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Wirtschaft

«Der Druck auf den Pharma-Standort Schweiz wächst»

Dienstag, 24. April 2012, 17:45 Uhr, Aktualisiert 21:12 Uhr

Die Schliessung des Standorts Genf von Merck-Serono ist nur das jüngste Kapitel einer Reihe von Abbau-Massnahmen in der Schweizer Pharma-Branche. SF-Wirtschaftsredaktorin Marianne Fassbind fürchtet, dass der Druck auf den Standort Schweiz weiter steigt.

«Die Stellenstreichung in Genf hat damit zu tun, dass die Pharmabranche weltweit unter Druck steht», so Fassbind. «Zum einen wollen die Gesundheitsbehörden überall günstigere Medikamente, der Druck auf die Preise steigt. Anderseits werden die Hürden für die Zulassung von Medikamenten immer höher. Dazu kommt, dass die Kosten für die Forschung immer weiter steigen.» Dies habe zur Folge, dass die Margen sinken und die Kosten für die Forschung zugleich steigen.

SF-Wirtschaftsredaktorin Marianne Fassbind «Die gesamte Pharmabranche leidet unter einem enormen Kostendruck» (Tagesschau, 24.4.2012, 19.30)

Merck setzt auf Heimstandort

Daher verlagerten die Pharma-Multis ihre Produktion zunehmen in Länder, in denen Produktion und Forschung günstiger sind. Internationale Unternehmen konzentrieren ihre Aktionen zudem auf drei Standorte: Einer in Europa, einer in den USA und einer in Asien. «Dass Merck als deutsches Unternehmen dabei auf seinen Heimstandort Darmstadt setzt, ist nicht überraschend», sagt Fassbind.

Bild Portrait von Marianne Fassbind.
Sf-Wirtschaftsredaktorin Marianne Fassbind findet es wenig erstaunlich, dass Merck auf den Standort Darmstadt setzt. sf

Der Wegfall des Serono-Standortes in Genf könnte sich auf den Pharma-Standort Schweiz insgesamt negativ auswirken, sagt Fassbind: «Je mehr Forschungsunternehmen die Schweiz verlassen, umso unattraktiver wird Standort Schweiz für die Pharma-Industrie. Die Cluster-Bildung ist in diesem Bereich sehr wichtig.»

Entlassungen in der Schweiz leichter

Beim Standortentscheid von Merck-Serono spielen aber nicht nur die genannten äusseren Faktoren eine Rolle, hält die SF-Wirtschaftsspezialistin fest. Hausgemachte Probleme schlagen auf die Bilanz des Unternehmens: Die Produktentwicklung verläuft enttäuschend, neue Medikamente seien nicht in Sicht. «In Der Schweiz ist ausserdem der Arbeitsmarkt weniger stark reguliert, Entlassungen sind hier einfacher. Und schliesslich seien auch die Gewerkschaften in der Schweiz eher bereit zu verhandeln.

Bemerkenswert findet Fasssbind, dass Merck-Serono seine Aktivitäten in der Schweiz künftig von Zug aus führt. Hier zeige sich, dass auch der Steuerwettbewerb unter den Kantonen Einfluss auf den die Entscheidung gehabt habe.

Jobs weg, Sicherheit bleibt auf der Strecke

Die chemische Industrie der Schweiz verlagert immer mehr Produktionsstätten nach Asien und China. Kundennähe und günstige Herstellungskosten werden von den Verantwortlichen als Begründung genannt. Auf der Strecke bleiben nicht nur die Mitarbeiter, sondern auch der Umweltschutz.

(sf/buet;fref)