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International

Massenmörder Breivik ab heute vor dem Richter

Sonntag, 15. April 2012, 21:28 Uhr

Dass er 77 Menschen kaltblütig tötete, hat Anders Breivik bereits gestanden. Jetzt steht er vor Gericht. Dass er verurteilt wird, scheint klar – nicht aber, ob er ins Gefängnis oder in eine psychiatrische Anstalt muss.

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Der Breivik-Prozess fängt an («Tagesschau» vom 15. April 2012).

Fast neun Monate nach dem Massenmord mit 77 Toten in Oslo und auf der norwegischen Insel Utøya steht der geständige Attentäter Anders Behring Breivik vor Gericht. Der 33-Jährige muss sich von diesem Montag an wegen Terrorismus und vorsätzlichen Mordes verantworten.

Plattform für den Massenmörder

Laut Anklage beging er «ein sehr ernstes Verbrechen in einem noch nie dagewesenen Ausmass in der heutigen Zeit in unserem Land». Für die Norweger reisst der zehnwöchige Prozess in Oslo die Wunden aus dem vergangenen Sommer wieder auf. Viele befürchten, der rechtsradikale Islamhasser könnte mit seinen rassistischen Aussagen zum Mythos werden.

Denn Breivik darf fünf Tage lang selbst über seine Motive und Ideologie sprechen. Sein Verteidiger Geir Lippestad kündigte an, sein Mandant wolle die Taten nicht nur verteidigen, sondern bedauern, dass er nicht noch weiter ging.

Die Staatsanwälte Inga Bejer Engh und Svein Holden dagegen wollen versuchen, Breiviks Aussagen auf das absolut wichtigste zu begrenzen und so Hinterbliebene und Opfer zu schützen. Dennoch sind schockierende Aussagen zu erwarten.

Strafe ja, nur welche?

Der 33-Jährige hat die Verantwortung für die zwei Attentate am 22. Juli vergangenen Jahres bereits übernommen. Laut Anklage zündete er im Osloer Regierungsviertel eine aus Kunstdünger gebaute 950 Kilogramm schwere Autobombe. Acht Menschen starben, mehrere Hundert wurden verletzt.

Anschliessend soll er in einem Feriencamp auf der Insel Utøya gezielt 69 junge Sozialdemokraten getötet haben. Allein 52 von ihnen schoss er den Staatsanwälten zufolge in den Kopf.

Für seine Terrorakte könnte Breivik 21 Jahre lang ins Gefängnis kommen – oder, falls ihn das Gericht für geisteskrank erklärt, in die geschlossene Psychiatrie. Mehr als 50 Überlebende sollen gegen ihn aussagen. Die Verteidigung will Zeugen sowohl aus dem rechtsextremen wie dem islamistischen Milieu aufrufen.

Bild Breivik in Handschellen, er grinst.
Fast drei Millionen Euro kosten allein die Sicherheitsvorkehrungen während der Verhandlung gegen Breivik. keystone

Es wird erwartet, dass sich Breivik am ersten Prozesstag als «nicht schuldig» bekennt. Bereits in früheren Anhörungen hatte der 33-Jährige deutlich gemacht, dass er zwar die Verantwortung für die Attentate übernehme, sie aber nicht als Verbrechen verstehe.

Medien erwarten den grössten Prozess in der Geschichte Norwegens. In 17 Gerichtssäle im gesamten Land werden die Geschehnisse live übertragen – für die vielen Angehörigen und Hinterbliebenen, die im Osloer Gericht keinen Platz finden.

(dpa/gern)