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Energiepolitik

Effiziente Kraftwerke mitten im Quartier

Sandra Odermatt, «Einstein»
Donnerstag, 19. April 2012, 13:30 Uhr

Dezentrale Wärmekraftkopplungs-Anlagen (WKK) für Strom und Wärme könnten einen Teil des künftigen Strombedarfs decken. Der Bundesrat will diese Anlagen fördern – wie stark, hängt vom Erfolg der erneuerbaren Energien ab. Einige Anlagen sind bereits in Betrieb. «Einstein» hat ein kleines Quartier-Kraftwerk besucht.

Die rund 1000 Bewohner des Quartiers «Im langen Loh» im westlichen Teil der Stadt Basel haben keine Angst, dass ihnen der Strom ausgeht. Die rund 450 Wohnungen sind nämlich an ein eigenes Kraftwerk angeschlossen, das ihnen Strom, Heizenergie und warmes Wasser liefert.

Sehr hoher Wirkungsgrad

Die dezentrale Wärmekraftkopplungs-Anlage befindet sich in einem Kellergeschoss, mitten im Quartier. Die erdgasbetriebene Anlage ist mit einem Katalysator ausgerüstet, um die Schadstoffemissionen im Rahmen zu halten. Die Abwärme wird mit einer Wärmepumpe genutzt.

Dadurch erreicht die Wärmekraftkopplungsanlage einen Wirkungsgrad von 94 Prozent. 37 Prozent des eingesetzten Gases werden zu Strom, 57Prozent zu Wärme. Der Rest von 6 Prozent geht in die Atmosphäre. Eine sehr  energieeffiziente Sache. Im Vergleich: Bei Kohle-, Gas- und Öl-Kraftwerken liegt der Wirkungsgrad zwischen 30 und 65 Prozent.

Martin Kamber, Leiter Energiedienstleistungen IWB zur Wirkungsweise der WKK-Anlage

Der Motor der Anlage hat eine Leistung von 400 Kilowatt. Hochgerechnet könnten 2‘500 Anlagen dieser Leistung das Kernkraftwerk Gösgen ersetzen.

Hohe Produktionskosten

Die Physikerin Almut Kirchner von der Firma Prognos hat für das Bundesamt für Energie alle möglichen Energieszenarien durchgerechnet. Auch Wärmekraftkopplungsanlagen wurden mitberücksichtigt. Die Expertin sieht in diesen Anlagen zwar ein grosses Potenzial, doch bergen sie hohe Kosten. Je nach Grösse der Anlagen kosten sie den Steuerzahler 4- bis 5-mal so viel wie zum Beispiel Gaskombi-Kraftwerke. 

«Wenn man langfristig denkt, könnte man eine Strategie fahren mit erneuerbarer Energie und mit WKK,» sagt Energieexpertin Kirchner. «Aber wir werden ein Problem haben, wenn etwa 2025 und 2035 die grossen Atomkraftwerke vom Netz gehen.» Dann müssten zusätzlich grosse Anlagen – zum Beispiel Gas-Kombi-Kraftwerke – zur Verfügung stehen, um die Nachfrage abzudecken.

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