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Präsidentenwahl Frankreich

Hollande gewinnt erste Runde

Sonntag, 22. April 2012, 20:04 Uhr, Aktualisiert 22:27 Uhr

François Hollande hat die erste Runde der französischen Präsidentschaftswahl gegen Amtsinhaber Nicolas Sarkozy für sich entschieden. Die Beiden gehen in die Stichwahl. Für Überraschung sorgte der hohe Stimmenanteil von Marine Le Pen.

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Resultate Präsidentschaftswahlen Frankreich François Hollande hat Frankreichs Präsidentschaftswahlen für sich entschieden. Amtsinhaber Nicolas Sarkozy muss seinen Sitz in einer Stichwahl verteidigen. Für Überraschung sorgte der hohe Stimmenanteil für Marine Le Pen. Quelle: reuters / 78,87 % ausgezählt

Der Sozialist Hollande lag nach Auszählung der Hälfte einige wenige Prozentpunkte vor dem amtierenden Präsidenten. Für eine Überraschung sorgte Marine Le Pen. Sie kam für den Front National auf beinahe 20 Prozent.

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Hollande geht als Sieger aus der ersten Runde der Präsidentschaftswahlen hervor. keystone

Als eine der ersten sozialistischen Parteigrössen meldete sich am Wahlabend Ségolène Royal, die frühere Lebensgefährtin Hollandes, zu Wort. Sie gratulierte aber nicht etwa ihrem Ex zum Erfolg, sondern äusserte sich zu Marine Le Pen. «Das ist ein Protestvotum. Man muss sich an die Wähler wenden und sie verstehen», sagte Royal.

Der Wahlkampfchef von Marine Le Pen kündigte an, dass Le Pen am 1. Mai ihre Haltung zur Stichwahl zwischen dem Sozialisten François Hollande und dem konservativen Präsidenten Nicolas Sarkozy bekanntgeben werde.

«Richtungswahl»

Hollande und Sarkozy hatten die Abstimmung zu einer Richtungswahl erklärt. Der Favorit kündigte an, er werde Frankreich bei seinem Sieg neuen Lebensatem geben und das Bekenntnis zu Europa erneuern. Hollande will den Sparkurs abmildern und auf Wachstum setzen.

Sarkozy dagegen warnte, das links ausgerichtete Programm Hollandes werde Frankreich in die Krise stürzen. Für ihn ist das Ergebnis eine herbe Schlappe, zum ersten Mal verlor ein amtierender Präsident den ersten Wahlgang.

Breite Anti-Sarkozy-Stimmung

Die breite Anti-Sarkozy-Abstimmung zeigt sich vor allem im Ergebnis für Rechtspopulistin Le Pen. Ihr waren in den letzten Umfragen maximal 16 Prozent vorausgesagt worden. Mit knapp 20 Prozent hat sie mehr Stimmen eingefahren als ihr Vater Jean-Marie vor zehn Jahren. Dieser hatte 2002 mit nur 16,86 Prozent die Stichwahl erreicht und Frankreich in eine Schockstarre versetzt.

Von einem «sehr alarmierenden Ergebnis» sprach der Antikapitalist Jean-Luc Mélenchon von der Linksfront, der mit etwas über 10 Prozent auf dem vierten Platz landete. Mélenchon rief seine Anhänger indirekt zur Unterstützung Hollandes bei der Stichwahl auf: «Wir werden Sarkozy bekämpfen.»

Der Zentrumspolitiker François Bayrou erreichte mit 9,2 Prozent Platz fünf. Bayrou legte sich noch nicht fest. Er kündigte lediglich an, dass er den beiden Kandidaten zuhören und dann «seine Verantwortung» annehmen werde.

Grösseres Wählerreservoir

Laut Wahlforschern kann Hollande für das Duell in zwei Wochen auf die Stimmen des linken Lagers, aber auch auf Protestwähler Le Pens hoffen. Ihm wird das deutlich grössere Wählerreservoir zugesprochen.

Das liegt auch an der langen Regentschaft der Konservativen. Gewinnt Hollande in zwei Wochen, würde er das erste Mal seit Francois Mitterrands Sieg im Jahr 1988 den Élysée-Palast für die Sozialisten zurückerobern.

Auf Mitterrand beruft sich Hollande deshalb auch gerne – bis hin zur selben Gestik in seinen Ansprachen. Allerdings wirkt Hollande im Gegensatz zu seinem Vorbild eher bieder und bodenständig. Bereits zu Beginn seines Wahlkampfes vor mehr als einem Jahr machte der 57-Jährige mit der randlosen Brille klar: Er will anders sein als Sarkozy, nämlich ein ganz «normaler» Präsident. Damit traf der Sozialist den Nerv seiner Landsleute, die den Aktionismus des Präsidenten und dessen Nähe zu den Reichen und Schönen satt haben.

Vorbild Mitterrand

Auf Mitterrand beruft sich Hollande deshalb auch gerne – bis hin zur selben Gestik in seinen Ansprachen. Allerdings wirkt Hollande im Gegensatz zu seinem Vorbild eher bieder und bodenständig. Bereits zu Beginn seines Wahlkampfes vor mehr als einem Jahr machte der 57-Jährige mit der randlosen Brille klar: Er will anders sein als Sarkozy, nämlich ein ganz «normaler» Präsident. Damit traf der Sozialist den Nerv seiner Landsleute, die den Aktionismus des Präsidenten und dessen Nähe zu den Reichen und Schönen satt haben.

(sf/sda/hues; fref)