Inhalt

Präsidentenwahl Frankreich

Frankreich: Hollande umwirbt Le Pens Wähler

Dienstag, 24. April 2012, 13:11 Uhr

Vor der zweiten Runde der französischen Präsidentenwahl wirbt auch der Sozialist François Hollande um die Wähler der ausgeschiedenen Marine Le Pen des Front National. Über Amtsinhaber Nicolas Sarkozy äusserte er sich herablassend.

Hollande kündigte an, die unzufriedenen und wütenden Bürger bei der Stichwahl am 6. Mai nicht seinem Konkurrenten zu überlassen. «Es ist meine Pflicht, mich sofort diesen Wählern zuzuwenden», sagte der 57-Jährige der Tageszeitung «Libération». Dies gelte allerdings nicht für diejenigen, die das radikale Gedankengut von Le Pens rechtsextremer Partei Front National teilten.

Bild Hollande.
Hollande blickt nach rechts, auf der Suche nach den fehlenden Stimmen. reuters

Sarkozy: Grenzen müssen schützen

Amtsinhaber Nicolas Sarkozy hatte bereits begonnen, um Rechte und Globalisierungskritiker zu werben. «Das Europa, das die Migrationsströme nicht reguliert, das seine Grenzen nicht verteidigt und das gleichzeitig seine Märkte ohne Gegenleistung öffnet, ist am Ende», sagte der in Umfragen hinten liegende Konservative.

In der ersten Runde der Präsidentenwahl hätten die Franzosen klar zu verstehen gegeben, dass sie genug von einer Globalisierung ohne Regeln hätten und kein durchlässiges Europa wollten: «Wir müssen dem Rechnung tragen», sagte Sarkozy. «Eine Grenze ist dazu da, um zu schützen.»

Bild Wahlzettel für Le Pen.
Wer zuvor Le Pen wählte, ist nun umgarnt. reuters

Unterlegene Linke für Hollande

Im ersten Wahlgang hatten am Sonntag rund 30 Prozent der Wähler für die Kandidaten der extremen Linken oder Rechten gestimmt. Diese dürfen in der zweiten Runde nicht mehr antreten. Vor allem Sarkozy ist auf Wechselwähler angewiesen. Im ersten Wahlgang kam er nur auf 27,2 Prozent und lag damit hinter seinem Herausforderer Hollande mit 28,6 Prozent.

Marine Le Pen holte überraschend fast 18 Prozent und landete damit auf Platz drei vor dem Chef der kommunistisch orientierten Linksfront, Jean-Luc Mélenchon (11,1 Prozent). Die unterlegenen linken Kandidaten, darunter Mélenchon, haben bereits ihre Unterstützung für Hollande in der Stichwahl gegen Präsident Sarkozy deutlich gemacht.

«Ziehen am Trikot»

Hollande betonte, dass er sich bis zur Stichwahl vor allem an die linke Wählerschaft wenden werde. «Ich werde nicht den Fehler begehen, nur zu den anderen zu sprechen und unsere zu vergessen», sagte er im «Libération»-Interview.

Über Sarkozy äusserte sich Hollande herablassend: «Er ist wie ein Läufer, der abgehängt wurde und versucht, dem Führenden am Trikot zu ziehen. Ich will versuchen, offensiv zu sein, ohne in einen Wrestling-Kampf zu verfallen.»

(agenturen/fasc;buet)