Krise im Euro-Land
«Es bleibt fraglich, ob Griechenland wieder auf die Beine kommt»
Das zweite Hilfspaket für Griechenland ist unter Dach und Fach. SF-Korrespondent Jonas Projer in Brüssel erklärt gegenüber Radio DRS, warum die Verhandlungen äusserst zäh verliefen und Griechenland trotz der Hilfe noch nicht gerettet ist.
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Jonas Projer, die Verhandlungen in Brüssel waren harzig. Wo hat es geklemmt?
Projer: Geklemmt hat es bei der Frage, wie man die griechischen Schulden verringern kann, wie man sie auf ein erträgliches Mass senken kann. Da haben die Euroländer bereits im letzten Herbst einen Richtwert festgelegt, wie hoch diese Schulden langfristig sein dürfen. Die Vorgabe ist 120 Prozent der Wirtschaftsleistung. Höher dürfen die Schulden nicht sein, falls Griechenland eine Chance haben will. Die Euro-Finanzminister haben fast 14 Stunden gearbeitet, um diesen Zielwert von 120 Prozent zu erreichen. Jetzt ist klar, man konnte diese Schulden nochmals merklich senken, genau auf 120,5 Prozent. Man hat also diesen Zielwert mit Ach und Krach erreicht.
Jonas Projer im Radio
Interview mit SF-Korrespondent Jonas Projer im «Heute Morgen» auf Radio DRS. Hier hören.
An welchen Schrauben wurde noch gedreht, um das Problem zu lösen?
Unter anderem hat man das Problem gelöst, indem die Banken unter anderem auf noch mehr Geld verzichten müssen. Bisher ging man davon aus, dass dieser Schuldenschnitt 50 Prozent beträgt, nun beträgt der Schnitt über 53 Prozent. Möglich ist das geworden, weil die ganze Nacht hinweg zwei parallele Verhandlungen stattgefunden haben. Im einen Gebäude trafen sich die Finanzminister der Euro-Staaten, im anderen Gebäude traf sich der griechische Premierminister Lukas Papademos mit Bankenvertretern. Da war die ganze Nacht hindurch ein ständiges hin und her zwischen den beiden Verhandlungsrunden, bis man die Banken zu diesem noch grösseren Verzicht überzeugt hatte. Es sind aber nicht nur die privaten Gläubiger, die noch tiefer in die Tasche greifen, auch die EZB will auf Gewinne verzichten. Es gibt also zusätzliche Hilfe von privaten Gläubigern, aber auch vom öffentlichen Sektor, um die griechische Schuldenlast langfristig zu senken.
Das jüngste Hilfspaket ist eine Voraussetzung für den Schuldenschnitt. Steht diesem nun nichts mehr im Wege?
Nun gibt es zumindest einmal politisch grünes Licht für diesen Schuldenschnitt. Das ist enorm wichtig, aber damit steht der Schuldenschnitt erst ganz am Anfang. Das heisst: Griechenland kann jetzt vorwärts machen und an seine Privatgläubiger eine konkrete Anfrage stellen. Privatgläubiger sind Banken, Versicherungen und Hedgefonds, welche griechische Papiere besitzen. Jede Bank, jedes Institut muss einzeln einwilligen, ob sie bei diesem Schuldenschnitt wirklich mitmachen wollen. Der Chef der Eurogruppe Jean-Claude Junker ist optimistisch und erwartet eine hohe Beteiligung von bis zu 95 Prozent. Ich bin ich noch etwas vorsichtig, ob das wirklich so einfach geht. Ich glaube, man kann man erst in einigen Wochen rückblickend beurteilen, ob wirklich so viele private Gläubiger freiwillig mitmachen. Vielleicht muss man da auch noch mit etwas Zwang nachhelfen.
Griechenland erhält jetzt 130 Milliarden Euro. Ist das Land jetzt aus dem Gröbsten heraus?
Das ist zumindest die offizielle Version der Eurostaaten, dass man Griechenland nun eben mit diesem zweiten Hilfspaket definitiv gerettet hat. Aber dieser Zweckoptimismus wird überschattet, und zwar von einem internen Bericht, den die Geldgeber selber verfasst haben. Er ist in der Nacht an die Medien gedrungen. Dieser Bericht von der sogenannten Troika von EU, IWF und EZB stellt fest, dass die Lage auch weiterhin ernst ist. Das Hilfsprogramm sei extrem empfindlich auf Verzögerungen, steht da. Damit sind Verzögerungen bei den griechischen Reformen gemeint. Der Bericht geht sogar noch weiter und meint, dass die Nachhaltigkeit der ganzen Hilfsbemühungen fraglich ist. In diesem Spannungsfeld stehen wir zurzeit. Einerseits haben die Euro-Finanzminister das Hilfspaket beschlossen, anderseits bleibt es fraglich, ob Griechenland wieder auf die Beine kommt, auch mit diesen Hilfsmassnahmen.
Rettungspaket für Griechenland steht
Kurz vor dem drohenden Staatsbankrott bekommt Griechenland neue Finanzhilfen in Höhe von 130 Milliarden Euro. Die Euro-Finanzminister beschlossen nach gut zwölfstündigen Beratungen in Brüssel unter anderem auch stärkere Kontrollen. Private Gläubiger werden stärker in die Pflicht genommen. Mehr
(sf/widb)
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M. Vreni, Chur
)
(vreni77
Verfasst am: 21.2.2012 17:54
Jawohl SP und jetzt können wir ...
beitreten! Es lebe die EU! [1]
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U. Bilger, Kanchanaburi
)
(odersos
Verfasst am: 21.2.2012 16:08
«Es bleibt fraglich, ob Griechenland wieder auf die Beine kommt»
huahaha - selten so gelacht. das ist doch mal... mehr
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H. anni, zürich
)
(shadow_queen
Verfasst am: 21.2.2012 15:22
Gerettet ist gar nichts
Was, wenn die Bürger nicht mitmachen? Was, wenn... mehr
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