Wirtschaft
Milliardär Bertarelli: «Traurig und überrascht» über Serono-Schliessung
Ernesto Bertarelli, ehemaliger Besitzer und Chef des Pharma-Konzerns Serono, hat sich überrascht und traurig über die Schliessung des Genfer Betriebs gezeigt. Der Milliardär zeigt aber trotz Überraschung Verständnis: Der Konkurrenzdruck in der Branche sei gross.
In einem Interview mit «Le Temps» beteuerte Ernesto Bertarelli, er sei traurig über das Schicksal der vom Stellenabbau in der Schweiz und vor allem am Standort Genf betroffenen Mitarbeiter. Genf habe die Firmengeschichte wesentlich geprägt. Der Schritt zeige, dass niemand vor Problemen der globalen Wirtschaft gefeit sei.
Von Verantwortung will er nichts wissen. Selbst könne er als ehemaliger Besitzer nur noch Kenntnis nehmen von dem Entscheid. Seit dem Verkauf im Jahr 2006 habe er keine verantwortliche Rolle im Unternehmen mehr inne.
Nationale Interessen
Der einstige Sieger der Segelregatta America's Cup zeigte sich aber sehr überrascht über den «einzig von ökonomischen Gesichtspunkten» motivierten Schliessungsentscheid. Gleichzeitig signalisierte Bertarelli Verständnis: Der Konkurrenzdruck sei indessen gross.
Mittels Schliessung ganzer Werke in einem Land schützten die einzelnen Länder ihre Interessen, glaubt der Ex-Besitzer von Serono. Damit ist für ihn auch erklärbar, warum der deutsche Konzern Merck den Standort Genf über die Klinge springen lässt.
SF-Wirtschaftsexpertin Fassbind: «Druck auf Standort Schweiz»
SF-Wirtschaftsredaktorin Marianne Fassbind glaubt, dass der Druck auf den Pharma-Standort Schweiz in Zukunft weiter steigen werde. Ähnlich wie Bertarelli glaubt auch sie, dass Unternehmen bestrebt seien, ihre Heimatstandorte zu stärken.
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Bertarelli konstatiert im weiteren, Merck habe seit 2006 in Genf bedeutende Investitionen getätigt. Seit der Übernahme sei die Zahl der Beschäftigten um ein Viertel gestiegen. 2006 seien zwischen Merck und Serono aber keinerlei Übereinkünfte über den Erhalt des Standorts Genf getroffen worden. Das sei keine Bedingung gewesen, da es als Selbstverständlichkeit gegolten habe.
(sda/fref; mery)



