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Wirtschaft

«Wahl-Schreck» an Börsen nur von kurzer Dauer

Montag, 7. Mai 2012, 13:55 Uhr, Aktualisiert 21:11 Uhr

Die Finanzmärkte in Europa und den USA haben den ersten Schreck nach den Wahlen in Frankreich und Griechenland verdaut. Nachdem die Börsen am Morgen noch mit starken Kursverlusten reagiert hatten, endete manchenorts der Handelstag mit einem kräftigen Plus. Ausser in Athen.

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Dass François Hollande neuer Präsident Frankreichs wird und die griechischen Wähler in Scharen zu den Parteien überlaufen, die den Sparkurs ablehnen, sei schon vor dem Wochenende erwartet worden, hiess es am Nachmittag von Händlern. 

Inzwischen scheint auch die Ankündigung Hollandes, nicht allein auf eine strikte Sparpolitik setzen zu wollen, bei den Marktteilnehmern einiges vom anfänglichen Schrecken verloren zu haben.

Die Sorgen, wie es in Europa weitergehen soll, sind gross. (Tagesschau, 07.05.2012, 19.30 Uhr)

«Der Sieg von Hollande bietet Europa die Chance, auf eine wachstumsorientierte Politik umzuschwenken und nicht nur auf Sparmassnahmen zu beharren», kommentierte John Bennett von Henderson Global Investors. Die Medizin der Politik von Nicolas Sarkozy und Angela Merkel sei ohnehin auf Deutschland ausgerichtet gewesen und habe verkannt, dass sie den schwächeren Eurozonen-Patienten eine zu hohe Dosis zugemutet habe. «Ein Kurswechsel wird zwar an den Märkten zu erhöhter Volatilität führen, ist aber notwendig, um das Wirtschaftswachstum zu fördern.» 

Analyst Riccardo Designori von Brown Editore bezeichnet den Wahlausgang als «Anti-Merkel-Votum». «Die Menschen in Europa haben genug von den harten Sparauflagen, die ihnen von den deutschen Politikern aufgebürdet wurden. Dies könnte eine Trendwende bedeuten.»

Pariser Börse deutlich im Plus

Der deutsche Aktienindex Dax schloss 0,1 % im Plus, nachdem er im frühen Handel um bis zu 2,3 % abgerutscht war. Der EuroStoxx50 legte noch deutlicher zu und beendete den Tag mit einem Aufschlag 1,6 %.

Der französische CAC40 machte seine Verluste ebenfalls wett und schloss 1,7 % fester. Vor allem die Bauwerte Lafarge und Bouygues konnten kräftig zulegen. Händler begründeten die Aufschläge damit, dass Anleger auf einen Bauboom hofften, nachdem Hollande im Wahlkampf entsprechende Massnahmen versprochen hatte. Auch die Börsen Italiens und Spaniens machten Boden gut. 

In der Schweiz schloss der SMI nach einem morgendlichen Minus von 1,2 % schliesslich mit einem moderaten Verlust von noch 0,27 %. 

Athener Börse im Sturzflug 

Der neue, vorsichtige Optimismus klammerte allerdings die Entwicklung in Griechenland aus. Der Leitindex der Athener Börse sackte am Montag um 6,7 % ab, der griechische Bankenindex brach sogar um 12,6 % ein. «In Athen scheinen Hopfen und Malz verloren», kommentierten die Analysten der LBBW. «Mit dem neuen Parlament wird eine stabile Mehrheit für einen Konsolidierungskurs nicht zu erreichen sein.» 

An der Wall Street notierte der Dow-Jones-Index der Standardwerte 0,3 % im Minus. Der Index der Technologiebörse Nasdaq ging ebenfalls um 0,1 % nach unten. 

Am Devisenmarkt notierte der Euro mit 1,3053 Dollar etwas fester. 

Kurseinbruch am Morgen

Den Kurseinbruch an den europäischen Aktienmärkten am Morgen begründeten Börsianer auch mit den deutlichen Abschlägen an den asiatischen Handelsplätzen. Dort habe man sich allerdings nicht nur wegen der Wahlen in Europa, sondern auch wegen der schlechten US-Arbeitsmarktdaten vom Freitag von Aktien getrennt. 

Bank-Aktien erholten sich 

Licht und Schatten zeigten sich bei den europäischen Bank-Aktien, die besonders sensibel auf Nachrichten zum Thema Schuldenkrise reagieren. Angeführt von Kursgewinnen bei den meisten spanischen und italienischen Banken machte der Stoxx-Branchenindex seine Verluste wett und kletterte um 1,7 %. In Mailand begründeten Händler die Erholung damit, dass es am Vormittag zu heftig nach unten gegangen sei und Anleger nun wieder zukauften. Die Aktien von Banco Popolare di Milano legten um 8,7 % zu. 

In Spanien gingen die Papiere von BBVA und Banco Santander um 5,4 und 4,7 % nach oben. Ministerpräsident Mariano Rajoy will den taumelnden Finanzsektor notfalls mit neuen Milliarden stützen. Die Aktien von Bankia bildeten indes mit einem Abschlag von 3,3 % das Schlusslicht im spanischen Leitindex. Der schwer angeschlagene Sparkassen-Konzern soll im Rahmen einer Sanierung durch den Staat Regierungskreisen zufolge die Banken- und Immobiliensparten seiner Muttergesellschaft BFA eingliedern. 

In der Schweiz gaben von den Finanzwerten Julius Bär (-2,1 %) am stärksten nach, Swiss Re (-0,5 %) etwas moderater. Dagegen zogen Credit Suisse (+0,7 %), Zurich Insurance (+0,3 %) und Swiss Life (+2,2 %) als Tagessieger an. Die UBS gewannen 0,8 %.

(dpa/vaid;horm)