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International

Todesschuss auf schwarzen Teenager: Neue US-Proteste

Sonntag, 25. März 2012, 3:17 Uhr

Die Protestwelle ebbt nicht ab: Nach dem tödlichen Schuss auf einen unbewaffneten schwarzen Teenager im US-Staat Florida haben erneut tausende Amerikaner für Gerechtigkeit und gegen Rassismus demonstriert. Neuere Statistiken nähren den Verdacht eines anhaltenden Rassismus im Land.

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Bei den Protestaktionen unter anderem in Washington, New York, Chicago und Tampa waren viele Teilnehmer mit schwarzen Kapuzen-Sweatshirts bekleidet – ähnlich jenem, das der 17-jährige Trayvon Martin am Tag seines Todes getragen hatte.

Kriminalfall wühlt USA auf (Tagesschau, 23.03.2012)

Rassistisches Schimpfwort

Trayvon war am 26. Februar in Sanford, einem Vorort von Orlando, während eines Abendspaziergangs getötet worden.

Der 28-jährige Schütze George Zimmerman, ein Weisser, der in dem Wohngebiet freiwillig Sicherheitspatrouillen durchführte und somit bewaffnet war, gab an, dass er aus Notwehr gehandelt habe. Er soll den Jungen in einem Anruf bei der Polizei kurz vor der Tat mit einem rassistischen Schimpfwort bedacht haben.

Comeback des Rassismus in den USA

Sieht man sich einige Statistiken an, ist die Gefahr, an den Rand der Gesellschaft gedrängt zu werden, für Afro-Amerikaner noch immer grösser als für Weisse: 2009 war die Zahl schwarzer Männer, die im Gefängnis sassen, sechs mal höher als die der Weissen; bei den Frauen war sie 3,6 Mal so hoch. Von den 46,2 Millionen Amerikanern, die 2010 in Armut lebten, waren 27,4 Prozent Schwarze – jedoch nur 9,9 Prozent Weisse.

Gerade die Afro-Amerikaner verloren in der Wirtschaftskrise gut bezahlte Jobs in der Industrie, zum Beispiel in Detroit, die ihnen ein gutes Auskommen ermöglicht hatten. Unter den Nicht-Weissen waren es deshalb sie, die 2010 die höchsten Einkommenseinbussen hinnehmen mussten.

Entscheid der Anklagekammer am 10. April

Seit der Fall von Trayvon Martin vor kurzem US-weit bekannt wurde, reissen die Proteste nicht ab, weil die Behörden zunächst nicht gegen Zimmerman vorgingen. Sie machten geltend, dass erste Untersuchungen nicht genügend Beweise für ein kriminelles Verhalten erbracht hätten. Nun wird sich aber am 10. April eine Grand Jury (Anklagekammer) mit dem Fall beschäftigen und darüber entscheiden, ob Anklage wegen Mordes erhoben werden soll.

Bild Protestierende mit Transparenten
«Gerechtigkeit für Trayvon» forderten Demonstranten in Washington auf Transparenten. keystone

Allein in Washington forderten am Samstag 2000 Demonstranten «Gerechtigkeit für Trayvon». Sie prangerten an, dass es weiterhin Rassismus in den USA gebe - trotz der Tatsache, dass die USA mit Barack Obama von einem schwarzen Präsidenten gelenkt würden. «Man kann in diesem Land immer noch ermordet werden, weil man schwarz ist», sagte Demonstrant Bless Davis.

Auch US-Präsident Barack Obama hatte eine lückenlose Aufklärung des Todes des afroamerikanischen Teenagers gefordert.

«Kopfgeld» auf Schützen ausgesetzt

Eine schwarze Separatisten-Gruppe, die New Black Panther Party, setzte ein «Kopfgeld» in Höhe von 10 000 Dollar für die «Gefangennahme» Zimmermans aus.

In Florida wurde nach Medienberichten ein 68-Jähriger festgenommen, der den inzwischen aus dem Amt geschiedenen Polizeichef von Sanford mit dem Tod bedroht hatte.

Antirassismus-Konferenz der UNO (Tagesschau, 21.04.2009)

(agenturen/sf/halp)