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International

Streik: In Deutschland fallen hunderte Flüge aus

Dienstag, 27. März 2012, 2:25 Uhr, Aktualisiert 13:28 Uhr

In Deutschland haben Warnstreiks im öffentlichen Dienst an mehreren Flughäfen den Verkehr lahmgelegt. Bereits am frühen Morgen hatte die Lufthansa über 450 Flugstreichungen bekannt gegeben. Auch die Schweiz war von Flugausfällen betroffen.

Bild Ein Flughafenmitarbeiter mit einem Protestplakat vor einer Reihe Gepäckwagen.
Die Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes fordern mindestens 200 Euro mehr Lohn. reuters

Am frühen Dienstagmorgen hatte die Lufthansa im Internet bereits 450 gestrichene In- und Auslandsflüge veröffentlicht. Weitere Ausfälle seien nicht ausgeschlossen, hiess es.  Am grössten deutschen Flughafen in Frankfurt gingen die Mitarbeiter der Bodenverkehrsdienste am frühen Morgen in den Ausstand. Er sollte bis zum Nachmittag dauern.

In Düsseldorf waren wegen des Streiks zunächst 25 Flüge gestrichen worden, in Stuttgart fielen bis zum Nachmittag zehn Inlandsflüge aus.Auch an den Flughäfen Köln/Bonn, Bremen und Hannover wurde die Arbeit niedergelegt. Zudem gab es Warnstreiks in Rheinland-Pfalz, Hamburg und im Saarland, etwa im Nahverkehr oder bei Müllabfuhren.

Schweiz betroffen

An den Berliner Flughäfen Tegel und Schönefeld traten ausserdem rund 1500 Beschäftigte des Bodendienstleisters Globeground in den Warnstreik.

Die Streiks haben auch Auswirkungen auf die Schweiz. Am Flughafen Zürich fielen am Vormittag insgesamt 22 Flüge aus. Am stärksten betroffen war die Verbindung nach Frankfurt (14 Ausfälle). In Genf fielen zehn Flüge von und nach Frankfurt aus, in Basel waren es vier.

Mit dem Streik erhöhten die Beschäftigten vor der entscheidenden dritten Verhandlungsrunde noch einmal den Druck. In Frankfurt am Main, Düsseldorf, Stuttgart und weiteren Städten legten Flughafenmitarbeiter, darunter Kontrolleure, Bodenverkehrsdienste und Feuerwehrleute, die Arbeit nieder.

Streiks an allen grossen Flughäfen

Auf dem Flughafen Frankfurt soll nach Lufthansa -Angaben von 5.00 Uhr bis 14.30 Uhr gestreikt werden. Darüber hinaus sollten die Flughäfen München (6.00 - 14.00 Uhr), Düsseldorf (8.00 - 14.00 Uhr), Köln (4.00 - 12.00 Uhr) und Stuttgart (6.00 - 11.00 Uhr) betroffen sein.

Die Bodenabfertigung ist unter anderem dafür zuständig, dass Flugzeuge be- und entladen werden. Verdi bestätigte die Streiks, wies aber darauf hin, dass sich die Zeiten noch ändern könnten. Der Gewerkschaft zufolge sind auch in der Frühschicht auf kleineren Airports – etwa in Dortmund, Hannover und Bremen – Arbeitsniederlegungen geplant.

Mindestens 200 Euro mehr Lohn

Die Gewerkschaft Verdi hatte Beschäftigte von Gepäckabfertigung, Bodenverkehrsdiensten, Technik, Sicherheit und Verwaltung an Flughäfen in ganz Deutschland zu Arbeitsniederlegungen aufgerufen.

Die Gewerkschaften fordern für die deutschlandweit rund zwei Millionen Beschäftigten im öffentlichen Dienst der Kommunen und des Bundes 6,5 Prozent mehr Geld, mindestens aber 200 Euro. Die Arbeitgeber bieten 3,3 Prozent mehr Gehalt auf zwei Jahre.

Bild Ein Mensch telefoniert mit Handy
Bild mit Symbolcharakter? Telefonische Terminabsagen noch am Airport könnten in Deutschland heute zum Alltagsbild gehören. reuters/archiv

Chaos erwartet

Deutschlands grösste Airline Lufthansa wickelt üblicherweise am Tag im Schnitt 1850 Flüge ab. Bei Air Berlin sei vorgesehen, acht von mehreren Hundert Flügen zu annullieren, sagte eine Sprecherin.

Am Frankfurter Flughafen droht nun erneut ein Verkehrschaos. «Es wird voraussichtlich erhebliche Auswirkungen auf den Flugverkehr geben», sagte ein Sprecher der Betreiber-Gesellschaft Fraport. Für Deutschlands grössten Airport ist es nicht der erste Streik in diesem Jahr. Die Vorfeld-Angestellten am Frankfurter Airport hatten im Februar mit Unterbrechungen zwei Wochen lang die Arbeit ruhen lassen – insgesamt fielen rund 1800 Flüge aus.

Fluginformationen von Airports und Airlines

Umfangreiche Angaben für Reisende u.a. über gestrichene Flüge gibt die Lufthansa auf ihrer ständig aktualisierten Fluginformations-Seite. Individuelle Anfragen zu möglichen Behinderungen oder Ausfällen beantworten Swiss und Air Berlin auf entsprechenden Auskunftsseiten.

Der Frankfurter Flughafen hat eine Informationsseite über annullierte Flüge und verspätete Flüge eingerichtet und listet telefonische Auskunftsmöglichkeiten auf. Auch die Flughäfen Zürich, Basel und Genf informieren via Internet.

34'000 Streikende waren es am Montag

Auf mehreren Airports dürfte damit der Flugverkehr von morgens an bis in den Nachmittag hinein aus dem Takt geraten. Schwerpunkte der Verdi-Warnstreiks etwa im Nahverkehr, bei der Müllabfuhr, in Verwaltungen oder in Kitas waren am Montag Baden-Württemberg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg. Dort legten nach Verdi-Angaben rund 34'000 Beschäftigte vorübergehend die Arbeit nieder.

Verdi-Chef Bsirske schliesst für Anfang Mai gemeinsame Aktionen mit der IG Metall nicht aus. So könne es nach Ablauf der Friedenspflicht in der Metall- und Elektroindustrie am 28. April zu Kundgebungen und Demonstrationen kommen. «Damit offenbart sich, dass sich die Bundesrepublik Deutschland in einem harten Verteilungskampf befindet», sagte Bsirske. Die IG Metall fordert für die rund 3,6 Millionen Beschäftigten ebenfalls 6,5 Prozent mehr Lohn.

Unbefristeten Arbeitskampf angedroht

Kurz vor der entscheidenden Tarifrunde drohte Verdi-Chef Frank Bsirske eine härtere Gangart an. «Die Chancen stehen 50 zu 50 für einen unbefristeten Streik», sagte Bsirske in Stuttgart. Sollten die Verhandlungen am Mittwoch und Donnerstag in Potsdam scheitern, würden die Arbeitgeber die Schlichtung anrufen. Sollte deren Lösungsvorschlag Mitte April von einer der beiden Tarifparteien nicht angenommen werden, sei mit der Urabstimmung in der zweiten Aprilhälfte zu rechnen, sagte Bsirske. Ende April könne es dann zu einem unbefristeten Streik kommen.

(agenturen/sf/halp/fref)