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International

Tödlicher «Cocktail» in Afrikas Sahel-Region

Franziska Engelhardt
Samstag, 17. März 2012, 23:33 Uhr

Zehntausende Menschen flüchten vor den Kämpfen der Tuareg-Rebellen aus Mali in die Nachbarländer. Dort verschärft sich die Situation zusätzlich wegen einer Dürre und Essensknappheit. «Wie sollen wir ihnen zu essen geben, wenn wir selber nichts haben?»

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In einem 1600-Seelen-Dorf in Niger, an der Grenze zu Mali, beobachtet der Dorf-Chef mit Sorge die wachsende Zeltstadt. Zelte aus Kleidungsstücken und Zweigen.

Er tue alles, was er könne, um den Menschen aus dem Nachbarland zu helfen. «Aber diese 13‘000 Flüchtlinge fressen uns regelrecht die Haare vom Kopf», sagt Abdoulaye Mahamadou.

Die Malier im Norden des Landes flüchten vor Kämpfen zwischen den malischen Armee und Tuareg-Rebellen. Laut dem Internationalen Komitee vom Roten Kreuz haben seit dem wieder Aufflammen der Gefechte von Anfang Jahr 72‘000 Menschen Zuflucht in den Nachbarländer gesucht – in Burkina Faso oder Mauretanien und besonders viele in Niger. Zusätzlich erklärte der algerische Innenminister, dass 30‘000 Malier in sein Land geflüchtet seien.

Blutiger Kampf um Städte

Die Rebellenorganisation, Mouvement national de libération de l'Azawad (MNLA), kämpft für einen unabhängigen Tuareg-Staat im Norden des Landes, welcher vom Nomadenvolk bewohnt wird.

Erst vor einer Woche haben die Tuareg-Rebellen an der Grenze zu Algerien einen Militärstützpunkt unter ihre Kontrolle gebracht. Dabei nahmen die Rebellen nach eigenen Angaben Dutzende Soldaten in Gefangenschaft.

Besonders umkämpft sind auch Städte. Von der MNLA eingenommene Ortschaften werden in langen Gefechten von den Regierungstruppen zurückerobert. Dabei nehmen beide Seiten auch zivile Opfer in Kauf. Im Februar waren bei einem Luftangriff der Armee auf ein Tuareg-Lager fast ein Dutzend Menschen verletzt worden, darunter die meisten Frauen und Kinder. Mehr dazu.

Ehemalige Gaddafi-Kämpfer

Die malische Regierung vermutet, dass die Rebellen Verstärkung von schwer bewaffneten Kämpfern aus Libyen erhalten – zurückgekehrte Rebellen, die für den getöteten Machthaber Gaddafi gekämpft hatten. Ausserdem spricht die Regierung von einer Zusammenarbeit zwischen der Tuareg-Rebellengruppe Mouvement national de libération de l'Azawad mit der Al-Kaida im islamischen Maghreb.

In den Nachbarländern können die Flüchtlinge kaum mit dem Nötigsten versorgt werden. Wegen ausbleibendem Regen und Schädlingsattacken wurde die Hirseernte zerstört. Nach Schätzungen der UNO sind 16 Millionen Menschen in der Sahelzone von der Dürre bedroht. Beispielhaft dafür ist die Situation im Dörfchen in Niger an der Grenze zu Mali.

«Alleine heute haben 200 hungrige Leute in meinem Dorf um eine Essensspende gebeten. Aber die Dorfbewohner haben doch selber nichts mehr zu essen», sagte Dorf-Chef Abdoulaye Mahamadou zu Reportern.

Kein Geld von Gastarbeitern

Verschärft wird die Hungerkrise durch die Rückkehr von hundertausenden Nigrinern und Flüchtlingen aus andern Ländern, die aufgrund der Konflikte in Libyen, der Elfenbeinküste, Nigeria und Mali nach Niger strömen.

Ohne Geld und Arbeit landen diese Menschen in den bereits von der Dürre geplagten Dörfern, und anstatt dass sie als Gastarbeiter Geld schicken können gilt es plötzlich, mit weniger Geld mehr Menschen zu ernähren.

Verschiedene Schweizer Hilfswerke haben ihre Not- und Überlebenshilfe in den Sahelländern Mali und Tschad erhöht. Die Nothilfe wird ebenfalls von der Humanitären Hilfe des Bundes (Deza) unterstützt.