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Schweiz

Aufstieg und Fall des Erb-Imperiums

Donnerstag, 22. März 2012, 16:19 Uhr

Das Urteil gegen Rolf Erb ist das vorläufig letzte Kapitel einer der spektakulärsten Pleiten der Schweizer Unternehmensgeschichte. Hier eine Chronik des fulminanten Aufstiegs und jähen Zusammenbruchs des Erb-Familienimperiums.

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1920: Der Mechaniker Hugo Erb senior (1894-1953) gründet in Winterthur-Töss eine Reparaturwerkstätte für Autos. Er baut diese zu einer florierenden Garage aus.

1953: Nach dem Tod von Erb senior übernimmt sein Sohn Hugo Erb junior (1918-2003), ausgebildeter Mechaniker und Kaufmann, den Betrieb.

1950er-/60er-Jahre: Erb junior setzt auf Autohandel (Ford, Mercedes) und baut ein schweizerisches Garagennetz auf. 1955 Gründung einer eigenen Leasing-Firma.

1970er-/80er-Jahre: Erb übernimmt die Generalvertretung für Mitsubishi, Skoda, Suzuki, Isuzu, Hyundai und von MAN-Lastwagen.

1988: Eröffnung eines Autozentrums in Härkingen (SO).

1980er-Jahre: Erb diversifiziert sein Unternehmen. Er übernimmt die Bruno Piatti AG (Küchen und Fenster), die Kaffeehandelsfirma Volcafe, die EgoKiefer AG (Fenster und Türen), das Zentrum Töss in Winterthur und das Finanzinstitut EBC Amro Asset Management Ltd., London. Die erworbenen Firmen werden in der Erb-Gruppe mit vier Holdings zusammengefasst. Die Söhne Christian und Rolf übernehmen einzelne Sparten und werden CEO und Co-CEO.

1990: Die Familie Erb kauft Schloss Eugensberg in Salenstein (TG).

1994: Christian Erb erleidet einen Autounfall und ist seither querschnittgelähmt.

2002: Das Erb-Imperium umfasst 80 Firmen weltweit mit fast 5000 Mitarbeitern, davon 2500 in der Schweiz, und macht einen Umsatz von 4,5 Milliarden Franken. Allerdings beschert die Beteiligung an der Kölner Immobilienholding Concordia Bau und Boden AG der Erb-Gruppe einen wachsenden Schuldenberg.

8. Juli 2003: Tod von Hugo Erb. Es gibt keine klare Nachfolgeregelung.

Okt. 2003: Die Erb-Erben holen den Firmensanierer Hans Ziegler an Bord.

5. Dez. 2003: Ziegler muss den Zusammenbruch der Erb-Gruppe bekannt geben. Diese hat Schulden von rund 2 Milliarden Franken bei rund 80 Banken. Es ist nach dem Swissair-Konkurs die zweitgrösste Firmenpleite in der Schweizer Geschichte. Die noch gesunden Teile der Erb-Gruppe werden verkauft.

7. Juli 2004: Rolf Erb meldet Privatkonkurs an.

Oktober 2004: Letzte Gläubiger-Versammlung der Unifina Holdung, der letzten Holding der Erb-Gruppe.

10. März 2005: Die Wirtschaftszeitung «Cash» veröffentlicht ein Gutachten des Erb-Sanierers Ziegler, wonach in der Erb-Gruppe die Bilanzen seit den 90er-Jahren systematisch verfälscht wurden.

21. April 2006: Laut dem Liquidator hinterlässt der Erb-Zusammenbruch allein in der Unifina Holding ein Loch von über 3 Milliarden Franken.

30. Aug. 2006: Rolf Erb räumt gegenüber dem «Landboten» erstmals eine Mitschuld am Zusammenbruch des Erb-Imperiums ein. Gleichzeitig kritisiert er die Arbeit der Sachwalter.

16. Dez. 2010: Die Zürcher Staatsanwaltschaft erhebt Anklage gegen Rolf Erb. Ihm werden gewerbsmässiger Betrug, Urkundenfälschung und Gläubigerschädigung vorgeworfen. Das Verfahren gegen Christian Erb wird eingestellt.

23. Januar 2012: Der Prozess gegen Rolf Erb beginnt vor dem Winterthurer Bezirksgericht.

22. März 2012: Rolf Erb wird vom Winterthurer Bezirksgericht zu acht Jahren Freiheitsstrafe unbedingt verurteilt – wegen gewerbsmässigen Betrugs, mehrfacher Urkundenfälschung und mehrfacher Gläubigerschädigung.

sf

Der Zusammenbruch

Rolf Erb sprach nach acht Jahren des Schweigens über den Zusammenbruch des Erb-Imperiums. In der Sendung «DOK» gewährte er Mitte Januar einen Einblick in die faszinierende Schlossanlage über dem Bodensee.

(sda/godc)