Vermischtes
Blinde können mit den Ohren «sehen»
Sehen – für Blinde ein Traum, der nun gelebt werden kann. Denn dank einer neuen Brille können Nicht-Sehende mit ihren Ohren «sehen».
Das Prinzip der so genannten Hörbrille ist einfach: Das Bild von der Kamera, die an der Brille befestigt ist, wird von der Software eines PCs oder eines Smartphones von links nach rechts gescannt. Danach wandelt das Programm die Bilder in Töne um, die dann durch die Kopfhörer hörbar werden.
Eine andere Wahrnehmung
Wie durch die akustischen Signale ein «Sehen» erzeugt wird, erleben Sie hier:
Je weiter oben im Bild eine Struktur liegt, desto höher ist der Ton. Je heller der Gegenstand, desto lauter. Bei einfachen Objekten ist das auch für den Laien schnell zu lernen. Eine komplexe Szene klingt für das ungeübte Ohr aber wie ein tonales Durcheinander.
Entwickelt wurde die Software, «The Voice» genannt, von Peter Meijer, einem Physiker und Erfinder aus den Niederlanden.
«Die ganze sichtbare Welt öffnete sich mir»
Für Pranav Lal ist diese Erfindung eine Offenbarung. Von Geburt an blind, entdeckte der 32Jährige vor zehn Jahren die Hörbrille. Seither trainiert er mit der Brille.
«Als ich sie zum ersten Mal benutzte, dachte ich: Das ist das gelobte Land. Auf einmal konnte ich Dinge betrachten. Die ganze sichtbare Welt öffnete sich mir», sagt Lal zu «10vor10».
Inzwischen ist Lal schon so vertraut mit der Hörbrille, dass die Brille für ihn mehr als eine blosse Orientierungshilfe ist. Er kann die Töne der Brille inzwischen routiniert unterscheiden und viele Objekte nicht nur auf Anhieb erkennen, sondern geradezu sehen.
Mittlerweile hat der blinde 32Jährige sogar begonnen zu fotografieren. Die Töne verraten ihm Form und Lage der Motive und erlauben ihm, die Ästhetik eines Objektes zu beurteilen. Regelmässig besucht er Museen und geniesst es, die Kunstwerke ohne Sprachführer oder andere Hilfen betrachten zu können.
(sf/godc;horm)






