Vermischtes
Obama glänzt mit Selbstironie und Seitenhieben
US-Präsident Barack Obama hat auch im Wahlkampf seinen Humor nicht verloren. Vor johlenden Pressevertretern und Prominenten nahm er – der Tradition entsprechend – beim alljährlichen Galadinner des Pressekorps des Weissen Hauses sich selbst und die amerikanische Politik auf die Schippe.
Seitenhiebe verteilte er vor allem an den voraussichtlichen Kandidaten der Republikaner, Mitt Romney. Er und Romney hätten vieles gemein, scherzte Obama. «Wir haben beide Abschlüsse aus Harvard. Ich habe einen, er hat zwei», sagte er und setzte hinzu: «Was für ein Snob.»
Obama holte auch eine tierische Anekdote hervor, die im Vorwahlkampf viel Wirbel um Romney verursacht hat. Der Republikaner hatte 1983 auf einer Urlaubsfahrt nach Kanada seinen Hund stundenlang auf das Dach des Familienautos geschnallt. Damit von Kritikern konfrontiert, hatte Romney gesagt, dem Hund gefiele es auf dem Autodach viel besser als im Wageninneren. Obama liess im Festsaal für sein Publikum eine Fotomontage einblenden, in der Romney vor dem Präsidentenflugzeug steht – auf dem Dach der Air Force One sah man seinen Hund.
Lieber Hundefleisch als Hockey-Moms
Auf der in Washington äusserst angesagten Veranstaltung nahm Obama auch sich selbst aufs Korn. «Was ist der Unterschied zwischen einer Hockey Mom und einem Pitbull?» griff er einen alten Witz der Ultrakonservativen Sara Palin auf. Und dann gab er die Antwort: «Ein Pitbull schmeckt gut.»
Ein Witz, bei dem sogar First Lady Michelle im schulterfreien Abendkleid das Gesicht verzog. Doch Obama reagierte damit auf eine Kampagne des Romney-Lagers, das sich jüngst an einer Passage von seiner Autobiografie weidete. Darin beschreibt Obama in einem Nebensatz, dass er während seiner Kindheitsjahre in Indonesien erfahren hat, wie zäh Hundefleisch ist.
Die nächste Gesundheitsreform
Aber auch aktuelle Ereignisse kamen beim Dinner auf den Tisch. «In meiner ersten Amtszeit haben wir die Gesundheitsreform durchgebracht», ulkte Obama. «In meiner zweiten, denke ich, werden wir es erneut tun.» Damit spielte der Präsident auf seine umstrittene Reform an, die möglicherweise vom Obersten Gericht in Teilen für ungültig erklärt wird.
Die Tradition des Korrespondentendinners reicht zurück bis ins Jahr 1920. Ursprünglich sollte es die Kommunikation zwischen Presse und Präsident verbessern. Frauen waren bis 1962 nicht zugelassen. Das änderte Präsident John F. Kennedy, indem er androhte, er werde sonst nicht teilnehmen.
Für Obama war es das vierte Korrespondentendinner. Im vergangenen Jahr hatte er kurz vor seiner launigen Rede den Befehl für den tödlichen Angriff auf Al Kaida-Chef Osama bin Laden in Pakistan gegeben und sich beim Dinner nichts anmerken lassen.
Seitenhiebe auf Trump und den Secret Service
«Wir kommen hier zu einem historischen Jahrestag zusammen», griff Obama diese Begebenheit am Samstag auf. «Vergangenes Jahr übten wir an eben diesem Wochenende Gerechtigkeit an einem der berüchtigtsten Individuen der Welt.» Doch die gleichzeitig an die Wände projizierten Bilder zeigten nicht bin Laden – sondern Donald Trump.
Der Immobilienmogul war beim Dinner im vergangenen Jahr Zielscheibe für Obamas Humor gewesen. Trump hatte nämlich von ihm einen «Beweis» dafür gefordert, dass er in den USA und nicht in Kenia, dem Heimatland seines Vaters, geboren wurde. Denn nur, wer in den Vereinigten Staaten zur Welt gekommen ist, darf laut US-Verfassung Präsident werden.
Er habe noch viel mehr Scherze auf Lager, erklärte Obama. «Aber ich muss den Secret Service vor seiner neuen Sperrstunde nach Hause bringen.» Ein Seitenhieb auf seine umtriebigen Personenschützer, die kürzlich während eines Auslandaufenthaltes in Kolumbien in einen Sexskandal verwickelt waren.
(sda/buet; muei)







