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Krise im Euro-Land

«Die Griechen sollten auf Hollande warten»

Alexandros Koulouris
Dienstag, 8. Mai 2012, 13:54 Uhr

Zwei Tage nach den Wahlen in Griechenland überbieten sich die griechischen Kommentatoren mit Prognosen und Ratschlägen. Furcht vor Neuwahlen, Illusionen im Volk sowie Hoffnung auf einen Kurswechsel in Europa durch den neuen französischen Ministerpräsidenten Hollande sind einige der Themen.

Bild Menschen lesen am Zeitungsstand die Schlagzeilen des Tages.
Viele Griechen hoffen, dass sich Frankreich und damit Europa vom bisherigen Sparkdiktat abwenden: Griechen vor einem Zeitungsstand in Athen. keystone

«Im Moment wissen wir noch nicht, wie Hollande handeln wird», schreibt Kommentator Georgios Malouchos der Zeitung «To Vima». «Man sollte jedoch auf ihn warten. Er könnte für Griechenland tatsächlich den Unterschied machen», so Malouchos weiter. Immerhin stünde Hollande vor Parlamentswahlen. Er sei damit gezwungen, seine angekündigte und für Europa bedeutsame Abkehr vom Sparkurs hin zu Investitionen gegenüber Deutschland aufrecht zu erhalten. Würde er zu einem «zweiten Sarkozy», müsste er seine gewonnen Stimmen wohl bereits wieder verlieren. 

Mit Blick auf Griechenland sieht Malouchos die Lösung in einer Einheitsregierung, die den den klaren Auftrag hat, die Bedingungen der Sparpakete neu auszuhandeln. Dies sei der klare Wunsch, der das Volk mit seiner Wahl vom Sonntag der Regierung aufgegeben habe.

Interpretation des Volkswillens

Anders interpretiert Kommentator Antonis Karakousis von derselben Zeitung den Willen des Volkes. Die Griechen würden völlig die Reaktion der Wirtschaft auf ihre Wahl ausblenden. Die Gefahr, dass das Land innert kürzester Frist aus der Eurozone verbannt würde, ignoriere der griechische Wähler konsequent.

Der Glaube, dass die EU bei einem Austritt Griechenlands grösseren Schaden nehmen würde als das Land selber sei, weit verbreitet. «Leider lebt und handelt auch das politische System nach diesen Illusionen und ist durchaus in der Lage, das Land wirtschaftlich in den Ruin zu treiben», befürchtet Karakousis.

«Griechische Realität an der Urne»

Grigoris Kaflelis, Dozent an der juristischen Fakultät der Universität Thessaloniki, wirft unter dem Titel «Eine zerstörte Gesellschaft verehrt die politische Sackgasse» eine fatalistische Sicht auf das Wahlergebnis und seine Auswirkungen.

2,5 Millionen Menschen lebten unter der Armutsgrenze, Die Jugendarbeitslosigkeit betrage 50%, 2012 hätten 60'000 Unternehmen dicht gemacht.  «Das ist die griechische Realität», so Kaflelis. Und diese «Realität» sei mit dem Gefühl zur Urne gegangen, Opfer der Politik geworden zu sein. «Für sie gab es keine Frage, Memorandum ja oder nein. Diese Menschen waren bereit, jedes Versprechen zur Besserung ihrer Situation aufzusaugen.» 

Universitätsprofessor Kaflelis sieht für die erstarkten linken Parteien, wie Syriza, die Chance gekommen, sich zu beweisen. Sie könnten nun so «heroisch und volksnah» handeln, wie sie es seit Jahren aus der Oppositionsecke von den ehemals staatstragenden Parteien forderten. Syriza versprach im Wahlkampf, von der Troika zur Zahlung der aktuellen Schulden drei statt aktuell ein Jahr Zeit einzufordern.

Einig sind sich die Kommentatoren, dass Neuwahlen, welche voraussichtlich am 17. Juni stattfinden würden, nicht erstrebenswert sind. Eine 40tägige Verzögerung politischer Aktivität würde fatale Auswirkungen auf das Land haben.