Krise im Euro-Land
Weltfinanzen im Feuer: Billionen-«Brandmauer» nötig?
Streit über die nachhaltige Bewältigung der Finanzkrise ist beim Treffen der Finanzminister und Notenbankchefs der G20-Staaten offen ausgebrochen. Während Deutschland vor noch höheren Staatsschulden warnt, fordern die USA mehr Geld für den IWF. Die OECD redet sogar von 1,5 Billionen Dollar.
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Deutschlands Finanzminister Wolfgang Schäuble hält in den europäischen Problemländern eine energische Haushaltskonsolidierung gepaart mit Strukturreformen für den einzig richtigen Weg aus der Krise.
Gegen kurzfristige Programme
Wenn die Euroländer langfristig wachsen und wieder Vertrauen an den Märkten zurückgewinnen wollen, gebe es nur diesen Weg, sagte Schäuble vor einem Industriellenverband in Mexiko-Stadt am Rande des G20-Treffens der Finanzminister und Notenbankchefs.
Mit kurzfristigen Programmen dagegen Wachstum und Konsum anzureizen, führe nur in noch mehr Verschuldung und löse die Krise nicht.
Drucken von Geld keine Lösung
Auf die rhetorische Frage, ob man die Krise mit dem Drucken von Geld durch die Notenbanken lösen sollte oder durch immer neue Aufstockungen der «Brandmauern», erklärte Schäuble: «Die Antwort ist ein entschiedenes Nein». Ein solcher Kurs würde am Ende nur schaden.
Der Minister äusserte sich besorgt, dass man sich in den letzten 18 Monaten in Europa fast nur noch auf kurzfristiges Krisenmanagement konzentriert habe. Damit habe man die grundlegenden Fragen von Stabilität, Nachhaltigkeit und Regulierung etwas aus den Augen verloren.
UNO-Chefökonom: Kritik an Athen-Hilfe
Das Hilfspaket für Griechenland wird von Politikern als beispiellose Rettungsaktion gefeiert. Doch es hagelt auch harsche Kritik. Schon das erste Hilfsprogramm sei schief gelaufen, sagt Wirtschaftswissenschaftler Heiner Flassbeck im Interview. Er spricht von Milchmädchenrechnung und falschen Therapie gegen die Krise.
IWF-Chefin Lagarde hatte zuvor davon gesprochen, dass auf der finanzpolitischen Krisen-Zeitschiene «2012 ein Jahr der Heilung werden» müsse.
Europäer gutes Stück vorangekommen
Insgesamt sei die Weltwirtschaftspolitik an einer kritischen Weggabelung angekommen. Zu einer Politik der Reformen und der Defizitreduzierung gebe es keine Alternative. «Es gibt keine zwei Wege», sagte Schäuble. «Die Haushaltskonsolidierung ist in den Industrieländern zwingend notwendig», sagte er.
Man müsse sich ansonsten nun mehr um die mittel- und langfristigen Risiken kümmern. Immerhin seien die Europäer mit ihren jüngsten Beschlüssen ein gutes Stück vorangekommen auf dem langen Weg aus der Krise, so Schäuble weiter.
OECD-Bericht hat auch Schweiz im Auge
Die Krise als Katalysator für Reformen - so umschrieb OECD-Generalsekretär Angel Gurría in Mexiko die Erkenntnisse aus dem Wirtschaftsbericht «Going for Growth» seiner Organisation. Auch auf die Schweizer Entwicklung der letzten Jahre wird in dem Papier hingewiesen - und auf die weiter notwendigen Reformen.
USA: Höhere «Brandmauern» nötig
Zuvor hatte US-Finanzminister Timothy Geithner die Europäer, und damit vor allem die Deutschen, erneut aufgefordert, ihre Einzahlungen in den Internationalen Währungsfonds (IWF) aufzustocken.
Zwar hätten die Europäer einiges getan, um die Welt davon zu überzeugen, dass sie nicht zulassen würden, die Euro-Schuldenkrise zu einer finanziellen Katastrophe werden zu lassen. «Aber sie haben noch viel zu tun», sagte Geithner bei einer Veranstaltung des internationalen Bankenverbandes (IIF). Er sprach sich dabei abermals für «stärkere und überzeugendere Brandmauern» aus.
Zusätzliche 600 Mrd. Dollar
Im Zentrum der Diskussionen in Mexiko-Stadt stehen die Euro-Schuldenkrise und das weitere Vorgehen nach der Einigung über das zweite Rettungspaket für Griechenland. Umstritten ist vor allem, mit wessen Geld die Finanzmittel des Internationalen Währungsfonds (IWF) aufgestockt werden sollen, um gegen die aktuelle und künftige Krisen besser gewappnet zu sein.
G20-Länder wie die USA plädieren dafür, dass die Europäer am Zug seien und selbst noch mehr Geld in die Hand nehmen müssten. Deutschland lehnt eine Aufstockung des Euro-Rettungsschirms ESM über die 500 Milliarden Euro hinaus jedoch bisher ab. Dem IWF geht es um eine zusätzliche Summe von 600 Milliarden Dollar, von denen 200 Milliarden aus Europa kommen sollen. Derzeit befinden sich 386 Milliarden Dollar in der Kriegskasse.
Mehr Mittel für die gesamte Welt
Der Grossteil der Krisenhilfen und vorbeugenden Kreditlinien ist in Europa gebunden. Die höhere Schlagkraft des IWF durch mehr Mittel soll aber nicht nur Europa zu gute kommen, sondern der gesamten Welt, hiess es aus Konferenzkreisen.
Mexikos Finanzminister José Antonio Meade erklärte, es sei zu früh für eine Debatte über konkrete Zahlen. Allgemein wird in dieser Frage in Mexiko kein Durchbruch erwartet.
OECD: «Brandmauer» von 1,5 Billionen Dollar
Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hat vorgeschlagen, eine Brandmauer von 1,5 Billionen Dollar zu errichten, um gegen künftige Krisen gewappnet zu sein. Der OECD-Generalsekretär José Ángel Gurría, sagte bei einer Bankenkonferenz in Mexiko-Stadt: «Je grösser die 'Mutter aller Brandmauern' ist, um so weniger wahrscheinlich wird es sein, dass wir sie in Anspruch nehmen müssen.»
Gurría machte die Äusserungen am Rande des Treffens der G20-Finanzminister und Notenbankschefs, die bis zum Sonntag in Mexiko-Stadt nach Auswegen aus der Euro-Schuldenkrise suchen. Dabei streiten die Partner vor allem darüber, wer welchen Beitrag zur Stärkung des Internationalen Währungsfonds (IWF) leisten soll, in dessen Kasse sich derzeit 386 Milliarden Dollar befinden. Eine Lösung wird an diesem Wochenende nicht erwartet.
(agenturen/halp)
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W. Staub
)
(walter.staub1
Verfasst am: 26.2.2012 19:01
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H. Bernoulli, Zürich
)
(hbernoulli
Verfasst am: 26.2.2012 14:22
Der Motor erhält nur dann immer genügend
Öl nachgeschüttet, wenn versprochen wird, den... mehr
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A. Ganz, Möhlin
)
(AGA
Verfasst am: 26.2.2012 12:15
Geithnersche Empfehlungen
Das mit der Notenpresse funktioniert genau... mehr
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