch eine Regierung zu bilden, gescheitert. Nun ist die Radikale Linke an der Reihe. Staatspräsident Papoulias hat Alexis Tsipras ein entsprechendes Mandat übertragen. Unter keinen hoffnungsvollen Vorzeichen.

«Es ist ein historischer Moment für die Linke», sagte Alexis Tsipras, Chef des Bündnisses der radikalen Linken (Syriza) beim Treffen mit dem Präsidenten. Der 37-Jährige Bauingenieur hat nun drei Tage Zeit zu sondieren, ob er eine Mehrheit im Parlament bekommen kann. Ob das gelingt, ist fraglich.

Werner Van Gent, SRF-Korrespodent für Griechenland, sagt im Interview, dass die Anhänger des Syriza vom Wahlerfolg völlig überrumpelt seien. Weiter glaubt Van Gent nicht, dass innert Frist eine Regierung gebildet werden kann, und das in rund einem Monat neu gewählt werden muss.

Einschätzungen von SRF-Korrespondent Werner van Gent im Studio. (Tagesschau, 08.05.2012, 12.45)

Die antistalinistische linke Sammelbewegung Syriza hatte bei der Parlamentswahl am Sonntag ihren Stimmenanteil vervierfacht und war überraschend zweitstärkste Kraft hinter den Konservativen und vor den Sozialisten geworden. Sie lehnt die bisherige Sparpolitik dieser pro-europäischen Parteien in der Euro-Krise ab, will keine Schulden zurückzahlen und mehr Wachstumsimpulse setzen.

Gespräche mit den «Grossen» zuletzt

Tsipras wolle zunächst mit Vertretern kleinerer linker Parteien und Gruppierungen sprechen, sagte ein Syriza-Sprecher der
Nachrichtenagentur dpa. Danach will er am Mittwoch Gewerkschaftsverbände und Arbeitgeber treffen. Erst am letzten Tag des Sondierungsmandats will Tsipras die Chefs der Konservativen und Sozialisten treffen, hiess es.

Tsipras sagte gemäss Parteikreisen, Nea Dimokratia und Pasok müssen von den Zusagen an den IWF und die EU Abstand nehmen, wenn sie an eine Koalitionsregierung teilnehmen wollen.

Griechenland am Abgrund («10vor10», 08.05.2012)

Am Vortag hatte der Chef der stärksten Kraft im Parlament, der konservative Antonis Samaras, das Sondierungsmandat zurückgegeben. Er sah keine Chance für ein stabiles Parteienbündnis, das im neuen Parlament eine Mehrheit hat. Lesen Sie hier mehr dazu.

Gespräche mit Linken verweigert

Die radikalen Linken haben 52 Sitze im Parlament. Selbst wenn sie das zersplitterte linke politische Lager vereinigen würden, würden sie auf 97 Sitze kommen und damit bei weitem die nötige Mehrheit von 151 Mandaten im 300-Sitze-Parlament verfehlen. Die Kommunisten (KKE) haben bereits angekündigt, sie wollten nicht mit den radikalen Linken reden.

Euro gegenüber Franken unter Druck

Sorgen um die Zukunft Griechenlands haben die Schweizer Börse wie auch andere Aktienmärkte belastet. Händler erklärten, unter Anlegern gehe die Angst vor einem Machtvakuum in Griechenland um. Das totgeglaubte Gespenst einer Zahlungsunfähigkeit Griechenlands gehe wieder um, sagte ein Händler.

Der Euro ist unter die Marke von 1,30 US-Dollar gerutscht. Gegenüber dem Franken gab die Gemeinschaftswährung ebenfalls leicht nach auf 1,2011 Franken.

(sda/bers/blur;schubeca/fasc)