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Krise im Euro-Land

Ratingagentur S&P senkt Bonität Spaniens

Freitag, 27. April 2012, 0:05 Uhr, Aktualisiert 15:55 Uhr

Spanien besitzt in den Augen der Ratingagentur Standard & Poor's nur noch eine befriedigende Kreditwürdigkeit. S&P hat die Bonität des von der Schuldenkrise in Mitleidenschaft gezogenen Landes gleich um zwei Stufen von «A» auf «BBB+» herabgesetzt. Es droht sogar eine weitere Herabstufung.

Bild Logo  der Ratingagentur Standard & Poor's
Zudem ist der Ausblick negativ, das heisst es droht eine weitere Herabstufung Spaniens. keystone/symbolbild

Die Haushaltslage dürfte sich vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen Probleme verschlechtern, begründete S&P den Schritt. Gleichzeitig steige die Wahrscheinlichkeit, dass die Regierung den Banken mit weiteren Hilfen unter die Arme greifen müsse. Das wiederum berge das Risiko, dass die Verschuldung weiter ansteigen könne, hiess es.

Die US-Ratingagentur versah die spanischen Anleihen mit einem negativen Ausblick und drohte mit weiteren Herabstufungen.

In einer ersten Reaktion kritisierte eine Sprecherin des Wirtschaftsministeriums in Madrid den Entscheid. S&P habe die angekündigten Reformen nicht ausreichend berücksichtigt, sagte sie. «Sie werden einen grossen Einfluss auf die wirtschaftliche Lage in Spanien haben.»

Arbeitslosigkeit in Spanien auf Rekordhoch

In Spanien ist die Arbeitslosenquote im April auf den höchsten Stand seit 18 Jahren gestiegen. In der viertgrössten Volkswirtschaft der Eurozone schnellte die Quote von 22,9 Prozent im Vormonat auf 24,44 Prozent nach oben.

Das unter der Schuldenkrise leidende Land hat die höchste Arbeitslosenquote in der Eurozone. Lesen Sie hier mehr.

Erneut in der Rezession

Spanien hat zugesichert, sein Budgetdefizit von 8,5 Prozent Ende 2011 auf 5,3 Prozent in diesem Jahr zu senken. 2013 soll dann die EU-Defizitgrenze von drei Prozent erreicht werden. Allerdings ist das Land gerade erst erneut in die Rezession abgerutscht.

Nach Angaben der Zentralbank schrumpfte die Wirtschaftsleistung im ersten Quartal um 0,4 Prozent im Vergleich zum Vorquartal, als das Minus bereits bei 0,3 Prozent gelegen hatte. Standard & Poor's erklärte, es rechne für dieses Jahr mit einem Einbruch der spanischen Wirtschaft um 1,5 Prozent.

Mit den Sorgen um Spanien nimmt die Schuldenkrise in der Euro-Zone wieder an Brisanz zu. Investoren zweifeln bisweilen an der Fähigkeit des Landes, in der Rezession sein Sparprogramm durchzuhalten. Standard & Poor's warnte, es gebe «bedeutende Risiken», dass sich die Lage in Spanien weiter verschlechtere.

Umstrittene Ratingagenturen

Der Refinanzierungsbedarf des Finanzsektors hat zuletzt Sorgen geschürt, das Land müsse auf Hilfsgelder seiner internationalen Partner zurückgreifen. Nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) haben die angeschlagenen Banken aber ausreichend Kapital, um die Rezession auszuhalten.

Die Qualität der amerikanischen Ratingagenturen Standard & Poor's, Moody's und Fitch ist umstritten. Eine europäische Ratingagentur steht kurz vor der Gründung. Wie die deutsche Unternehmensberatung Roland Berger in München mitteilte, haben viele Investoren dem Projekt inzwischen ihre Beteiligung zugesagt.

Das bedeuten die Ratings

Moody's S&P Fitch Bewertung
Aaa AAA AAA Beste Qualität
Aa1 AA+ AA+
Aa2 AA AA
Aa3 AA- AA-
A1 A+ A+ Prinzipiell sichere Anlage
A2 A A
A3 A- A-
Baa1 BBB+ BBB+ Durchschnittlich gute Anlage
Baa2 BBB BBB
Baa3 BBB- BBB-
Ba1 BB+ BB+ Spekulative Anlage
Ba2 BB BB
Ba3 BB- BB-
B1 B+ B+ Hochspekulative Anlage
B2 B B
B3 B- B-
Caa1 CCC+ CCC Substantielle Risiken / Extrem spekulativ
Caa2 CCC CCC
Caa3 CCC- CCC
Ca CC CCC
- D D Zahlungsunfähig

Geplatzte Immobilien-Blase – immense Arbeitslosigkeit

Spaniens Misere begann mit dem Platzen der Immobilien-Blase vor drei Jahren. Heute zeugen zu Geisterstädten erstarrte Neubausiedlungen von vergangenen Visionen.

Spanien: Immobilienblase implodiert (ECO, 22.03.10)

Inzwischen ist nirgendwo in Europa die Arbeitslosigkeit höher als in Spanien. Von den unter 25-Jährigen ist jeder zweite ohne Job. «ECO» zeigte im Dezember 2011 eine Reportage aus einem Land, in dem sogar vielen gut Ausgebildeten die Hoffnung abhanden gekommen ist.

Spanien: Das Land der Arbeitslosen (ECO, 12.12.11)

(dpa/sda/weis)