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Breivik will aus «Notwehr» gehandelt haben
Unter gewaltigem Medieninteresse hat der Prozess gegen den norwegischen Massenmörder Anders Behring Breivik vor dem Amtsgericht in Oslo begonnen. Der rechtsradikale Islamhasser gab die Taten zu, bekannte sich aber als nicht schuldig. Während eines von ihm gedrehten Films brach Breivik in Tränen aus.
Der Attentäter betrat den Saal mit ausgestreckter geballter Faust – ein bei Rechtsextremen verbreiteter Gruss. Er verfolgte die Verlesung der Anklageschrift und der Opferliste ohne besondere Regung.
«Ich gebe die Taten zu, bekenne mich aber nicht strafschuldig», sagte der 33Jährige. Er habe in Notwehr gehandelt. Das Gericht erkenne er nicht an, weil der norwegische Staat den Multikulturalismus unterstütze.
Staatsanwältin Inga Bejer Engh verlas zu Beginn des Prozesses eindrücklich die Namen der 77 Todesopfer sowie die der 42 Verletzten der beiden Anschläge. Sie nannte das Alter und führte detailliert die Verletzungen auf, die jedes einzelne der Opfer erlitten hatte. Auf der Insel Utøya tötete Breivik ihren Ausführungen zufolge 67 Menschen durch Schüsse, ein Opfer erlag auf der Flucht vor dem Mörder seinen Schussverletzungen, ein weiteres Opfer ertrank.
Der im schwarzen Anzug erschienene Breivik sagte, befragt nach seinem Beruf, er sei Schriftsteller und arbeite vom Gefängnis aus.
Seine Ablehnung des Gerichts begründete er auch damit, dass die Vorsitzende Richterin Wenche Elizabeth Arntzen von der damaligen Justizministerin Hanne Harlem ernannte worden sei – einer Schwester der einstigen sozialdemokratischen Ministerpräsidentin Gro Harlem Brundtland.
Breivik: «Phase der Propaganda»
Breivik darf vor Gericht fünf Tage lang über seine rechtsradikalen Motive sprechen. Die Norweger erwarten schockierende Aussagen.
In einem 1500 Seiten schweren Manifest im Internet hatte Breivik geschrieben, dass mit einer Festnahme die «Phase der Propaganda» beginne. Breiviks Anwalt kündigte an, sein Mandant werde vor Gericht bedauern, «nicht weitergegangen zu sein».
Das Gericht müsse sich mit der abstrusen Gedankenwelt des Attentäters befassen, erklärte SF-Sonderkorrespondent Erwin Schmid in der «Tagesschau». Dies sei eine Gratwanderung.
Tränen im Gesicht
Das Gericht zeigte in Verlauf des Verhandlungstages einen Kurzfilm, den Breivik am Tag der Anschläge veröffentlicht hatte.
Während der zwölf Minuten lange Film im Verhandlungssaal auf einer Grossleinwand lief, wischte sich Breivik Tränen aus den Augen. Im Film sind Fotos und Zeichnungen zu sehen, die vor allem muslimische Fundamentalisten zeigen.
Man habe lange darüber diskutiert, ob der Film vollständig gezeigt werden müsse, führte Staatsanwalt Svein Holden aus. Man sei zum Schluss gekommen, dass dies nötig sei. «Der Film kann dem Gericht einige Hinweise auch in Bezug auf Breiviks Erklärung morgen geben», sagte Holden.
(sda/dpa/horm; fref)






