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Jeder Sechste hat psychische Störungen

Donnerstag, 12. April 2012, 11:27 Uhr, Aktualisiert 13:28 Uhr

In der Schweiz leidet jeder oder jede Sechste unter einer psychischen Störung. Die Zahl bleibt konstant – psychische Krankheiten wie Depressionen sind entgegen der Volksmeinung nicht auf dem Vormarsch.

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Zufriedenheit allgemein nach Region in Prozent Beim regionalen Vergleich fällt auf, dass im Tessin 16,8% der Befragten angegeben haben, dass sie unzufrieden sind. Quelle: Fors, Schweizer Haushalt-Panel 2009

Gemäss dem dritten Monitoringbericht des Schweizerischen Gesundheitsobservatoriums (Obsan) ist es bei 17 Prozent der Bevölkerung wahrscheinlich, dass diese Menschen an einer psychischen Störung leiden. Dabei seien gut vier Prozent stark und weitere 13 Prozent mittel belastet.

Überdurchschnittlich viele Betroffene leben im Tessin und in der Region am Genfersee. In der Zentralschweiz dagegen leiden weniger Menschen an Depressionen oder an psychischen Belastungen als im Durchschnitt des Landes.

Wie Daniela Schuler vom Schweizerischen Gesundheitsobservatorium zu  «SF Online» sagte, liegt es daran, dass es in diesen Regionen mehr städtische Gebiete gibt. «In städtischen Gebieten ist der soziale Druck viel höher als auf dem Land», so Schuler.

Wie das Monitoring zeigt, sind die Leute in städtischen unzufriedener mit der allgemeinen Lebenssituation (siehe Grafik oben). In den Städten gibt es mehr Einzelhaushalte, Einzelelternhaushalte und unterprivilegierte Leute. «Die Leute sind einsamer», betont Schuler weiter. Ein weiterer Faktor ist die Arbeitssituation und die hohe Arbeitslosigkeit. Die Angst vor dem Arbeitsplatzverlust kann zu zusätzlichem Druck führen.

Frauen und Jüngere besonders anfällig

Unterschiede zeigen sich auch bei den Geschlechtern und bei der Altersstruktur: Frauen und Jüngere leiden öfter unter psychischen Störungen als Männer und Ältere. Bei Depressionen wiederum seien von schwachen Symptomen vor allem Frauen und ältere Menschen betroffen.

Bild Eine Frau sitzt zusammengekauert in einer Ecke
Frauen leiden häufiger an psychischen Störungen als Männer. colourbox/symbolbild

Bei mittleren und starken Depressionen konnten im Monitoring aber keine Unterschiede bei Alter und Geschlecht ausgemacht werden. Wie Schuler vom Schweizerischen Gesundheitsobservatorium, muss man bei diesen Zahlen bedenken, dass Frauen offener über Probleme sprechen als Männer.

Die Wenigsten lassen sich behandeln

Wie die Überwachung auch zeigt, lässt sich längst nicht jeder oder jede behandeln. Zwar habe die Zahl der Behandlungen binnen zehn Jahren um ein Prozent zugenommen – auf fünf Prozent 2007 von vier Prozent zehn Jahre zuvor.

Pflegetage pro 100 Einwohner/innenQuelle: BFS, Medizinische Statistik der Krankenhäuser 2009

 

450 und mehr

 

375-449

 

300-374

 

225-299

 

weniger als 225

2009 hätten die Schweizer Spitäler 78'000 stationäre Aufenthalte mit psychiatrischer Diagnosen erfasst. Das entspreche 12 Hospitalisierungen pro 1000 Einwohner. Männer werden in den Kliniken am häufigsten wegen Alkoholerkrankungen behandelt, Frauen wegen Depressionen.

Die Mehrheit ist voller Energie

Wie der Bericht weiter zeigt, fühlten sich die meisten aber wohl in ihrer Haut: Drei von vier Einwohnern und Einwohnerinnen fühlten sich «häufig oder sehr häufig voller Kraft, Energie und Optimismus», schreibt Obsan.

Der Monitoring-Bericht basiert gemäss Obsan grösstenteils auf bereits existierenden Datenbeständen, die meisten Daten stammten von der Schweizerischen Gesundheitsbefragung des Bundesamts für Statistik.

 

Studie zu Suiziden von Jugendlichen (10vor10, 08.02.12)

(sda/sf/buev/weis; horm)