Schweiz
«Club»: Kinder homosexueller Eltern sind juristisch schlechter gestellt
Bei immer mehr homosexuellen Paaren kommt der Kinderwunsch auf, den sie sich in der Schweiz legal nicht erfüllen können. Ein gleichgeschlechtliches Paar darf ein Kind nicht adoptieren. Die Samenspende darf auch nur an Ehepaare abgegeben werden. In der Zwischenzeit diskutiert die Politik bereits über eine Abänderung des Gesetzes über die eingetragene Partnerschaft, welches seit Januar 2007 in Kraft ist.
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Unter der Leitung von Mona Vetsch diskutierten:
Martina Scheibling von Känel, lesbische Mutter in eingetragener Partnerschaft
Martin della Valle, schwuler Vater mit adoptierter Tochter
Brigitte Häberli, gegen Adoptionsrecht homosexueller Eltern, Ständerätin (CVP/TG)
Claude Janiak, für Adoptionsrecht homosexueller Eltern, Ständerat (SP/BL)
Heinrich Nufer, Kinderpsychologe, Präsident Schweizerische Fachstelle für Adoption
Heiner Studer, Präsident EVP Schweiz
Martina Scheibling von Känel betonte zu Beginn der Sendung, dass die rechtliche Situation sehr unangenehm ist. Die Reaktionen auf ihre Schwangerschaft oder auf diejenige ihrer Partnerin seien aus ihrem Umfeld gar nicht unangenehm gewesen. Es ist die rechtliche Situation, die homosexuellen Paaren zu schaffen machen würde. «Vor dem Gesetz hat meine Tochter einfach eine Mutter – nicht mehr», sagte die lesbische Mutter. Testamentarische Anweisungen seien möglich, dies sei aber nicht das Gleiche, wie eine rechtliche Absicherung. Und diese Sicherheit habe das Bundesgericht ihr nicht gegeben.
Brigitte Häberli hielt dagegen und brachte die Rolle des Vaters ins Spiel. Irgendwo gebe es doch auch einen Vater, einen Mann. Die Situation sei sehr speziell und von dem her sei es ein Teil, den man tragen muss, wenn man diese Form des Zusammenlebens gewählt habe. «Wenn man nach dem normalen Familienmodell lebt, dann stellen sich diese Fragen nicht», sagte die CVP-Ständerätin. Das Bundesgericht habe sich somit auf die heutigen Gesetze gestützt.
Scheibling von Känel meinte aber, dass es vor allem gegenüber den Kindern nicht gerecht sei, weil diese ja ungewollt in dieser Situation seien. Das Gesetz müsse angepasst werden. Hier pflichtet ihr Ständerat Claude Janiak bei. Es sei schon im Abstimmungskampf zum Gesetz über die eingetragene Partnerschaft klar gewesen, dass die Frage der Adoption noch einmal komme. «Wir können uns nicht vor den gesellschaftlichen Realitäten verschliessen», betonte der in einer eingetragenen Partnerschaft lebende Politiker. Es gebe Kinder, die in solchen Situationen leben. Und nun müsse man sich fragen: Was stört? Die Antwort darauf: Kinder, die juristisch schlechter gestellt seien, als andere Kinder.
Heinrich Nufer bemerkte in diesem Zusammenhang, dass das Partnerschaftsgesetz weder Fisch noch Vogel ist. Man habe zu etwas Ja gesagt, aber sofort einen Pferdefuss eingebaut. Man müsse sehen, dass es verschiedene Familienformen gebe. «Eine Familie ist nicht nur Vater und Mutter, sondern es ist eine Lebensgemeinschaft, die sich verpflichtet hat, ein Kind grosszuziehen», sagte der Kinderpsychologe weiter.
In der Diskussion um eine allfällige Gesetzesrevision des Partnerschaftsgesetzes findet es Heiner Studer gerade richtig, dass man das Adoptionsrecht bewusst nicht einbezogen habe. Jetzt versuche man ein demokratisches Recht, welches bewusst geschaffen wurde, wieder auszuhebeln und abzuändern, sagte der EVP-Chef weiter.
An vielen Punkten der Diskussion gab es Einigkeit zwischen den unterschiedlichen Meinungen. Daher wurde auch die Frage diskutiert, ob nicht die Gesellschaft weiter ist, als das Gesetz. «Das Absurde ist ja, dass eine in den USA getätigte Adoption von gleichgeschlechtlichen Paaren in der Schweiz rechtlich voll anerkannt ist», gab zunächst Nufer zu bedenken. Im Prinzip dürfte kein Unterschied sein, zwischen den Adoptionsverfahren hierzulande und im Ausland.
Für Janiak sei die Gesellschaft weiter, als die Politik. Bei den Adoptionen sei es schon damals klar gewesen, dass das Thema nicht vom Tisch ist. Und da gehe es nicht nur um homosexuelle Paare. Janiak führte auch die Stichworte Patchwork-Familien, Alleinerziehende und uneheliche Kinder auf. «Die Vielfalt der Familien ist so gross, dass man gar nicht sagen kann, wie gross ein solches Problem sein kann», sagte der Baselbieter Ständerat.
EVP-Politiker Studer findet es störend, das der Samenspender oder die abgebende Mutter nicht einbezogen wird. Die Kinder seien klein, aber von ihrer Entstehung wissen sie dem Alter entsprechend Bescheid, entgegnete Scheibling von Känel. Dies sei kein Problem für die Kinder.
Auf die Frage, ob ein Kind nicht drei Bezugspersonen haben kann, meinte Nufer, dass es selbstverständlich sein kann. Von der Kindersituation her und vom Psychischen her könne ein Kind mehrere Bezugspersonen haben, so Nufer. Dies könne die Grossmutter, der Götti oder der Nachbar sein. «Für das Kind ist es wichtig, welche Qualität die Bezugspersonen haben und wie verantwortlich sie sich fühlen», sagte Nufer.
Im Idealfall habe ein Kind einen Vater und eine Mutter, so habe es der Schöpfer gewollt, sagte Studer auf die Frage, was ein Kind brauche. Ob etwas den Kindern fehle könne man nicht sagen, erklärte wiederum Bigitte Häberli. Es sei zum Beispiel eine andere Art, wie die Väter mit den Kindern spielen. «Wir dürfen auch an der ursprünglichen Rolle festhalten», sagte Häberli und: «Es muss ja nicht alles gleich sein.» Eine gewisse Ungleichheit habe man eben beim Partnerschaftsgesetz in Kauf genommen.
Martin della Valle betonte, dass seine Tochter ein soziales Umfeld mit wahnsinnig vielen Frauen habe. Auch Nufer erklärte, dass es Studien gäbe, die zeigen, dass Kinder bei homosexuellen Paaren sehr offen aufwachsen.
Man dürfe aber auch die beiden Lebensformen nicht gegeneinander ausspielen. Fakt bleibe aber die Realität, dass vor der Hochzeit von Janiak er Kinder hätte adoptieren könne – heute dürfe er es nicht mehr.
Bei der Frage was ideal sei meinte Della Valle, das wenn man nur das biologisch Vorgesehene befürwortet und als natürlich betrachtet, dann müsse man sich auch fragen wie die Invitro-Fertilisation und die Ein-Eltern-Familien in dieses Schema passen würden. Dazu sagte Häberli, dass nicht alles möglich sein müsse und es gebe Unterschiede, mit denen man leben könne.
Nufer erklärte weiter, dass vom Kinderpsychologischen her es keine Einwände gebe, warum Kinder nicht in einer gleichgeschlechtlichen Beziehung aufwachsen können. «Die Kinder leiden mehr darunter, wenn das nicht ganz klar ist, wenn es unsicher ist, wenn das in Frage gestellt wird, der Angst vom Verlust», sagte der Kinderpsychologe weiter.
Am Schluss der Sendung wurde erneut die rechtliche Unsicherheit betont. Dies, trotz der Beschwichtigung von Ständerätin Häberli, dass die Vormundschaftsbehörden zum Wohle der Kinder zu handeln hätten. Bei einem heterosexuellen Paar gebe es jedoch die Unsicherheit nicht, entgegnete Della Valle, der auch seinen Partner verloren hat. Dort werde sofort zum verbleibenden Elternteil geschaut. Bei den homosexuellen Paaren sei es anders. Dort gibt es die Unsicherheit.
(sf/horm)
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S. Tapernoux, St.Gallen
)
(tapernoux
Verfasst am: 25.2.2012 23:00
Gewisse Aspekte ausgeblendet
Im Club vertreten waren zwei... mehr
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N. ame der Redaktion bekannt, ............
)
(Flachmann
Verfasst am: 25.2.2012 0:13
Wahrheitsverzerrung
1. Wenn zwei Männer oder zwei Frauen miteinander... mehr
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U. Romer, Opfikon
)
(romeru
Verfasst am: 23.2.2012 8:11
"Alles haben" Gesellschaft
Es ist sicher besser, wenn Kinder in einem... mehr
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