Wirtschaft
Bruttoinlandprodukt noch leicht im Plus
Das Bruttoinlandprodukt (BIP) der Schweiz hat im vierten Quartal 2011 gegenüber dem Vorquartal um 0,1 Prozent zugenommen. Positive Impulse sind unter anderem von den Dienstleistungsbranchen und dem privaten Konsum ausgegangen.
Der private Konsum nahm gegenüber dem Vorquartal saisonbereinigt um 0,4 Prozent zu, wie das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) mitteilte. Auch die Ausrüstungs- und die Bauinvestitionen legten um 2,9 respektive 1,9 Prozent zu.
Insbesondere die Investitionen im Bereich Radio-, Fernseh- und Nachrichtentechnik hätten sich dynamisch entwickelt, so das Seco.
SGB-Chefökonom: «Dringend Kaufkraft stärken»
Der private Konsum gilt als wesentlicher Faktor für das vergleichsweise gute BIP-Resultat der Schweiz. Trotzdem tun sich viele Arbeitgeber schwer damit, ihren Arbeitnehmern zumindest den Teuerungsausgleich auszuzahlen. Darüber sprach «SF-Online» mit dem Chefökonom des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes (SGB), Daniel Lampart.
Wie bewerten Sie die Bedeutung des Privatkonsums für das BIP?
Mit dem überbewerteten Franken haben wir ein Problem – vor allem im Export, in der Industrie und der Hotellerie.
Der Konsum steigt praktisch nur noch wegen dem Bevölkerungswachstum. Deshalb ist die Gefahr gross, dass es der Wirtschaft schlechter geht und die Arbeitslosigkeit steigt, wenn wir nicht endlich die Kaufkraft stärken.
Was fordern Sie konkret?
Wo Geld verdient wird, muss es an den Arbeitnehmer weitergegeben werden. Beispielsweise in der Bau- und Uhrenbranche sollten die Löhne erhöht werden. Gerade in der Bauindustrie wird immer gejammert, dass das Geschäft schlecht laufe, obwohl die Leute Überstunden machen. Hier sollten die Einnahmen endlich an die Arbeitnehmer weitergereicht werden.
Zudem sollen diejenigen entlastet werden, die den Franken zweimal umdrehen müssen. Hier muss die Politik mithelfen, indem sie Steuersenkungen für Reiche stoppt und beispielsweise die Krankenkassenprämien für die sozial Schwächeren senkt.
Die Warenexporte ihrerseits seien im vierten Quartal um 2,8 Prozent gestiegen. Dabei hätten sich allen voran die Exporte von Chemikalien und verwandten Erzeugnissen, jedoch auch die Ausfuhren von Präzisionsinstrumenten, Uhren und Schmuck positiv entwickelt. Die Warenimporte dagegen nahmen gemäss Seco um 0,4 Prozent ab.
Verglichen mit dem vierten Quartal 2010 resultierte ein BIP-Wachstum von 1,3 Prozent. Bereits im dritten Quartal 2011 ist die Schweizer Wirtschaft im Vergleich zum Vorjahr um 1,3 Prozent gewachsen.
BIP anderer Länder geschrumpft
In vielen anderen Ländern Europas ist das Bruttoinlandprodukt (BIP) nämlich geschrumpft.
Sogar Deutschland, das in Europa als Wachstumsgarant gilt, musste bei seiner Wirtschaftsleistung im vierten Quartal einen Rückgang von 0,2 Prozent hinnehmen. In den von der Euro-Schuldenkrise am heftigsten geplagten südeuropäischen Ländern verringerte sich das BIP im gleichen Zeitraum noch stärker: in Spanien um 0,3 Prozent, in Italien um 0,7 Prozent und in Portugal um 1,3 Prozent. In der gesamten Euro-Zone sank das BIP im vierten Quartal um 0,3 Prozent.
Dass sich die Schweiz im Plus halten konnte, erklärt Eric Scheidegger vom Seco mit dem nach wie vor starken privaten Konsum sowie der anhaltend guten Beschäftigungslage. Die Kaufkraft der Konsumenten sei weiterhin hoch, vor allem da sich die Reallöhne gut entwickelt hätten, erklärte der Leiter der Seco-Direktion Wirtschaftspolitik.
Laut Bundesamt für Statistik haben stiegen die Reallöhne 2010 um 0,1 Prozent an gegenüber dem Vorjahr, während die Konsumausgaben von privaten Haushalten um 1,7 Prozent zunahmen. Für 2011 sind noch keine Lohnzahlen verfügbar.
(sda/gern/buev)



