Kultur
Grass: Würde Israel-Gedicht jetzt anders schreiben
Nach massiver Kritik hat Literaturnobelpreisträger Günter Grass Formulierungen in seinem Israel-Gedicht relativiert. In den Chor der Kritiker stimmt Schriftsteller-Kollege Rolf Hochhuth ein. Rückendeckung bekommt Grass indessen von Jakob Augstein, Verleger der Wochenzeitung «Freitag»
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«Ja, ich würde den pauschalen Begriff 'Israel' vermeiden», antwortete Grass in einem Interview auf die Frage, ob er den Text inzwischen anders schreiben würde.
Zudem würde er nun deutlicher machen, dass er sich in erster Linie gegen die derzeitige israelische Regierung von Benjamin Netanjahu wende, sagte er der «Süddeutschen Zeitung» weiter. «Die kritisiere ich: Eine Politik, die gegen jede UNO-Resolution den Siedlungsbau fortsetzt. Ich kritisiere eine Politik, die Israel mehr und mehr Feinde schafft und das Land mehr und mehr isoliert.»
Netanjahu im Fokus
Netanjahu sei nach seiner Einschätzung der Mann, der Israel zurzeit am meisten schade, «und das hätte ich in das Gedicht noch hineinbringen sollen», sagte der 84Jährige.
Netanjahu gehört zu den schärfsten Kritikern des Textes, in dem Grass Israel wegen eines drohenden Militärschlags gegen den Iran eine Gefahr für den Weltfrieden nennt. Der Ministerpräsident warf Grass vor, die Verhältnisse zu verdrehen. Nicht der jüdische Staat, sondern der Iran bedrohe mit seinem Atomprogramm den Weltfrieden, sagte Netanjahu.
Jakob Augstein unterstützt Grass
Jakob Augstein, Verleger der Wochenzeitung «Freitag» ist der Auffassung, dass Günter Grass mit seinem Gedicht «Was gesagt werden muss» richtig liege.
Der Text wäre zwar weder ein «grosses Gedicht» noch eine «brillante politische Analyse», doch die knappen Zeilen würden einmal zu den «wirkmächtigsten Worten» des Literaturnobelpreisträgers zählen, wie Augstein in einem Debattenbeitrag für spiegel online schreibt. Und das liege «an diesem einen Satz, hinter den wir künftig nicht mehr zurückkommen: Die Atommacht Israel gefährdet den ohnehin brüchigen Weltfrieden.»
Das Gedicht von Günther Grass im Wortlaut lesen Sie hier
Kritik an Grass vom Dichter-Kollegen Hochhuth
Auch der Schriftsteller Rolf Hochhuth hat das umstrittene Grass-Gedicht kritisiert. In einem offenen Brief mit der Überschrift «Grass ordnet an, Israel dürfe kein U-Boot kaufen!» schreibt der Dramatiker im «Münchner Merkur»: «Auch ich (.) schäme mich als Deutscher Deiner anmassenden Albernheit, den Israelis verbieten zu wollen, ein U-Boot deutscher Produktion zu kaufen, das möglicherweise allein ihrem kleinen Staat die letzte Sicherheit geben kann, von einer engst benachbarten Atommacht buchstäblich über Nacht nicht ausgerottet zu werden!»
Seit Hitler habe kein anderer Staat als der Iran dem jüdischen Volk mit Ausrottung gedroht, schrieb Hochhuth («Der Stellvertreter») laut Vorabbericht.
(agenturen/sf/halp;weis)







