International
Schweizerin nach Geiselhaft in Mali wieder frei
Die vor neun Tagen im Norden Malis entführte Schweizerin ist freigekommen. Der Gesundheitszustand der seit Jahren in Timbuktu tätigen Missionarin ist laut EDA den Umständen entsprechend gut.
Die Schweizerin sei einer Vertreterin des Eidg. Departements für auswärtige Angelegenheiten (EDA) übergeben worden, teilte das Aussendepartement in einem Communiqué mit. Die Ex-Geisel sei anschliessend an einen sicheren Ort gebracht worden, hiess es ohne nähere Angaben.
Burkhalter erleichtert
Über die Umstände der Freilassung machte das EDA keine Angaben, dankte aber insbesondere den Behörden Malis und des südlichen Nachbarlands Burkina Faso. Bundesrat Didier Burkhalter habe mit Erleichterung auf die Nachricht der Freilassung reagiert.
Mit Raketenwerfern und Kalaschnikows bewaffnete Männer in zwei Pick-up-Lieferwagen brachten die Schweizerin zum Übergabeort einige Kilometer von Timbuktu entfernt, wie ein AFP-Reporter berichtete.
Kein Lösegeld
Ein örtlicher Sprecher der islamistischen Organisation Ansar Dine und der burkinische General Gilbert Djindjéré verhandelten in einem Zelt über die Freilassung. Nach der Übergabe versicherten beide, es sei kein Lösegeld gezahlt worden. «Wir haben nichts verlangt», sagte ein Islamisten-Sprecher.
Bei ihrer Ankunft habe sie ihr schwarzes Gewand und ihren schwarzen Turban abgelegt, bevor sie in einen am Morgen aus Burkina Faso eingetroffenen Helikopter gestiegen sei, hiess es bei AFP weiter. Zwei Vertreter des Schweizer Aussenministeriums hätten die Frau in Empfang genommen; der Helikopter brachte sie dann in die Hauptstadt von Burkina Faso, Ouagadougou.
General Djindjéré erklärte, die Schweizerin wolle die Region nicht verlassen. In den nächsten Tagen werde sie erst einmal in Burkina Faso bleiben. Die Baslerin war nach Angaben der malischen Behörden am 15. April in Timbuktu von bewaffneten Männern verschleppt worden. Die Islamisten liessen sie offenbar unter der Bedingung frei, dass sie nicht in die Wüstenstadt zurückkehre, um zu missionieren.
In den Händen militanter Islamisten
Die seit Jahren in Timbuktu sozial engagierte Missionarin war in der Stadt geblieben, als Anfang April die Bewegung Ansar Dine dort die Kontrolle übernahm.
Tuareg-Rebellen haben vor rund einer Woche die Unabhängigkeit für den Norden Malis ausgerufen. Die Macht wird allerdings de facto zu grossen Teilen von Ansar Dine ausgeübt. Diese kontrolliert nach Berichten aus der Region neben Timbuktu auch alle anderen wichtigen Städte.
Mali verlassen
Das EDA wies nochmals auf seine Warnung vor Reisen nach Mali hin. Seit Dezember 2009 rät das EDA wegen des erhöhten Entführungsrisikos von Reisen in das westafrikanische Land ab.
Nach dem Putsch und dem Vormarsch der Rebellen im Norden Malis empfiehlt das Aussenministerium nun seit gut drei Wochen allen Schweizer Staatsbürgern in Mali, das Land zu verlassen.
(sf/buet)







