Inhalt

Schweiz

Fifa: 29,5 Millionen Boni für Blatter und Freunde

Marc Meschenmoser
Mittwoch, 25. April 2012, 16:58 Uhr

Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft – das weiss man auch beim internationalen Fussballverband Fifa. Und deshalb hat man Sepp Blatter und weiteren höchsten Fifa-Funktionären 29,5 Millionen Dollar Boni ausbezahlt. Dies zeigen Recherchen der «Rundschau».

Videoplayer
Undurchsichtige Fifa? (Rundschau, 25.04.2012)

Die Fifa stand heute in der Kritik des Europarates. Das Parlament fordert «mehr Transparenz» vom Weltfussballverband. Jetzt zeigen Recherchen der «Rundschau»: Bereits jetzt zeigt sich, die Fifa-Spitze um Sepp Blatter zahlt sich erneut Boni in Millionenhöhe aus – trotz Kritik an der Gehaltspolitik in der Vergangenheit.

Im neuesten Finanzbericht schreibt die Fifa: «Im Jahr 2011 wurden (…) an die leitenden Organe 29,5 Millionen US-Dollar ausgerichtet.» Die Fifa bezeichnet offiziell die Boni als «kurzfristig fällige Leistungen». Offiziell wird die Fifa ihren Finanzbericht an ihrem nächsten Kongress am 24. Mai 2012 in Budapest vorstellen.

Höhe der Blatter-Boni bleibt ungewiss

Von den 29,5 Millionen Boni profitieren rund 35 höchste Fifa-Funktionäre. Wie viel Geld direkt an Präsident Blatter geflossen ist, verschweigt die Fifa und schreibt lediglich: «Als leitende Organe werden nebst der Direktion auch die Mitglieder des Exekutivkomitees und der Finanzkommission betrachtet.»

Bild
Der jüngste Finanzbericht des Weltfussballverbandes bringt es zu Tage: Knapp 30 Millionen Dollar spendierten sich die Fifa-Funktionäre 2011 selbst. sf

Fest steht: die 29, 5 Millionen Dollar reichen der Fifa-Spitze offenbar nicht aus. Zu den  ausgeschütteten Boni kommen weitere ausserordentliche Zahlungen an die Pensionskasse ihrer Top-Funktionäre.

«Fifa-Steuervorteile abschaffen!»

Der Weltfussballverband mit Sitz am Zürichberg ist rechtlich ein Verein und trotz Milliarden-Umsatz steuerbefreit. Vereine wie die Fifa gelten als «nicht gewinnorientierte Organisationen» und profitieren von Steuererleichterungen durch die Schweiz.

Dies ist für den ehemaligen Fifa-Marketing-Mitarbeiter und heutigen SVP-Nationalrat Roland Büchel nicht länger tragbar. In der «Rundschau» fordert Büchel: «Die extremen Steuervorteile für die Fifa als Milliardenkonzern sind nicht mehr zeitgemäss und gehören abgeschafft. Die Schweiz hat hier zu lange zugeschaut und muss jetzt handeln.»

«Schweiz schaut zu wenig hin»

Im Finanzbericht weist die Fifa 4,8 Millionen Dollar «Steuern und Abgaben» aus fürs letzte Jahr. Wofür sie genau diese Steuern zahlt, gibt die Fifa nicht an. Fest steht: würde die Fifa wie ein Unternehmen besteuert, müsste sie massiv mehr ihres Milliardenumsatzes an den Staat bezahlen.

Der renommierte Anti-Korruptions-Experte Mark Pieth, berät aktuell die Fifa, wie sie Korruption und Vetternwirtschaft intern ausmerzen soll. Pieth fordert im «Rundschau»-Interview die Schweiz  auf,  von der Fifa und anderen, steuerprivilegieren Sportverbänden strengere Richtlinien einzufordern.

Pieth: «Die Schweiz kann klare Regeln aufstellen und der Fifa sagen: Steuerbefreiung gibt’s nur, wenn ihr diese Regeln einhält und transparent sagt, wohin das Geld fliesst. Bisher hat die Schweiz zu wenig insistiert.»