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Vermischtes

Engadiner Bär scheint unproblematisch

Uwe Mai
Dienstag, 10. April 2012, 17:44 Uhr

Der am Ostersamstag im Unterengadin erstmals beobachtete Braunbär ist identifiziert: Es handelt sich definitiv um M13. Eine Verwandtschaft zur Problembärin Jurka ist damit ausgeschlossen. Unterdessen wurde der Bärenjunge erneut gesichtet. Diesmal in Tarasp bei Scuol (GR).

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Der Bündner Jagdinspektor Georg Brosi erhielt eine Bestätigung aus italien, dass es sich bei dem im Unterengadin gesichteten Bärenjungen um M13 handelt.

Abgemagert vom Winter

Jäger Daniel Stecher hatte ihn erneut gesehen. Am Montagabend war er bei Tarasp (GR) beim Wildbeobachten als der Bär plötzlich erschien. «Er war abgemagert vom Winter und schien gestresst zu sein.»

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Laut dem Jäger stand der Bär kurz auf der Strasse und flüchtete dann über die Böschung.

Am Dienstag traf er ihn unweit der Stelle noch einmal. «Es war schon eigenartig, aus so naher Entfernung einen Bär zu sehen», sagt Stecher gegenüber «Schweiz aktuell».

M13 ist kein Unbekannter. «Dieser Bär hat in der Vergangenheit wenig Scheu vor Menschen gezeigt», sagte Giorgio Carmignola vom Südtiroler Landesamt für Jagd und Fischerei zu «südtirol online». Im Unterschied zu anderen Artgenossen fliehe er nicht vor ihnen, sondern lasse es zu, dass sie sich im näherten, um ihn zu beobachten.

Via Schnalstal in die Schweiz

Wegen dieses Verhaltens war der Bär bereits im vergangenen Jahr im Oktober eingefangen und mit einem Sender sowie einer Ohrmarke ausgestattet worden. Den Sender hat M13 inzwischen wieder verloren. Dennoch lässt sich sein Wanderweg bisher gut nachvollziehen.

Demnach überwinterte M13 in einsamen Gebieten zwischen Südtirol und dem Trentino. Über Ulten und die Vinschger Talsohle, marschierte der Bär weiter über das Schnalstal und Schlanders. Wohin M13 als nächstes wandert, ist unklar.

Auch Hans Lozza vom Schweizerischen Nationalpark in Zernez will sich im Interview mit «SF-Online» zu keiner Aussage hinreissen lassen. «Bären denken ans Heute und nicht an das Morgen. Dabei gehen sie der Nase nach.» Die Hauptsache sei dabei gutes Fressen, so Lozza.

«Ein junger, unerfahrener Bär»

Eigentlich seien Jungbären wie M13 ziemlich arme Kerle meinte der Nationalpark-Hüter. Von der Mutter verstossen müssten sie sich nun einen neuen Lebensraum suchen und dabei hunderte von Kilometern zurücklegen.

Seinen Erkenntnissen nach habe M13 noch nie aggressives Verhalten gezeigt. «Das ist schlicht und einfach ein junger, unerfahrener Bär, der noch viel lernen muss.» Dass er wenig Scheu zeigt und Bienenstöcke plündert, sei zwar ärgerlich – letztlich aber völlig normal.

Dem stimmt auch der Bündner Jagdinspektor Georg Brosi zu und ergänzt: «Im Unterengadin liegt immer noch sehr viel Schnee. Deshalb muss sich der Bär in der Talsohle bewegen. Das ist schwierig für ihn, denn hier sind die Verlockungen für ihn viel grösser als in Höhenlagen oder Nebentälern.»

Erste Bär-Bilder von «SF Augenzeuge»

Der nun als M13 identifizierte Bär im Bündnerland wurde am Ostersamstag erstmals nahe Scuol gesichtet. Ein «SF Augenzeuge» machte SF erste eindrückliche Bilder des Tieres zugänglich.

Diese sehen Sie hier.

«Menschliche Nähe ist nicht gut»

Dass M13 zum Problem- oder gar Risikobären wird, glaubt Brosi aber dennoch nicht. Zum eine gebe es keinerlei Verwandtschaft zur Problembärin Jurka und zum anderen hält der Experte fest: «Es gibt ganz scheue Bären und dann wiederum gibt es andere, welche die Menschen zwar zur Kenntnis nehmen, aber sonst keinerlei Probleme bereiten.» Zu letzterer Sorte gehöre für ihn M 13. «Auch wenn man klar sagen muss, dass sich eine definitive Vorhersage zur Entwicklung des Bären heute nicht treffen lässt», so Brosi.

Man werde erst einmal alle Ereignisse protokollieren und nach Möglichkeit auch überprüfen. Dann könne man sich eventuell ein Bild machen, so der Bündner Jagdinspektor. So oder so: «Man muss ihm beibringen, dass menschliche Nähe nicht gut für ihn ist», wagt Hans Lozza vom Schweizerischen Nationalpark einen Blick in die Zukunft von M13.

Gummischrot als Ultima Ratio

Denn sollte er den Menschen und deren Siedlungen zu nahe kommen, müsste er mit Gummischrot-Geschossen «vergrämt» werden. Das wäre dann so etwas wie der warnende Zeigefinger: «Pass auf! Wenn du dich an diese oder jene Sachen ranmachst, dann gibt’s was auf den Hintern!», fasst Lozza die Intention der Wildhüter zusammen.

«Am besten aber wäre natürlich», sagt der Bündner Jagdinspektor Georg Brosi, «wenn ihn gar niemand mehr zu Gesicht bekäme. Allerdings wüssten wir selber dann auch nicht, wo er sich aufhält. Denn je heimlicher er lebt und umso weniger Schäden er anrichtet, umso schwieriger ist es, ihm auf die Spur zu kommen», fasst Brosi das eigene Dilemma zusammen.