Schweiz
Ressourcen: Wir verbrauchen dreimal so viel, wie uns zusteht
Der eidgenössische Bericht über die «Nachhaltige Entwicklung 2012» spricht klare Worte: Wir Schweizer geniessen Lebensbedingungen wie kaum ein anderer auf diesem Planet. Das hat seinen Preis. Wir verbrauchen dreimal mehr Güter, als im weltweiten Durchschnitt pro Person verfügbar sind.
Gemäss dem Bericht über die «Nachhaltige Entwicklung 2012» ist in der Schweiz die durchschnittliche Lebenserwartung bei guter Gesundheit in den letzten 20 Jahren bei Frauen um 8 und bei Männern um 9 Prozent gestiegen. Gleichzeitig sinkt die Suizidrate stetig, das Leben in der Schweiz scheint immer «süsser» zu werden.
Drei Viertel der Bevölkerung bezeichnen sich als «sehr zufrieden» mit ihrem Leben – ein im internationalen Vergleich hoher Anteil. Die Einkommen sind seit Anfang der 2000er-Jahre stabil auf hohem Niveau. 15 Prozent der Bevölkerung gelten als «armutsgefährdet», dieser Anteil liegt leicht tiefer als in der Europäischen Union.
Bildungschancen ungleich verteilt
Die Ressourcen sind aber nach wie vor ungleich verteilt. Die reichsten 20 Prozent der Schweizer Bevölkerung verdienen durchschnittlich mehr als viermal so viel wie die ärmsten 20 Prozent. Immerhin nahmen die Lohnunterschiede zwischen Männern und Frauen in den letzten Jahren um 23 Prozent ab.
Auch die Bildungschancen sind ungleich verteilt: Im Vergleich zu den Schweizern absolvieren jungen Ausländerinnen und Ausländer viermal seltener eine nachobligatorische Ausbildung (wie Berufslehre oder Gymnasium).
Auch weltweit gesehen sind die Ressourcen ungleich verteilt. Die Schweizer Bevölkerung beispielsweise verbraucht pro Kopf nahezu dreimal mehr Ressourcen und Umweltleistungen, als im weltweiten Durchschnitt pro Person verfügbar sind.
Spätere Generationen haben das Nachsehen
Die Schweiz setze sich allerdings für eine gleichmässigere Verteilung der Ressourcen unter den Ländern ein, anerkennt der Bericht. Seit 1992 hat sie den Anteil des Bruttoinlandeinkommens, den sie für öffentliche Entwicklungshilfe aufwendet, um rund 15 Prozent erhöht – auf 0,46 Prozent (2011).
Die Schweiz verbraucht zudem zu viel ihrer nicht-erneuerbaren Ressourcen. Die Vorräte können teilweise nicht für künftige Generationen erhalten werden. So ist der totale Materialaufwand der Schweiz seit 1992 um mehr als 20 Prozent angestiegen. Eine der Folgen ist die Abfallzunahme: Die Produktion der Siedlungsabfälle hat sich seit 1992 um über 30 Prozent erhöht.
Ein Lichtblick: Der totale Materialaufwand im Verhältnis zum Bruttoinlandprodukt ist seit 1992 um über 5 Prozent zurückgegangen. Dies gelang insbesondere dank des Fortschritts bei den industriellen Verfahren und einer Zunahme des Recyclings.
Mehr Geld für Entwicklung und Forschung
Erhalten kann die Schweiz weitgehend ihr Humankapital, also die Fähigkeiten, Kenntnisse und Eigenschaften eines Individuums, welche sich auf dessen Produktivität auswirken. So haben etwa die Lesekompetenz der 15jährigen, die Humanressourcen (die verfügbaren Fachkräfte) für Wissenschaft und Technologie oder auch die Anzahl Patentanmeldungen in den letzten 20 Jahren zugenommen.
Gestiegen sind auch die Ausgaben für Forschung und Entwicklung. Schliesslich wird ein hoher Anteil des Bruttoinlandprodukts für Investitionen aufgewendet. Das zeigt, dass die Wirtschaft ihre Effizienz steigern und ihr produktives Vermögen erhalten will.
Der «Bericht über die Nachhaltige Entwicklung 2012» wurde von den Bundesämtern für Statistik (BFS), für Raumentwicklung (ARE) und für Umwelt (Bafu) sowie von der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza) ausgearbeitet – dies im Hinblick auf die Folgekonferenz «Rio+20» im kommenden Sommer. Er zeigt auf, in welche Richtung sich die nachhaltige Entwicklung in der Schweiz zwanzig Jahre nach dem Erdgipfel 1992 in Rio bewegt.
(sda/from; buev)






