International
Merkel erwägt Boykott der Fussball-EM in der Ukraine
Die Deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel erwägt offenbar einen politischen Boykott der Fussball-Europameisterschaft in der Ukraine. Merkel will ihren Ministern empfehlen, den Spielen fernzubleiben, sollte Julia Timoschenko bis dahin nicht freikommen.
Allenfalls für Innenminister Hans-Peter Friedrich in seiner Funktion als Sportminister könne eine Ausnahme gelten. Friedrich hatte in der vergangenen Woche angekündigt, er werde an dem Spiel Deutschland gegen die Niederlande in Charkow nur teilnehmen, wenn er vorher die in einem Straflager der Stadt inhaftierte ukrainische Oppositionspolitikerin Timoschenko besuchen könne. Das berichtet der «Spiegel». Die Europameisterschaft, die gemeinsam von Polen und der Ukraine ausgetragen wird, beginnt am 8. Juni.
Die unter starken Rückenschmerzen leidende Timoschenko protestiert seit dem 20. April mit einem Hungerstreik gegen ihre Haftbedingungen. Timoschenko wirft dem Staat Foltermethoden vor und zeigt auf einem Foto mutmassliche Folterspuren. Der Machtapparat bezeichnete sie dagegen als Simulantin.
Empörte Reaktion aus Kiew
Die scharfe Kritik aus Deutschland hat bei der Regierungspartei in Kiew für Empörung gesorgt. Die Kanzlerin habe offenbar für einen Moment «vergessen», dass sie die Bundesrepublik und nicht die Ukraine regiere, sagte Wassili Kisseljow von der Partei der Regionen.
Die Äusserungen von Angela Merkel seien eine «ungenierte Einmischung in die inneren Angelegenheiten» der Ex-Sowjetrepublik, hiess es in einer Erklärung Kisseljows.
Timoschenko war im Vorjahr in einem international umstrittenen Prozess wegen Amtsmissbrauchs zu sieben Jahren Haft verurteilt worden. Sie gilt als Opfer politischer Rachejustiz im Auftrag des gegenwärtigen ukrainischen Präsidenten Viktor Janukowitsch. 2004 hatte sie die gegen Janukowitsch gerichtete Orangene Revolution angeführt.
(dpa/buet; hesa)



