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International

Fotos beweisen angeblich Misshandlung von Timoschenko

Freitag, 27. April 2012, 16:04 Uhr

Zu sieben Jahren Lagerhaft ist die ehemalige ukrainische Regierungschefin Julia Timoschenko Ende letzten Jahres verurteilt worden, wegen Amtsmissbrauchs. Ihre Anhänger sprechen von «Rachejustiz» und erheben schwere Vorwürfe gegen Präsident Viktor Janukowitsch. Nun sind Fotos aufgetaucht, die beweisen sollen, dass Timoschenko in der Haft misshandelt wurde.

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Passiert sein soll es am vergangenen Freitag. Die ehemalige Regierungschefin wurde damals in ein Spital ausserhalb des Straflagers in Charkow gebracht. Gegen ihren Willen, hiess es aus ihrem Umfeld. Dabei habe Timoschenko Blutergüsse an Armen, Beinen und am Bauch erlitten. Die Politikerin habe «Todesangst» ausgestanden, sagte ihr Anwalt, Sergej Wlassenko. Das seien alles Lügen, kontert die Strafvollzugsbehörde.

Nun sind Fotos aufgetaucht, welche die Verletzungen beweisen sollen. Veröffentlicht hat sie die Zeitung «Ukrainskaja Prawda». Sie zeigen Julia Timoschenko auf einer Pritsche, wie sie auf Blutergüsse an Armen und Bauch hinweist. Ein Sachverständiger, dessen Hintergrund unklar bleibt und der lediglich die Bilder beurteilen konnte, befand, es sei wahrscheinlich, dass solche Verletzungen von Schlägen mit grosser Kraft herrühren, möglicherweise mit einem Gegenstand.

Bild Julia Timoschenko, auf einer Pritsche.
Die Verletzungen sind unbestreitbar – woher sie stammen, bleibt unklar. keystone

Gemacht hat die Fotos Nina Karpatschowa, die Menschenrechtsbeauftragte der ehemaligen Sowjetrepublik. Entstanden sein sollen die Fotos am 25. April, also fünf Tage nach der angeblich erzwungenen Verlegung. Woher sie stammen, dazu äusserte sich Karpatschowa nicht.

Deutsche Ärzte: Keine Simulantin

Spezialisten der Berliner Charité hatten Julia Timoschenko bereits Mitte April untersucht. Ihr damaliges Fazit: Sie simuliert nicht. Timoschenko leide unter starken Schmerzen und sei keines falls verhandlungsfähig. Gegen Timoschenko läuft in der Ukraine derzeit ein zweites Verfahren wegen Steuerhinterziehung und Veruntreuung in ihrer Zeit als Chefin eines staatlichen Energiekonzerns.

Am «Fall Timoschenko» scheiden sich immer wieder die Geister. Eine unabhängige Prüfung der beiderseitigen Vorwürfe ist kaum möglich. Mit welch harten Bandagen mittlerweile gekämpft wird, zeigte jüngst auch ein Video, das völlig unscharf ist und Timoschenko in ihrer Zelle zeigen soll – scheinbar putzmunter, statt «schwer krank», wie ihre Anhänger betonen. Timoschenkos Anwalt spricht dagegen von einer «plumpen Fälschung».

In der Heimat nicht unumstritten

Die in der Industriestadt Dnjepropetrowsk geborene Timoschenko stieg durch die Privatisierungswelle nach dem Zerfall der Sowjetunion 1991 zur reichen «Gasprinzessin» auf. Politische Gegner werfen der charismatischen Vollblutpolitikerin mit Blick auf ihr Privatvermögen vor, keine saubere Weste zu besitzen.

Bild Julia Timoschenko, auf einer Pritsche.
Laut deutschen Spezialisten ist Timoschenko keine Simulatin, sondern schwer krank. keystone

2001 wurde die damalige Vize-Regierungschefin wegen Schmuggels und Urkundenfälschung angeklagt, sie verliess das Untersuchungsgefängnis aber nach 42 Tagen.

Zweimal amtierte die Politikerin als Ministerpräsidentin in Kiew. Als Regierungsziel hatte sie stets einen schnellen Beitritt der früheren Sowjetrepublik zur Europäischen Union angegeben. Timoschenko scheiterte jedoch an unsicheren Mehrheitsverhältnissen im Parlament, ihre Gegner werfen ihr zudem eine populistische Politik vor. Den Sprung ins Präsidentenamt verpasste sie 2010 durch eine knappe Niederlage gegen Janukowitsch.

Während Timoschenko im Westen noch den guten Ruf einer demokratischen Revolutionsführerin geniesst, war sie in der Ukraine bereits während ihrer Regierungszeit zunehmend unpopulär. Viele Menschen in dem politisch gespaltenen Land werfen ihr eine Nähe zu kriminellen Clans vor. Auch daher halten sich in ihrer Heimat die Proteste gegen ihre Haft eher in Grenzen.

(agenturen/sf/schl;gern)