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Präsidentenwahl Frankreich

Ein Protokoll der französischen Wahlen

Sonntag, 22. April 2012, 16:54 Uhr, Aktualisiert 23:29 Uhr

Seit 17 Jahren stellen die Konservativen in Frankreich den Präsidenten. Nun scheint jedoch der Herausforderer François Hollande für die Stichwahl die Nase vorn zu haben. Ein Protokoll eines bewegten Wahlsonntages.

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Zum Abschluss des Wahltages eine kurze Zusammenfassung

- In Frankreich hat der Sozialist François Hollande die erste Runde der Präsidentschaftswahlen gewonnen. An zweiter Stelle liegt Nicolas Sarkozy. Sozialist Hollande erreicht 28 Prozent, Sarkozy 26,9 Prozent.

- Marine Le Pen kommt auf den dritten Platz mit einem beachtlichen Resultat um die 20 Prozent. Dieses Resultat ist viel stärker als in den Umfragen.

- Am 6. Mai kommt es zur Stichwahl zwischen Hollande und Sarkozy.

22.40 Uhr Ein Ausblick der SF-Korrespondenten auf die 2. Runde der Wahlen

Einschätzungen der drei Korrespondenten in Paris (Sondersendung zu den Wahlen).

21.50 Uhr Neue Resultate aus dem Innenministerium

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Resultate Präsidentschaftswahlen Frankreich François Hollande hat Frankreichs Präsidentschaftswahlen für sich entschieden. Amtsinhaber Nicolas Sarkozy muss seinen Sitz in einer Stichwahl verteidigen. Für Überraschung sorgte der hohe Stimmenanteil für Marine Le Pen. Quelle: reuters / 78,87 % ausgezählt

Frankreichs Innenministerium gibt die Resultate nach Auszählung von 78,9 % der Stimmen bekannt: Hollande 28 %, Sarkozy 26,9 %, Le Pen 19 %, Mélenchon 10,9 %, Bayrou 9,2%.

21.45 Uhr Sarkozy tritt vor die Anhänger: «Vive la France»

Sarkozy sagt, die Franzosen haben in dieser Wahl ihre Ängste zum Ausdruck gebracht. «Ich kenne ihre Ängste», beruhigt der Präsident. «Die Franzosen haben das Recht die Wahrheit zu hören. Ich werde alle meine Energie in die Kampagne werfen. Alle Franzosen, die Frankreich lieben, sollen mich wählen. Vive la France!»

21.30 Uhr Linke Kandidaten machen Unterstützung für Hollande deutlich

Nach dem Sieg des sozialistischen Kandidaten François Hollande in der ersten Runde der französischen Präsidentschaftswahl haben mehrere Linkskandidaten ihre Unterstützung für den 57-Jährigen deutlich gemacht.Der Linkskandidat Jean-Luc Mélenchon hat dazu aufgerufen, den konservativen Präsidenten Nicolas Sarkozy in der Stichwahl am 6. Mai «zu schlagen». «Unser Volk scheint fest entschlossen zu sein, die Sarkozy-Jahre abzuschliessen.» Die grüne Kandidatin Eva Joly ruft ihre Anhänger ebenfalls auf, in der Stichwahl für Hollande zu stimmen.

21.20 Uhr Hollande wendet sich zu seinen Anhängern

François Hollande sagt vor seinen Fans: «Dies ist eine Schlappe für den Präsidenten Sarkozy. Aber es ist beunruhigend, dass die Front National so stark ist, wie noch nie». Er zwar wolle einen Wechsel vorantreiben, aber auch die Ängste der Franzosen seien ernst zu nehmen.

21.15 Uhr Ségolène Royal «versteht» die Wähler

Als eine der ersten sozialistischen Parteigrössen meldete sich am Wahlabend Ségolène Royal, die frühere Lebensgefährtin Hollandes, zu Wort. Sie gratulierte aber nicht etwa ihrem Ex zum Erfolg, sondern äusserte sich zu Marine Le Pen. «Das ist ein Protestvotum. Man muss sich an die Wähler wenden und sie verstehen», sagte Royal.

21.00 Marine Le Pen tritt vor die Medien

Le Pen dankt ihren Anhänger, dass sie so viele Stimmen erreicht hat: «Was auch immer passieren mag, die Schlacht für Frankreich hat gerade begonnen.» Am Ende singen alle die Marseillaise. Le Pens Wahlkampfleiter Florian Philippot kündigte umgehend an, man werde den konservativen Amtsinhaber nicht unterstützen. «Nicolas Sarkozy ist schon erledigt», sagte er. Marine Le Pen werde nun zur Chefin der Opposition

20.32 Uhr Staatsanwaltschaft wegen Hochrechnungen eingeschaltet

Die Kommission für Wahlumfragen in Frankreich hat die Staatsanwaltschaft wegen der vorzeitigen Veröffentlichung von Hochrechnungen eingeschaltet.

Es gebe Vorgänge, die «strafbar» erschienen, teilte die Kommission in Paris mit. Davon seien Einzelpersonen ebenso wie Medienhäuser betroffen. In Frankreich war es unter Androhung einer hohen Geldstrafe verboten, Hochrechnungen zur Wahl vor 20 Uhr zu veröffentlichen. Dann schlossen die letzten Wahllokale in Grossstädten.

Ausländische Medien hatten bereits bei der Präsidentschaftswahl 2007 die Sperrfrist gebrochen. Diesmal war auch befürchtet worden, dass sich Zahlen über das Internet rasend schnell verbreiten. Die ersten Wahllokale schlossen in der ersten Runde der Präsidentschaftswahl in kleineren Städten und Dörfern schon um 18 Uhr.

20.29 Uhr Linker Kandidat Jean-Luc Mélenchon für Hollande

In einer ersten Stellungnahme ruft Mélenchon, der Kandidat der radikalen Linke, zur Wahl Hollandes auf (ohne jedoch seinen Namen zu nennen). Man solle gegen die Achse Sarkozy-Merkel vorgehen.

20.15 Uhr Wie geht es nun weiter?

Kommt keiner der insgesamt zehn angetretenen Kandidaten in der ersten Runde über die Marke von 50 Prozent, muss eine Stichwahl unter den beiden Erstplatzierten am 6. Mai entscheiden. Es gilt also Sarkozy gegen Hollande.

20.00 Uhr Erste Hochrechnung: Hollande vorn

Bei der französischen Präsidentenwahl haben sich der konservative Amtsinhaber Nicolas Sarkozy und der Sozialist François Hollande für die entscheidende zweite Runde qualifiziert. Nach ersten offiziellen Hochrechnungen erhielt Hollande 28,4 Prozent. Der um eine zweite Amtszeit kämpfende Sarkozy kam auf 25,5 Prozent. Die rechtsextreme Kandidatin Marine Le Pen schnitt mit 20 Prozent überraschend stark ab.

19.30 Uhr Liveschaltungen in der Hauptausgabe der Tagesschau

SF-Korrespondent Michael Gerber im Lager von Sarkozy sagt: «Die bisher publizierten Resultate scheinen mir glaubwürdig zu sein. In zwanzig Minuten wissen wir mehr.» SF-Sonderkorrespondent Adrian Arnold sagt im Hollande-Lager: «Hier dürfte nach der Bekanntgabe ein Begeisterungssturm ausbrechen.» Alexandra Gubser berichtet aus dem Le Pen-Lager: «Marine Le Pen hat es offenbar geschafft den Front National wieder salonfähig zu machen.»

Live-Schaltungen aus der Hauptausgabe der Tagesschau (22.4.2011)

19.10 Uhr Auch belgischer Rundfunk sieht Hollande vorn

Der Sozialist François Hollande liegt in der ersten Runde der französischen Präsidentschaftswahl ersten inoffiziellen Umfragen zufolge rund zwei Prozentpunkte vor Amtsinhaber Nicolas Sarkozy – mit 27 bis 28 Prozent gegenüber dem Amtsinhaber.

Der öffentliche belgische Rundfunk RTBF meldet auf seiner Internetseite, Hollande könne laut ersten Nachwahlbefragungen mit 27 bis 28 Prozent der Stimmen rechnen, Sarkozy mit 25 bis 26 Prozent.

Auf dem dritten Platz liege Marine Le Pen vom rechtsextremen Front National (16 Prozent) vor Jean-Luc Mélenchon von der Linksfront (13 bis 14 Prozent) und dem Mitte-Kandidaten François Bayrou (10 Prozent).

Nach Angaben des belgischen Senders fussen die Zahlen auf Umfragen nach der Stimmabgabe.

18.30 Uhr Funkstille auf Twitter – oder doch nicht?

Die beiden aussichtsreichsten Kandidaten François Hollande und Nicolas Sarkozy meldeten sich seit gestern auf Twitter nicht zu Wort. Doch einige Franzosen haben alte Kommunikationsformen aus dem Untergrundkampf des Zweiten Weltkriegs neu belebt. Verschlüsselte Geheimbotschaften wie einst zu Résistance-Zeiten machen im Kurznachrichtendienst Twitter die Runde. Denn offiziell dürfen keine Ergebnisse getwittert werden.

Eine solche Regelung macht kreativ: In Anspielung auf damalige codierte Geheimbotschaften der britischen BBC hiess es unter #radiolondres mit Blick auf erste Wahl-Prognosen und den Namen des Top-Favoriten François Hollande: «Holland liegt vor Ungarn». Präzisere Angaben zum prozentualen Abstand zu seinem Top-Rivalen Nicolas Sarkozy, der als Sohn eines ungarischen Einwanderers geboren wurde, gab es durch den Satz: «In Kanada ist der holländische Ahornsirup mit 33 Dollar deutlich teurer als der ungarische, der nur 26 Dollar wert ist.»

18:08 SRF-Korrespondent Michael Gerber: «Sarkozys Lage ist schwierig, aber nicht aussichtslos.»

Michael Gerber (Tagesschau, 22.4.2012): «Erste Ergebnisse bestätigen Erwartungen.»

17.57 Uhr Erste inoffizielle Resulate der Hochrechnung

Verschiedene französischsprachige Medien schreiben, dass erste inoffizielle Resultate der Hochrechnung (Mittel von 3 französischen Umfrageinstituten) vorliegen. Laut dem Westschweizer Fernsehen RTS bringen diese Zahlen keine Überraschung: François Hollande (27 bis 29%) liegt vor Nicolas Sarkozy (25 bis 26%), Marine Le Pen (16 bis 17%), Jean-Luc Mélenchon (14 bis 16%) und als fünfter François Bayrou (10 bis 10,5%).

17.30 Uhr Umfrage: Hollande führt klar vor Sarkozy

Der sozialistische französische Präsidentschaftskandidat François Hollande ist ersten Umfragen zufolge deutlich vor Amtsinhaber Nicolas Sarkozy in Führung gegangen. Der belgische Rundfunk RTBF berichtet in Brüssel, zwei Umfragen zufolge habe Hollande um 16.00 Uhr rund 27 Prozent der Stimmen bekommen. Sarkozy rangiere mit 25 Prozent auf Platz zwei. Vor fünf Jahren hatte Sarkozy zu dieser Zeit 31,2 Prozent der Stimmen, seine sozialistische Gegenkandidatin Ségolène Royal 25,9 Prozent.

Bild François Hollande
Trotz positiven ersten Resultaten: Hollande bleibt angespannt. keystone

17.15 Uhr Geringere Wahlbeteiligung

Die Beteiligung an der Präsidentenwahl in Frankreich ist gegen 17 Uhr geringer als bei der Wahl 2007. Nach Angaben des Innenministeriums liegt sie bei 70,6 Prozent. Das sind genau drei Prozentpunkte weniger als bei der vorherigen Wahl.

17.00 Uhr Dominique Strauss-Kahn an der Urne 

Der einstige Hoffnungsträger der Sozialisten, Dominique Strauss-Kahn, hat am Sonntag seine Stimme für die Präsidentschaftswahl abgegeben. Diese hätte er ohne eine Reihe von Sex-Skandalen selbst gewinnen können.

Strauss-Kahn erschien dennoch lächelnd und entspannt wirkend in einem Wahllokal in Sarcelles nördlich von Paris. Fotografen umlagerten den 62-Jährigen, der aber keinen Kommentar abgab.

16.40 Uhr Weitere Resultate aus Übersee

Die Westschweizer Zeitung «Tribune de Genève» kennt noch mehr Resultate aus Übersee: In Französisch-Guyana kam Hollande auf 42,73 Prozent der Stimmen, Sarkozy auf 27,03 Prozent - auch dort verlor Sarkozy gegenüber der Wahl 2007 deutlich. Auch auf der Karibikinsel Saint Martin soll Hollande mit 35,32 Prozent in Führung liegen. Sarkozy kam auf 34 Prozent (2007: 42,59 Prozent). 

16.15 Uhr Erste Resultate aus Übersee

Die belgische Zeitung vermeldet erste Resultate aus den Überseegebieten: Laut «lesoir» soll die kleine Inselgruppe Saint-Pierre und Miquelon mehrheitlich François Hollande unterstützen (33,75%), gefolgt von Nicolas Sarkozy (18,75%). In Guadeloupe soll François Hollande sogar 57% der Stimmen bekommen.

14.30 Uhr Stimmabgabe der Kandidaten

Die Kandidaten haben ihre Stimme bereits abgegeben. Betont entspannt hat sich Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy bei der Abgabe seiner Stimme am Sonntag in Paris gezeigt. Gut gelaunt erscheint er mit seiner Frau Carla Bruni-Sarkozy in einer Schule in dem als besonders wohlhabend geltenden 16. Arrondissement von Paris:

 

Bild Nicolas Sarkozy wählt
Sarkozy wird von Carla Bruni-Sarkozy (44) begleitet, die er Anfang 2008 nach zwei gescheiterten Ehen geheiratet hatte. keystone

14.00 Uhr Hollande geht gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Valérie Trierweiler im
heimatlichen Tulle (Zentralfrankreich) zur Wahl.

13.45 Uhr Dieses Jahr dürften sich auch französische Medien – trotz der Androhung von hohen Strafen – nicht an die Sperrfrist 20 Uhr für die ersten Hochrechnungen halten. Zudem werden erste Zahlen ohne Zeitverlust über Social Media wie Twitter oder Facebook publik werden. Doch das ist eigentlich illegal. Lesen sie mehr hier.

(agenturen/rufi)