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Schweiz

Bundesrat verlängert Aktionsplan Nanotechnologie bis 2015

Mittwoch, 25. April 2012, 18:10 Uhr

Im April 2008 hat der Bundesrat einen Aktionsplan beschlossen, um das Potenzial der Nanotechnologie besser auszuschöpfen und deren Chancen und Risiken auszuleuchten. Da vier Jahre später immer noch viele Fragen unbeantwortet sind, hat er entschieden, den Aktionsplan bis 2015 zu verlängern.

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Eines der wichtigsten der 2008 festgelegten Ziele ist die Erforschung von möglichen Risiken für Mensch und Umwelt. Es gelte, wissenschaftliche und methodische Voraussetzungen zu schaffen, um mögliche schädliche Auswirkungen von synthetischen Nanomaterialien auf Gesundheit und Umwelt zu erkennen. Erst dann könne beurteilt werden, wie der gesetzliche Rahmen für Nanotechnologien angepasst werden müsse.

Die wissenschaftlichen Abklärungen nehmen gemäss einem vom Bundesrat verabschiedeten Bericht jedoch noch mehrere Jahre in Anspruch. Die für Chemikalien entwickelten Testrichtlinien könnten zwar grundsätzlich auch auf Nanomaterialien angewendet werden, hiess es. Dazu müssten sie aber an die spezifischen Eigenschaften der Nanomaterialien angepasst werden.

Schwierige Langzeitforschung

Diese Eigenschaften rühren daher, dass Nanopartikel unvorstellbar klein sind. Es handelt sich um Teilchen mit weniger als einem Zehntausendstel Millimeter Durchmesser.

Solche Teilchen können beispielsweise über die Lunge ins Blut gelangen. Auch können sie in Zellen und sogar in den Zellkern eindringen. Welche Folgen dies haben kann, ist zurzeit Gegenstand intensiver Forschung, etwa im Rahmen des Nationalen Forschungsprogramms NFP 64.

Wie dessen wissenschaftlicher Leiter, Professor Peter Gehr, an einem Hintergrundgespräch im Vorfeld des Bundesratsentscheids vor Medienvertretern sagte, braucht es aber noch viel Forschung um zu entscheiden, ob das Eindringen der Nanopartikel über die Lunge ins Blut ein Problem darstellt.

Erste Berichte zu den 18 laufenden NFP-Projekten sind gegen das Jahr 2015 zu erwarten. Schwierig ist vor allem die Forschung über langfristige Auswirkungen von Nanotechnologien. Diese kommen etwa bei Oberflächenbeschichtungen, in der Medizin oder zur Veränderung der Eigenschaften von Textilien und Lebensmitteln zum Einsatz.

Wissen über Nanotechnologien hat abgenommen

Nach heutigem Wissensstand ist klar, dass das Eindringen von Nanopartikeln über die Lunge die grösste Gefahr birgt. Die Industrie hat darauf bereits reagiert. So wurden die Produktionsprozesse so angepasst, dass die Arbeiter möglichst nicht volatilen Nanopartikeln ausgesetzt werden.

Laut Antje Grobe von der Stiftung Risiko-Dialog sind Unternehmen viel zurückhaltender geworden, den Einsatz von Nanotechnologien bei ihren Produkten hervorzuheben. Die Firmen hätten wohl mit einer heftigen Risikodebatte gerechnet und ein negatives Image befürchtet.

Effektiv wurde seit 2008 vermehrt über die Risiken von Nanotechnologien berichtet. Die Folgen davon sind in einer Studie über den Wissensstand der Konsumenten zur Nanotechnologie abzulesen: Während das allgemeine Wissen zu Nanotechnologien zurückgegangen und das Wissen zu Chancen und zu konkreten Einsatzbereichen etwas verblasst ist, wissen die Befragten heute laut Grobe über die Risiken viel präziser Bescheid.

Unsicherheit hat zugenommen

Das Gefühl der Unsicherheit habe zugenommen, sagte Grobe. Während 2008 noch 64 Prozent der Befragten Nano eindeutig positiv bewerteten, sind es heute noch 42 Prozent. Dennoch würden nach wie vor 64 Prozent (2008: 71 Prozent) angeben, dass sie solche Produkte testen wollten, sagte Grobe.

Bis Ende 2014 will der Bund in einem weiteren Bericht über den Stand der Arbeiten des Aktionsplans berichten.

Nanotechnologie: Chance oder Gefahr?

In Rüschlikon (ZH) eröffneten der Computerkonzern IBM und die ETH ein 90-Millionen-Franken teures Forschungszentrum für Nanotechnologie. Die Industrie und Forschung setzen grosse Hoffnungen in diese neue Technologie. Es sind jedoch auch Ängste damit verbunden.  Ein Blick in die Welt der ultra-kleinen Partikel.

(sf/rufi;godc)