Kultur
In Zürich geraubter Cézanne sichergestellt
Ein vor vier Jahren aus der Zürcher Bührle-Sammlung geraubtes Ölgemälde von Paul Cézanne ist in Serbien wieder aufgetaucht. Das Werk «Der Knabe mit der roten Weste» – es ist das wertvollste der vier Bilder – wurde sichergestellt.
Die Polizei habe das Werk des französischen Malers Cézanne (1839-1906) am Mittwochabend aufgespürt, berichten serbische Medien unter Berufung auf die lokale Staatsanwaltschaft. Die Aktion fand gleichzeitig in Belgrad und Cacak statt. Die Stadt Cacak befindet sich 140 Kilometer südwestlich der serbischen Hauptstadt.
Bei der Verhaftungsaktion waren auch Zürcher Polizisten und ein Staatsanwalt dabei, wie die Sprecherin der Zürcher Oberstaatsanwaltschaft, Corinne Bouvard, sagte. Die Ermittlungen von Kantons- und Stadtpolizei Zürich und der Staatsanwaltschaft II zusammen mit den serbischen Behörden hätten zu einer Spur nach Belgrad geführt.
Insgesamt wurden vier mutmassliche Täter festgenommen, nach Angaben des serbischen innenministers Ivica Dacic allesamt Serben. Mindestens einer von ihnen soll am Überfall in Zürich direkt beteiligt gewesen sein, die übrigen drei an der Organisation der Tat.
Gemälde ist echt
Bei dem sichergestellten Kunstwerk handele es sich tatsächlich um das echte Gemälde von Cézanne, teilte die Oberstaatsanwaltschaft den Kantons Zürich später mit. Der Direktor der Bührle-Sammlung, Lukas Gloor, sei nach Belgrad gereist und habe dessen Echtheit bestätigt.
Jetzt können die Behörden in der Schweiz ein Rechtshilfegesuch stellen, um die Rückführung des Bildes zu beantragen, wie es beim Bundesamt für Justiz hiess. Der zuständige Zürcher Staatsanwalt könne das Ersuchen direkt an Serbien richten.
Dreiminütiger Überfall
Drei bewaffnete und maskierte Unbekannte hatten am Sonntagnachmittag, den 10. Februar 2008, die Sammlung E.G. Bührle in Zürich überfallen und vier Ölgemälde geraubt. Der Wert der Bilder belief sich auf insgesamt rund 180 Millionen Franken. Der Überfall wurde auch als Zürcher Jahrhundertkunstraub bezeichnet. Er dauerte gerade einmal drei Minuten.
Monet und van Gogh wieder aufgetaucht
Zwei der geraubten Werke waren rund eine Woche später in einem Fahrzeug auf einem Parkplatz der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich gefunden worden. Es handelte sich um einen Claude Monet «Mohnfeld bei Vétheuil» und einen Vincent van Gogh «Blühende Kastanienzweige» im Wert von insgesamt rund 70 Millionen Franken.
Später war der Fall, der europaweit für Aufsehen sorgte, dann auch Thema in der Fernsehsendung «Aktenzeichen XY...ungelöst». Rund ein Dutzend Hinweise gingen darauf bei der Polizei ein. Die beiden Gemälde von Cézanne und Edgar Degas blieben jedoch vorerst unauffindbar.
Das Bild von Cézanne wird auf 100 Millionen Franken geschätzt, der Degas «Graf Lepic und seine Töchter» ist 10 Millionen Franken wert. Dieses Bild bleibt weiterhin verschwunden.
(sda/coro;horm)






