Inhalt

Wirtschaft

Lipp: Euro ist schuld am Milliarden-Verlust der SNB

Montag, 30. April 2012, 7:42 Uhr, Aktualisiert 15:54 Uhr

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat im 1. Quartal einen Verlust von 1,7 Mrd. Franken eingefahren. SF-Wirtschaftsredaktor Reto Lipp ortet die Ursache des Milliardenverlusts bei den «sehr hohen Eurobeständen» der SNB. Das schlechte Ergebnis sei kein Grund, um in Panik zu verfallen.

Videoplayer
Milliarden-Verlust der SNB überrascht SF-Wirtschaftsredaktor Lipp nicht (Tagesschau, 30.04.2012)

Der hohe Bestand hänge unter anderem mit der Verteidigung des Mindestkurses bei 1.20 Franken pro Euro zusammen, sagte Lipp in der «Tagesschau». Während der Eurokurs Ende letzten Jahres noch etwa bei 1.22 Franken gelegen habe – sei er inzwischen auf 1.20 Franken abgesackt. «Diese Differenz führte zu Verlusten auf den Eurobeständen der Nationalbank.»

SNB: Viele Faktoren führen zu diesem Ergebnis

Die Aufwertung des Frankens gegenüber den wichtigsten Fremdwährungen habe einen Verlust auf den SNB-Währungsbeständen in Höhe von 2,6 Mrd. Franken verursacht, teilte die SNB in ihrer Mitteilung mit. Die Wechselkursverluste von insgesamt 6,4 Mrd. Franken hätten nur teilweise mit Kursgewinnen und Zinserträgen kompensiert werden können. Die SNB betonte, dass das Quartalsergebnis stark von Gold-, Devisen- und Kapitalmärkten abhängig sei.

Während auf den Fremdwährungsbeständen ein Verlust verbucht werde musste, resultierte auf dem mengenmässig unveränderten Goldbestand ein Bewertungsgewinn von 0,8 Mrd. Franken, wie es weiter hiess.

Ein kleiner Gewinn wurde auch mit den Frankenbeständen erzielt: Die Zinserträge und Kurserfolge auf Wertschriften in Franken hätten mit 33 Mio. Franken den Aufwand von rund 18 Mio. Franken für die Repo-Geschäfte und Schuldverschreibungen (SNB-Bills) gedeckt.

Einen positiven Beitrag zum SNB-Ergebnis leistete laut SNB auch der Stabilisierungsfonds, in welchen während der Finanzkrise zur Rettung der UBS die toxischen Wertpapiere der Grossbank ausgelagert wurden. Der Fonds weist einen Quartalsgewinn von 153 Mio. Franken aus, wobei 111 Mio. Franken ins Konzernergebnis der SNB einflossen.

Lipp: Bilanz riesig – Schwankungen riesig

Man sollte diese Quartalszahlen aber nicht überbewerten, denn die Bilanz der Nationalbank sei einfach riesig geworden, sagte Lipp weiter. Während die SNB vor zwei Jahren noch einen Verlust von 20 Mrd. Franken einfuhr, habe die Bank im vergangenen Jahr bereits wieder einen Gewinn von 13 Mrd. Franken verzeichnet. «Die Schwankungen sind immens.»

Für Lipp sind die Chancen, dass Bund und Kantone dereinst Geld von der SNB bekommen, nicht nur darum intakt. «Die SNB hat mit dem Mindestkurs den Vorteil, dass sie sowas wie eine Sicherung nach unten hat. Unter 1.20 Franken könne die Nationalbank nicht mehr gehen. Von daher werde sie in den nächsten Monaten auf die Eurobestände keine Verluste machen.

(sda/godc; widb)