Schweiz
Jura-Frage: Bern und Jura einigen sich auf Abstimmungen
Die Kantone Bern und Jura haben einen weiteren Schritt getan, um die Jura-Frage zu lösen. Das Stimmvolk des Kantons Jura und des Berner Juras soll an der Urne entscheiden, ob die Berner Jura-Gemeinden den Kanton wechseln sollen. Sollte das Stimmvolk Nein sagen, bleibt den einzelnen Gemeinden dennoch ein «Hintertürchen».
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Das Verfahren sieht zwei Abstimmungen auf Regionsebene vor, eine im Kanton Jura und eine im Verwaltungskreis Berner Jura (zum Kanton Bern gehörende, bisherige Bezirke Courtelary, Moutier und Le Neuveville). Dabei geht es um die Frage, ob die Kantone ein Verfahren zur Gründung eines neuen Kantons, bestehend aus dem heutigen Kanton Jura und dem Berner Jura, einleiten sollen. Das haben die beiden Kantone in einer Absichtserklärung festgehalten.
Die Abstimmungen unterscheiden sich nicht in der Materie, wohl aber in ihrer Form. Im Kanton Jura wird über eine Änderung der Kantonsverfassung abgestimmt, im Kanton Bern wird eine Konsultativabstimmung durchgeführt.
Fällt das Ergebnis einer der beiden Abstimmungen negativ aus, wird die Gründung eines neuen Kantons fallen gelassen, wie die Regierungspräsidenten der beiden Kantone, der Berner Bernhard Pulver und seine jurassische Amtskollegin Elisabeth Baume-Schneider vor den Medien in Bern sagten.
Sollten beide Seiten einer Fusion zustimmen, werden die beiden Kantonsregierungen eine interkantonale Vereinbarung verfassen. Diese soll das weitere Verfahren beschreiben, insbesondere die Wahl eines Verfassungsrats. Wann die Abstimmungen stattfinden sollen, ist noch offen. Erste Überlegungen gehen Richtung Ende 2013.
Hintertürchen für Gemeinden
Falls die erste Abstimmung negativ ausfällt, hält die Vereinbarung für die Gemeinden ein Hintertürchen offen: In einem zweiten Schritt können jene, die dies wünschen, über ihre Zugehörigkeit zu einem der beiden Kantone entscheiden. So könnte beispielsweise die separatistische Gemeinde Moutier ihren Anschluss an den Kanton Jura beschliessen.
Gegen eine solche Gemeindelösung hatte sich Bern bislang stets gestellt. Dass dadurch ein Flickenteppich entstehen könnte, sei kein Problem, sagte dazu die jurassische Regierungspräsidentin Baume- Schneider vor den Medien. Enklaven gebe es ja andernorts in der Schweiz auch.
Bernhard Pulver zeigte sich jedoch zuversichtlich, dass es keinen Flickenteppich geben wird. «Es wird nur einige wenige Gemeinden geben, die individuell wechseln wollen», sagte Pulver in der «Tagesschau». Das würden offenbar nur Gemeinden sein, die an der Kantonsgrenze seien.
Keine Einigung «von oben»
Die Einigung der beiden Kantone wurde im Rahmen der Tripartiten Konferenz unter dem Vorsitz von Bundesrätin Simonetta Sommaruga erreicht.
Die Einigung sei nicht «von oben» her vorgegeben, sondern von den beiden Kantonen erarbeitet, betonte Sommaruga vor den Medien in Bern. Sie sprach von einer historischen Vereinbarung.
Die EJPD-Vorsteherin zeigte sich sehr beeindruckt darüber, wie die beiden Kantonsregierungen zu einer Einigung gekommen seien. «Man ist mit viel Offenheit und Vertrauen aufeinander zugegangen – das ist eine Qualität der politischen Diskussion und so findet man in unserem Land Lösungen», sagte Sommaruga.
«Einigung ist ein Durchbruch»
Bei dieser Absichtserklärung könne man durchhaus von einem jurapolitischen Durchbruch sprechen. «Es ist ein Meilenstein, vergleichbar mit den Plebisziten in den 1970er-Jahren», sagte SF-Korrespondent für den Jurabogen, Bruno Bossart, in der «Tagesschau». Er wertete dies auch als einen Erfolg für Bundesrätin Sommaruga.
Theoretisch sei eine jurassische Wiedervereinigung möglich. «Praktisch eher Nein, weil die Zwei-Drittel-Mehrheit im Berner Jura, die für den Verbleib im Kanton Bern ist, stabil ist», so Bossart weiter. Ein gesamthaftes Ja zur Wiedervereinigung bleibt eher hypothetisch. Der SF-Korrespondent zeigt sich überzeugt, dass es beim Alten bleiben wird. Wahrscheinlich werde sich die Grenzstadt Moutier für einen Kantonswechsel aussprechen und dies wäre die grösste Neuerung.
Er sei stolz auf die Qualität des Dialogs, den die beiden Kantone geführt hätten, sagte Dick Marty, Präsident der Interjurassischen Versammlung. Bei den schwierigen Verhandlungen sei es nicht um Sieg oder Niederlage gegangen, sondern darum, gemeinsam eine Lösung für die seit Jahrzehnten ungelöste Jurafrage zu finden.
Marty ist auch überzeugt, dass sich die Gegner diesem Entscheid beugen werden. «Ich glaube, es wird nicht einfach, gegen eine solche Lösung zu sein», sagte Marty zur «Tagesschau». Wenn man dagegen sei, sei man auch gegen einen demokratischen Entscheid.
Die geplanten Abstimmungen dürften in der Region zu intensiven politischen Diskussionen führen. Die beiden Kantone haben sich verpflichtet, dafür zu sorgen, dass der Prozess friedlich und demokratisch abläuft.
Abstimmungsausgang offen
Würde der Verwaltungskreis Berner Jura als Ganzes zum Kanton Jura wechseln, würde dieser schlagartig fast doppelt so gross. Die Einwohnerzahl würde von 70‘000 auf 120‘000 springen.
Wie die Bernjurassier bei einem Urnengang stimmen würden, ist unklar. Die jurassische Regierungspräsidentin Elisabeth Baume-Schneider meinte im vergangenen Sommer in einem Interview mit der «Basler Zeitung», sie habe «eher den Eindruck, dass die Mehrheit der Bernjurassier beim Kanton Bern bleiben möchte». Aber es sei gleichzeitig auch «überhaupt nicht sicher, dass wir verlieren werden».
Für Baume-Schneider gehört der Berner Jura zur Romandie, wie sie im Interview weiter sagte: «Er stimmt wie die Westschweiz und Basel und nicht wie das Berner Oberland».
Jura: «Zankapfel» mit Vergangenheit
Die Jurafrage bewegt die Schweiz seit Jahrzehnten. Nach einer Serie von Volksabstimmungen entstand Ende der 1970er-Jahre der Kanton Jura. Die südlichen Bezirke des Berner Juras und das Laufental blieben bei Bern. Das Laufental wechselte 1994 zum Kanton Basel-Landschaft.
In den 1980er-Jahren flammten erneut gewalttätige Auseinandersetzungen zwischen den berntreuen Sangliers und den separatistischen Béliers auf.
Mitte der 1990er-Jahre verständigten sich der Bund und die Kantone Bern und Jura auf einen Dialog: Sie bildeten die Plattform der Interjurassischen Versammlung.
Der Kanton Bern nahm Arbeiten an die Hand, um dem Berner Jura eine «besondere Stellung» zuzubilligen. Anfang 2006 trat das Sonderstatut in Kraft, das der Region eine beschränkte Autonomie, vor allem in Schul- und Kulturfragen brachte. Zuständig dafür ist ein 24köpfiger Bernjurassischer Rat.
2009 legte die Interjurassische Versammlung einen Bericht zur Institutionellen Zukunft der Region vor. Darin skizziert sie die beiden Modelle, Verbleib bei Bern oder neuer Kanton. Eine Empfehlung gibt die Institution nicht ab, regte aber an, die Bevölkerung zu befragen.
Daneben gibt es auch noch Überlegungen, den Jura, Neuenburg und den Berner Jura zu einem Kanton «Arc Jurassien» zusammenzulegen. Die Idee gilt allerdings als sehr theoretisch und wird bisher kaum ernsthaft diskutiert.
(sda/vaid)
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T. Hirt, Remigen
)
(Octavius
Verfasst am: 21.2.2012 23:49
eckdaten
bern hat schon seit 1486 den südjura in seinem... mehr
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N. Marti, Bévilard
)
(Bernois
Verfasst am: 21.2.2012 23:10
Bevölkerung
Als Berner Jurassier möchte ich etwas erklären.... [1] mehr
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M. Steiner, Winterthur
)
(Mikey
Verfasst am: 21.2.2012 9:41
kindisch
Ich finde das Gezänk kindisch. Aber es passt zur... mehr
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