Inhalt

Präsidentenwahl Frankreich

Nach Bayrou-Entscheid: Die Fronten in Frankreich sind klar

Freitag, 4. Mai 2012, 12:27 Uhr, Aktualisiert 14:51 Uhr

Die Schlinge um den amtierenden französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy zieht sich zu. Mit dem Flirt mit dem rechten Front National hat er den Vorsitzenden der Mittepartei MoDem, François Bayrou, vergrault. Dieser will seine Stimme dem Herausforderer François Hollande geben. Laut SF-Korrespondent Adrian Arnold könnte dies das endgültige Aus für Sarkozy bedeuten.

François Bayrou sei der Kopf des Mouvement démocrate (MoDem). Was er tue, täten auch viele seiner Anhänger, sagt Adrian Arnold im Interview mit «SF Online». Bayrou selber werde Hollandes Namen auf den Wahlzettel schreiben. Seinen Wählern aber will er keine Empfehlung abgegeben – sie könnten sowohl Nicolas Sarkozy als auch François Hollande wählen.

Kurz vor der Stichwahl in Frankreich (10vor10, 04.05.2012)

Viele von Bayrous Parteikollegen hätten auf einen Entscheid ihres Vorsitzenden gewartet, so Adrian Arnold. Und würden diesen jetzt übernehmen. «Das ist ein herber Rückschlag für Nicolas Sarkozy.» Habe dieser doch mit den Stimmen von Bayrou und seiner Anhängerschaft gerechnet.

Erste klare Positionierung von Bayrou

Auch wenn nicht alle Bayrou-Fans ein «Hollande» in die Urne legen werden, könnte die Entscheidung Bayrous zum Zünglein an der Waage werden. Bayrou hatte beim ersten Wahlgang vom 22. April als Präsidentschaftskandidat immerhin 10 Prozent der Stimmen erreicht.

Bild Porträts der drei Männer.
François Bayrou (unten Mitte) will seinen Namensvetter François Hollande (rechts) wählen und lässt Sarkozy stehen. keystone

Es sei das erste Mal, dass Bayrou für eine Seite Partei ergriffen habe. Eine genaue Positionierung des MoDem sei bislang ausgeblieben, so Adrian Arnold. Es sei eine klare Abgrenzung nach rechts und auch ein leichter Kurswechsel. Immerhin habe Bayrou früher als Minister in verschiedenen Rechtsregierungen geamtet, auch unter Jacques Chirac.

Bayrou erteilt Sarkozy eine Abfuhr

Lange war seine Position unklar. Doch jetzt hat sich François Bayrou entschieden, seine Stimme François Hollande zu geben. Lesen Sie hier mehr dazu.

Erstaunlich sei auch die Begründung Bayrous: Es handle sich keinesfalls um ein Bauchgefühl, sondern um eine inhaltlich klare Abgrenzung zu Nicolas Sarkozys Rechtskurs.

Mit der Faust im Sack taktieren

Der amtierende französische Präsident hatte insbesondere nach dem 1. Wahlgang vom 22. April um Stimmen des rechtsextremen Front National der Ex-Präsidentschaftskandidatin Marine Le Pen geworben. «Damit hat er die Pflöcke eingeschlagen», sagt Adrian Arnold. Er könne jetzt nichts mehr daran ändern.

Trotzdem hatte Sarkozy auf die Entscheidung Bayrous moderat reagiert – in der Hoffnung einige Bayrou-Wähler doch noch auf seine Seite ziehen zu können. «Mit der UDF zu brechen, wäre ein taktischer Fehler.»

Einschätzungen von SF-Korresponent Michael Gerber: «Vermutlich hat sich Bayrou mit seiner Entscheidung ziemlich zwischen Stuhl und Bank gesetzt.» (Tagesschau, 04.05.2012, 12.45)

(sf/gern;zinv)