Inhalt

Kultur

Günter Grass soll Nobelpreis behalten

Dienstag, 10. April 2012, 17:04 Uhr

Der Verband hebräischsprachiger Schriftsteller in Israel möchte Günter Grass wegen seines umstrittenen Gedichts «Was gesagt werden muss» den Nobelpreis aberkennen lassen. Die Schwedische Akademie sieht dazu keine Veranlassung.

Bild Portrait von Günter Grass.
Der Titan der deutschen Literatur, Günter Grass, ist in Israel nicht mehr erwünscht. keystone

Die Schwedische Akademie sieht keinen Anlass, Günter Grass nach der Diskussion um sein Israel-kritisches Gedicht den Literaturnobelpreis abzuerkennen. Das erklärte der Sekretär der Akademie, Peter Englund, am Dienstag. Grass habe den Preis ausschliesslich wegen seiner literarischen Verdienste erhalten, betonte Englund.

Der Verband hebräischsprachiger Schriftsteller in Israel rief unterdessen Autoren in aller Welt dazu auf, sich klar von Günter Grass zu distanzieren. Grass selbst wolle sich zu der Diskussion um ihn derzeit nicht äussern, teilte das Sekretariat des Nobelpreisträgers in Lübeck mit.

Einreisesperre in Israel

In dem Gedicht «Was gesagt werden muss» hatte Grass geschrieben, die Atommacht Israel bedrohe den Weltfrieden und könne das iranische Volk mit einem Erstschlag auslöschen.

Israels Innenminister Eli Jischai von der strengreligiösen Schas-Partei hatte im israelischen Rundfunk daraufhin gesagt, man müsse dem 84-jährigen Grass eigentlich den Literaturnobelpreis aberkennen. Jischai hat gegen Grass ein Einreiseverbot nach Israel verhängt und erklärte Grass zur Persona non grata.

Grass spricht mit «doppelter Zunge»

Der Verband hebräischsprachiger Schriftsteller in Israel forderte überdies eine Stellungnahme der internationalen Schriftstellervereinigung PEN sowie des Nobelpreiskomitees. «Sie müssen sich von der Verletzung grundlegender menschlicher Werte distanzieren und klar Position beziehen», sagte der Vorsitzende des Verbands, Herzl Chakak.

Grass habe sich erst vor einigen Jahren zu seiner Mitgliedschaft in der SS bekannt, sagte Chakak. «Wir hatten gehofft, dass er damit auf den rechten Weg zurückgekehrt ist und dass sein Alter schöner als seine Jugend sein wird.»

Mit seinen Äusserungen gegen Israel habe Grass jedoch «Doppelzüngigkeit» bewiesen. Grass legitimiere so ein «düsteres Regime, das gegen das jüdische Volk ist, das unter Verfolgung und Holocaust gelitten hat».

(dpa/from; schubeca)