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Schweiz

Gaskombikraftwerke sind umstritten

Sonntag, 15. April 2012, 17:33 Uhr

Künftig soll die Schweiz – wenn es nach Energieminsterin Doris Leuthard geht – mit Gaskraftwerken jährlich rund 20 Terawattstunden Strom produzieren. Bis zu sieben solcher Kraftwerke müssten dann gebaut werden. Umweltschützer kritisieren den Bau. Die Vorteile dieses Kraftwerkstyps sind aber zahlreich.

Gaskombikraftwerke haben einen höheren Wirkungsgrad, geringere Emissionen, tiefere Bau- und Unterhaltskosten und können – was sie für Länder mit einem hohen Anteil an regenerativen Energien besonders interessant macht – als Mittellastkraftwerke eingesetzt werden.

Konkret heisst das, dass Gaskombikraftwerke innerhalb kurzer Zeit hochgefahren werden und Strom produzieren können. Dies ist immer dann der Fall, wenn Spitzen im Stromverbrauch auftreten oder unvorhergesehen der Strombedarf zunimmt.

Bild Ein Gaskombikraftwerk der Axpo-Gruppe in Süditalien.
Ein Gaskombikraftwerk der Axpo-Gruppe in Süditalien (Calenia Energia). axpo

Im Vergleich zu anderen Kraftwerkstypen haben Gaskombikraftwerke einen hohen Wirkungsgrad – das heisst: Es fallen relativ geringe Reibungs- und Wärmeverluste an. Die modernen Anlagen erreichen knapp 60 Prozent. Ein Grossteil der im Gas vorhandenen Energie-Kapazität wird am Ende tatsächlich in Strom umgewandelt. Kohlekraftwerke liegen deutlich unter 40 Prozent.

Möglich wird der gute Wert durch eine Kombination verschiedener Energiegewinnungsformen. Rund zwei Drittel der Energie produziert die Gasturbine. Sie funktioniert ähnlich einem Flugzeugtriebwerk und treibt einen Generator an. Die restliche Energie – rund ein Drittel – produziert die Dampfturbine aus den heissen Abgasen der Gasturbine.

Niedrige Kosten, kurze Bauzeit

Im Vergleich zu allen anderen konventionell-thermischen Anlagen sind die Kohlendioxid- und Stickoxid-Emissionen bei der Befeuerung mit Erdgas am geringsten. Die Investitionskosten sind vergleichsweise tief, weil die Hauptkomponenten weitgehend standardisiert sind.

Die sehr leistungsstarke Gasturbine ermöglicht eine kompakte Bauweise des Kraftwerks, was die Bauzeit minimiert: Diese beträgt – je nach Grösse – im Schnitt nur etwa zweieinhalb Jahre.

Wenige aber gewichtige Nachteile

Trotz aller Vorteile gibt es aber auch nicht zu vernachlässigende Aspekte. So fallen bei der Verbrennung von fossilen Brennstoffen grosse Mengen CO2 an. Hinzu kommen Emissionen wie Schwefel-, Kohlen- und Stickoxyde. Zudem gilt Gas als relativ teurer Grundstoff für die Stromerzeugung.

Die bekannten Gasvorräte reichen nur noch für rund 60 bis 70 Jahre. Neue Vorkommen könnten jedoch die Verfügbarkeitsdauer ausdehnen.

Die Vorkommen sind auf wenige Länder konzentriert, dies schafft bei Bedürftigkeit Abhängigkeiten. Gerade unsichere Kantonisten wie Russland, Usbekistan oder Algerien könnten – wenn politisch gewollt – sehr schnell den Hahn zudrehen.

(sf/maiu;falt)